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Tote Mädchen lügen nicht – Season 2

Tote Mädchen lügen nicht – Season 2

Netflix | mit: Dylan Minnette, Katherine Langford, Christian Navarro u.a.
Bewertung: ★★★★★

Die erste Staffel von „Tote Mädchen lügen nicht“ nach dem Roman von Autor Jay Asher schlug weltweit wie eine Bombe ein. Es folgte eine Diskussion, ob man solch ein Thema Jugendlichen zeigen darf, denn man treibt sie doch so in den Selbstmord. Komische Vorstellung und zum Glück wandelte sich die Meinung vieler Zuschauer. Es ist nämlich wichtig über dieses Tabuthema zu sprechen. Wir können Mobbing, gerade im Zeitalter von Facebook und Co, nicht mehr kleinhalten, sondern müssen darüber diskutieren und insbesondere junge Heranwachsende dafür sensibilisieren. Die erste Staffel gehört definitiv in den Unterricht. Hingegen die zweite Season reiner Durchschnitt ist und sich dem obligatorischen Schema einer nicht geplanten Fortsetzung einreiht.

Handlung

Hannah Baker ist gestorben. Sie hat sich umgebracht, weil sie dem Druck, dem Mobbing, nicht mehr standgehalten hat. Es fing harmlos an, doch irgendwann hatte sie ihren Stempel, ihren rosaroten Buchstaben, wie in „Der scharlachrote Buchstabe“. Sie war für die Meute Freiwild.

In der zweiten Season klagt ihre Mutter gegen die Schule, weil sie die Schuld für den Tod ihrer Tochter bei ihr sieht. Die öffentliche Einrichtung, die für den Schutz von Hannah sorgen sollte, hat ihrer Meinung nach die Augen verschlossen. Während der Verhandlung kommen immer mehr Details aus Hannahs Leben zum Vorschein. Das Leben ihrer Freunde geht aber weiter und auch sie haben ihren Rucksack zu tragen.

Trailer

Bewertung

Es geht schief. Es ist so sicher wie das Amen in der Kirche und das der Himmel blau oder das Wasser nass ist. Fortsetzungen, die nicht geplant sind, können einfach nicht dem Original das Wasser reichen. Die zweite Staffel von „Tote Mädchen lügen nicht“ ereilt gleiches Schicksal und erhält daher folgerichtig nur eine 3-Sterne Bewertung.

Die erste Staffel hat sich Zeit genommen. Sie baute die Handlung langsam auf. Zunächst war der Selbstmord nicht greifbar, die Probleme von Hannah überschaubar. Fast dachte der Zuschauer: Warum brachte sie sich nur um? Denn schließlich haben die Meisten von uns in der Schulzeit ähnliche Sachen erlebt. Doch dann spitzte sich die Story immer mehr zu und allen wurde klar, der Ausweg, den Hannah gewählt hat, war nicht logisch aber vorhersehbar. Die Fortsetzung hat nun nicht mehr die Zeit, sie ist mitten drin. Sie versucht das Tempo rauszunehmen, aber der Zuschauer verlangt Antworten. Die Sehnsucht nach Antworten sowie Neuigkeiten kann und will die zweite Runde nicht gerecht werden.

Die Dramatik geht so verloren. Es geht nun vordergründig um Teenager-Probleme, die auf den Tod von Hannah gemünzt sind. Darüber hinaus werden weitere Handlungsstränge aufgebaut. Sie fühlen sich wie eine Klischeesammlung an. Die konstruierte Gewalt von einem Phantom, der mit seinem Auto u.a. Leute von der Straße drängt, ist einfach deplatziert. Diese Ausraster fehlten der ersten Staffel vollkommen und nun gehören sie zum Tagesgeschäft. Die Produzenten wollen nun auf weitere Missstände den Fokus lenken, doch bekommen diese nicht mehr so gut präsentiert.

Die Schauspieler machen nicht immer eine gute Figur. Der Zuschauer merkt in bestimmten Situationen, dass ihnen teilweise die Erfahrung und ein gewisser Tiefgang fehlt, wenn es um die Darstellung von Emotionen geht. Aus diesem Grund fällt es ebenfalls schwer der Serie immer ernsthaft zu folgen. Ausreißer nach oben gibt es allerdings. Ein Allglatter Justin Prentice hat mir zum Beispiel gefallen. Nicht, dass er ein überragender Schauspieler ist, aber die eiskalte Einstellung war stimmig und sorgte mit einer gewissen Backpfeife für einen Gänsehautmoment. Auch seine Darstellung seiner Sichtweise vor Gericht war ein guter Kontrast zur Wahrheit.

Fazit

„Tote Mädchen lügen nicht Season 2“ hat reichlich Fahrt verloren und wirkt zur ersten Staffel blass. Einige Antworten werden den Zuschauer jedoch belohnen. Die nächste Runde muss sitzen, ansonsten verbaut sich Netflix einen Meilenstein.