Thriller
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The Coldest City

The Coldest City

Comic - Thriller | Antony Johnston, Sam Hart
Bewertung:★★★★★

„The Coldest City“ mag die Vorlage für den Film „Atomic Blonde“ gewesen sein, dieser aber hat den durchwachsenen Kritiken nach nicht annähernd die Klasse dieses Prachtstücks. Das hier ist für mich ganz klar einer der besten Comics der letzten Zeit. Lasst euch von dem auf den Film hinweisenden Papierbanner nicht verwirren.

Handlung

Der Comic spielt zur Zeit des Mauerfalls im geteilten Berlin. Die britische Geheimagentin Lorraine Broughton wurde in die deutsche Bundeshauptstadt geschickt, um dort den Mord an einem weiteren Spion aufzuklären. Im gefährlichen Spiel aus Geheimnissen und Intrigen zeigen sich immer mehr Mitspieler, die eigene Interessen verfolgen, jedoch für unterschiedlichste Organisationen arbeiten und allesamt vor Mord nicht zurückschrecken.

Entscheidend für die Story ist eine angebliche Liste, welche die Namen aller sich in Berlin im Einsatz befindlichen Agenten beinhaltet und von höchstem Interesse für alle Geheimdienste sein könnte. Ob Lorraine ihrem ersten Einsatz in Deutschland gewachsen ist? Ob sich die Zusammenarbeit mit dem mürrischen David Perceval als fruchtbar erweist? Wem kann sie trauen? Wem besser nicht?

Bewertung

Autor Antony Johnston erzählt mit „The Coldest City“ einen spannenden, atmosphärisch dichten und gleichzeitig ruhigen Spionagethriller auf zwei Zeitebenen. Während die erste Ebene das eigentliche Geschehen thematisiert und so für den Handlungsverlauf zuständig ist, bietet die zweite Ebene eine Retrospektive in Form einer Vernehmung, die konsequent die entscheidenden Twists einstreut und so die genretypischen Überraschungen parat hält.

Mir gefiel die Glaubwürdigkeit der Charaktere, welche immer irgendwie schizophren auftreten. Während da beispielsweise der neue französische Schönling seinen Auftritt bekommt, ist dessen Hintergrund von Anfang an nur Schein und lädt zum Rätseln ein. Auch das „Anfremdeln“ mit ihren neuen Kollegen erscheint mir realistisch, wo doch jeder ein doppeltes Spiel treibt.

Zeichner Sam Hart erschafft ein Artwork welches vielleicht manchmal etwas ungenau ist und der Leser so nicht sofort erkennt, welche der Figuren gerade zu sehen ist, stilistisch ist er allerdings äußerst sicher und präsentiert monochrome Einblicke in eine Welt, die nur aus Facetten von Grau zu bestehen scheint. Die Zeichnungen zumindest sind durch harte Kanten sehr kontrastreich geraten.

Fazit

Mit dem ursprünglich bei Oni Press erschienenen Thriller „The Coldest City“ hat Cross Cult erneut ein gutes Händchen für spannende Comics bewiesen. Wer kann, sollte diese Graphic Novel am Stück und möglichst konzentriert lesen, um keine Wendung zu verpassen und die Namen alle korrekt zuordnen zu können.

Vielen Dank an Cross Cult für die Zurverfügungstellung des Rezensionsexemplars.