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Manhunt-Unabomber

Manhunt-Unabomber

Netflix | mit: Sam Worthington, Paul Bettany, Chris Noth
Bewertung: ★★★★★

Netflix hat sich in der vorliegenden für den „Discovery-Channel“ produzierten Serie einen realen Kriminalfall der modernen amerikanischen Geschichte vorgenommen. Besetzung, Drehbuch und Story wurden vom „echten“ Serientäter inspiriert, der nicht gerade zu den „klassischen“ Massenmördern zählt. Wer mit Sprengstoff mordet, zählt wohl wirklich zu den skrupellosesten Menschen, weil durch die Explosionen, je nach Zeit und Platzierung der Bombe nie abzusehen ist wie viele Menschen betroffen sein werden. Es ist dennoch immer wieder, so abscheulich solche Taten auch erscheinen, interessant, warum Täter so etwas tun, und was ihre eigenen, inneren Beweggründe sind.

Handlung

Es beginnt wie in einem durchschnittlichen „American-Hero“ – Film: Ein einsamer Held, der unter lauter blinden Möchtegernen und Klugscheißern seiner Linie treu bleibt, und stur sein Ziel verfolgt.
Jim Fitzgerald (Sam Worthington) ist ein aufstrebender Sonderermittler und Profiler beim FBI, der 1995 zur Jagd auf den Unabomber hinzugezogen wird, der deshalb von den Medien so genannt wird, weil er es mit seinen Brief-und Paketbomben auf Angestellte von Universitäten und Airlines abgesehen hat. Dieser etwas vergeistigt wirkende Ermittler ist für seine konzentrierte Arbeitsweise und seine ruhige Art bekannt, und sein Vorgesetzter Frank McAlpine (Brian F. O'Byrne), amtierender Chef-Profiler, erhofft sich schnelle Ergebnisse. „Fitz“ ist schon seit Jahren ein Mitarbeier des FBI, und hat sich erst kurz vor seiner Anforderung zum Profiler ausbilden lassen. Genau deshalb ist sein Frau Ellis ( Elizabeth Reaser) nicht gerade begeistert, den gerade erst aus Quantico zurückgekehrten Ehemann und dreifachen Familienvater, sofort wieder an ein so zeitintensives Projekt zu verlieren. Die UnABom Task Force, die von Andy Genelli (Ben Weber) geleitet wird steht akut unter Druck.
Der gefährliche Bombenbastler treibt schon seit 1978 sein Unwesen. Durch seine Taten wurden im Laufe der Jahre drei Opfer auf grausame Weise getötet, und 23 Menschen schwer verletzt und teilweise verstümmelt.
Sein letztes Attentat, das ein Lobbyist der Holzidustrie mit dem Leben bezahlte, wurde mit dem Herantreten des Täters an die New York Times und die Washington Post begleitet, in dem er die beiden populären Blätter aufforderte ein von ihm verfasstes Manifest zu veröffentlichen. Tun sie es, so verspricht er, würde es keine weiteren Attentate mehr geben. Seine Schrift „Industrial Society and its Future“ ist ein ausladender und pathetischer Text, der erklärt, dass die fortdauernde Industrialisierung der Menschheit zu ihrem Untergang führen werde. Genau das aber wird ihm auch zum Verhängnis.
Aufgrund dieses Textes kommt Fitz, nach ständiger Durchforstung des Manifestes und dem Festlegen bestimmter Satz-Wort-oder Absatzfolgen, sogar immer wiederkehrender Fehler in bestimmten Phrasen auf die Identität des Mörders. Er hat die, erst von allen seinen Kollegen belächelte und nicht ernst genommene, „linguistische Forensik“ entwickelt. Ted Kaczynski (Paul Bettany), wird mit der Unterstützung des eigenen Bruders David, der die Taten von Ted nicht mit verantworten will, nach langer Jagd endlich gefasst.
Dann geht es in die zweite Ebene der Handlung, die das eigentliche Spannungselement dieser Anthologieserie ausmacht. Die Geschichte ist von Anfang an mit Rückblenden-oder auch Zeitsprüngen „marmoriert“, die nicht eindeutig einzuordnen sind, ob es nun Rückblende oder Vorschau ist. 1997. Fitz lebt augenscheinlich, ähnlich wie Kaczinski, von seiner Familie getrennt in einer Hütte im Wald, und versorgt sich selbst mit dem was die Natur so hergibt. Das FBI will ihn wieder zurückholen, weil Kaczinsky wohl ausdrücklich zur Bedingung gemacht hat, dass er, sollte er ein Geständnis ablegen, das nur in Zusammenarbeit mit Fitz tun würde. Es geht um eine Abmachung die getroffen werden soll, um ein langes und damit teures Gerichtsverfahren zu vermeiden. Kaczinsky gesteht, und entgeht dadurch der Todesstrafe, und bekommt noch einige Hafterleichterungen zugestanden. Diese zweite Zeitebene in „Manhunt-Unabomber“ zeigt dann auch an wie sehr sich Kaczinsky dagegen sträubt als geisteskrank hingestellt zu werden. Es ist ja wohl hinlänglich bekannt, dass er sich in allen Punkten für schuldig bekannte. Jedoch zeigen die Gespräche zwischen den beiden, gar nicht so unähnlichen Männern, wie gefährlich der einmal als Wunderkind geltende Bombenleger wirklich ist. Das Mathematikgenie erinnert hier in manchen Sequenzen an die raubtierhafte Gefährlichkeit von Hannibal Lecter aus „Das Schweigen der Lämmer“. Seine ruhige, scharfsinnige Redeweise und die punktuelle Argumentation, lassen den Zuschauer ahnen, welche seelischen Abgründe dieser Mörder in sich trägt. Und obwohl Fitz von der Schuld seines Gegenübers überzeugt ist, kann er seine Motive nicht anzweifeln, und scheint manchmal irritiert darüber zu sein, wie sehr er mit ihm in einigen Argumentationsketten übereinstimmt. Überhaupt erscheint Kaczinsky erschreckend kühl und nüchtern die Dinge, die in der Gesellschaft nicht stimmen auf den Punkt zu bringen.

Trailer

Bewertung

Diese erste Staffel war auf acht Folgen ausgelegt, wäre aber mich sechs Folgen auch gut bedient gewesen.
Das ist aber , meiner Meinung nach, dass einzige Manko das man der Produktion nachsagen kann.
Die Reihe soll in mehreren Staffeln, wie es z:Z. im Trend liegt, bekannte amerikanische Verbrechen und deren Aufklärung interpretieren.
Gelungen halte ich in „Manhunt-Unabomber“ vor allem die ruhige und eingehende Erzählweise, die sich ja hier nicht auf ausufernde Action aufbauen kann. Worthingtons Darstellung des Fitz erinnert schon fast an eine Studie eines hoch konzentrierten Autisten. Vor allem sein Ärger, dass seine Theorien angezweifelt werden von allen Kollegen, außer einer Kollegin, kommt so minimalistisch verhalten rüber, dass man ihm fast auf die Schulter klopfen möchte und „Mach bloß weiter“ sagen will. Paul Bettany als Kaczinsky hingegen kommt dann in der zweiten Erzählebene absolut intelligent, kühl und rhetorisch ausgefeilt rüber. Das Verhör ist wirklich ein absolutes Highlight, und hat durch die konsequent eher leise, jedoch manchmal sehr scharfe Argumentation von Kaczinsky, wirklich eine unheimliche Atmosphäre. Clever eingeflochten in den eher ruhigen Handlungsablauf sind auch die Szenen der von Kaczinsky ausgeübten Anschläge, die in Rückblenden auftauchen wie Flashbacks und die grausame Realität der wirklichen Skrupellosigkeit dieses Genies widerspiegeln. Ich schaue selten Serien im Original, weil es mir einfach zu anstrengend ist, aber hier war es wirklich lohnenswert, weil die Stimme von Bettany immer wieder ein akustisches Erlebnis ist. Wie er es schafft in diesem an und für sich sanften Sermon immer wieder eine geradezu unheimliche Schärfe reinzubringen, finde ich bewundernswert.
Natürlich ist diese Staffel nichts für Freunde von geradliniger Action, aber dennoch funktioniert sie als subtiler, komplexer und gesellschaftskritischer Thriller sehr gut.

Fazit

„Industrial Society and its Future“ von Ted Kaczinski ist erschreckend nahe an der herrschenden aktuellen gesellschaftlichen Situation dran. Schon deshalb lohnt es sich diesem Mann und seiner Motivation zu dem Manifest einmal zuzuhören. Bei weiteren Recherchen bin ich darauf gestoßen, dass Anders Behring Breivik sich davon hat inspirieren lassen sein eigenes über tausend Seiten währendes Manifest zu verfassen. Also für einen leichten Seriengenuss mit Snacks ist hier nicht zu rechnen. Man muss konzentriert verfolgen, um zu verstehen was Ermittler und Täter wirklich antreibt. Vor allem aber sollte man sich vor Augen führen, dass es sich um einen gefährlichen, wahnhaften Killer handelt, dessen Taten durch nichts zu rechtfertigen sind. Hier möchte ich noch mal empfehlen sich die Staffel auch im Original anzuschauen, weil die Synchro zwar sehr gelungen ist, aber Paul Bettanys Original-Stimme eine wirklich phänomenale akustische Erfahrung ist.

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