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The Punisher

The Punisher

Netflix | mit: Jon Bernthal, Amber Rose Revah, Ebon Moss-Bachrach
Bewertung: ★★★★

Mit „Daredevil“ ist Marvel und Netflix vor zwei Jahren ein Überraschungshit gelungen, dass ein ganz eigenes Universum begründet hat: das Marvel-Netflix-Universum. Daraus sind ein paar gute, ein paar ganz okaye und eine sehr mittelmäßige Serie entstanden. Nachdem Jessica Jones, Luke Cage, Iron Fist und Daredevil im Sommer Seite an Seite gegen das Böse gekämpft haben, haben sie sich eine Auszeit verdient. Aber zum Glück lässt Netflix die Fans nicht hängen und nun bekommen wir eine ganz eigene Serie zum Punisher.

Handlung

Frank Castle will nur eins: Den Tod seiner Familie rächen. Schuld daran waren Bosse der Unterwelt New Yorks – die irische Mafia, das mexikanische Drogenkartel usw. Und genau die knallt Castle aka The Punisher methodisch und kaltblütig ab. Aber irgendwann… Ja irgendwann sind sie alle tot. Nachdem Castle nun den aller Letzen der am Mord an seiner Familie beteiligten getötet hat, zieht Frank nach New York und fristet sein Dasein als Bauarbeiter. Doch damit ist das Trauma des Krieges und dem Verlust seiner Familie nicht überwunden. Frank leidet unter Albträumen und wird von brutalen Visionen geplagt. Als ein Hacker namens Micro ihm dann auch noch Beweise liefert, dass der Mord an seiner Familie Teil einer Verschwörung war, die viel weiter reicht als die kriminelle Unterwelt New Yorks, muss Frank nicht lange überlegen: Er wird wieder zum Punisher.

Trailer

Bewertung

Ganz zu Anfang: „The Punisher“ ist definitiv eine der besseren Marvel-Netflix-Serien. Dass Jon Bernthal die perfekte Besetzung für Frank Castle ist, hat er schon in der zweiten Staffel „Daredevil“ bewiesen. Aber in seiner eigenen Serie kann er endlich zeigen, dass er mehr ist als eine Kampfmaschine, die darauf ausgerichtet ist, Rache zu üben. Man hat zwar schon ein bisschen etwas davon in „Daredevil“ gesehen. Aber hier hat Bernthal die Zeit und den Raum, um das ganze Trauma zu zeigen, unter dem Frank leidet. Vor allem die Traumszenen sind erschütternd. Es fängt immer alles sehr friedlich an: Frank bringt seiner Tochter das Gitarrenspielen bei oder seine Frau weckt ihn mit einem Kuss. Aber die traumhaften Bilder wandeln sich schnell zu Albträumen und man sieht wieder und wieder, wie Franks Familie von vermummten Gestalten ermordet wird. Aber nicht nur diese Szenen zeigen, wie traumatisiert Frank ist. Bernthal schafft es, mit kleinen Gesten oder mit seiner Körpersprache anzudeuten, dass mit Castle etwas nicht stimmt.
Aber Bernthal ist nur ein kleiner Teil eines sehr überzeugenden Casts. Amber Rose Revah spielt Dinah Madani, eine iranisch-amerikanische Homeland-Agentin die fieberhaft versucht, Castle zu finden. Microchip bzw. Micro wird von Ebon Moss-Bachrach gespielt. Er ist ein ehemaliger NSA-Analyst, der geheime Dokumente weitergeleitet hat und seitdem von der Regierung gejagt wird. Beide spielen ihre Rollen sehr gut, vor allem Micro als etwas schrulligem Hacker, der wie Frank auch um den Verlust seiner Familie trauert – seit seinem vorgespielten Tod ist seine einzige Verbindung zu ihnen das Video-Feed der Kameras, die er überall in seinem Haus versteckt hat.
Was mich vor allem an der Serie erstaunt hat war, wie hell alles war. Anders als bei Daredevil spielen fast die gesamte Handlung und auch die meisten Action-Sequenzen tagsüber. Das war eine sehr erfrischende Abwechslung, weil ich endlich nicht mehr die Helligkeit des Fernsehers voll aufdrehen musste, um irgendetwas zu erkennen. Diese Helligkeit hat aber auch einen guten Grund: Alles wirkt plastischer und wird auf brutale Art und Weise realistischer. Die Mimik der Figuren ist klar erkennbar und somit auch ihre Reaktionen viel deutlicher. Aber brutal realistischer bedeutet nicht, dass die Serie brutal ist. Klar, bei dem Titelhelden kann man keine FSK 12-Serie erwarten. Es wird geprügelt, geschossen und gefoltert. Aber bis zum zweiten Drittel der Staffel geht es noch sehr gemäßigt zu. Man sieht nicht, wie Köpfe in Autotüren zertrümmert werden oder wie Leute die eigenen Körperteile amputieren. Und das finde ich sehr bemerkenswert. Man muss eben nicht immer Menschen auf verschiedenste und grausamste Art sterben lassen. Wenn die Action gut choreografiert ist und man mit den Figuren mitfiebert, braucht man kein Gore, um den Zuschauer zu packen.
Und genau da macht „The Punisher“ vieles richtig. Durch die Verschwörungsgeschichte bekommt die Serie einen Hauch von Polit-Thriller, wo der Gute von der eigenen Regierung gejagt wird und diese wiederum zur moralischen verwerflichen Institution verkommt. Dabei wird die Geschichte sehr langsam aufgebaut, was vielleicht an der einen oder anderen Stelle ein bisschen langweilig wirken kann. Aber so hat man als Zuschauer auch die Zeit, die Figuren kennen zu lernen. Davon profitiert vor allem Frank als Figur, da man ihm nicht nur die ganze Zeit dabei zusieht, wie er einen bösen Typen nach dem anderen abknallt, sondern hat auch die Möglichkeit, ihn als Mensch zu sehen.
Das einzige, was mich persönlich an „The Punisher“ stört ist, dass keine klare Stellung bezogen wird. In der Serie geht es viel um Terrorismus und die Frage, ob der Zweck alle Mittel heiligt. Micro ist dabei so eine Art Snowden, der streng vertrauliches Material weitergibt und deswegen von der eigenen Regierung verfolgt wird. Und, dass Castle selber eine wesentliche Rolle bei der Folter und Ermordung von vermeintlichen Terroristen gespielt hat, wird auch nur als Aufhänger für die größere Verschwörung benutzt, die zum Mord an seiner Familie geführt hat. Außerdem wird der große Topf der Waffenkontrolle in den USA aufgemacht, ohne eine Auflösung anzubieten, die über den Status Quo hinausgeht.

Fazit

Ich hätte nicht gedacht, dass eine Serie mit dem Punisher als zentrale Figur so viel zu bieten haben könnte. Die Figur von Frank Castle wurde sehr schön aufgeschlüsselt und dem Zuschauer gezeigt, dass er mehr ist als nur der Punisher. Man versteht ein Stück besser, warum er zu dem geworden ist, der er ist. Der größte Haken: Fans vom Punisher werden eine zentrale Wendung der Geschichte, die mich sehr mitgenommen hat, vielleicht schon von Anfang an erahnen. Was sehr schade ist, denn da hätten die Macher sich doch bestimmt etwas einfallen lassen können.

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