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Frontier

Frontier

Drama
Trailer | Bewertung:★★★★★

Trotz der guten Inszenierung, der ansehnlichen Ausstattung und interessanten Figuren, schafft es die neueste historische Serie von Netflix leider nur selten überdurchschnittlich zu sein. Durch die nur sechs Folgen lange Staffel, kann man sich aber allemal mit "Game of Thrones"-Star Jason Momoa in die Wildnis begeben und einen Blick riskieren.

Handlung

Der Pelzhandel in Nordamerika des 18. Jahrhunderts ist ein lukratives Geschäft. Doch die Unsummen, die mit dem Pelz erzielt werden, locken Gier und Opportunismus an. Gegen diese Machenschaften der Hudson's Bay Company zieht der Freiheitskämpfer Declan Harp zu Felde. Doch sein Gegenspieler, der sadistische Lord Benton, ist nicht der Einzige, mit dem es Harp und seine loyalen Mitstreiter zu tun bekommen...

Bewertung

Als großer Geschichtsenthusiast kann ich nur sagen, dass das Original-Angebot von Netflix wirklich kaum große Wünsche offenlässt. Mit Serien-Produktionen wie "Narcos" (über die Jagd auf Drogen-Baron), "The Crown" (über Elizabeth II.), "Marco Polo" (über die China-Reisen des italienischen Händlers) oder dem Spielfilm "Jadotville" (über die Schlacht um Jadotville im September 1961) beleuchtet der Streaming-Gigant Kapitel der Historie, die man ansonsten nur sehr selten behandelt sieht. In dem neuesten Streich widmet man sich dem boomenden Pelzhandel in den 13 Kolonien und Kanada.

Die verschneiten Landschaften, die Angriffe von Ureinwohner-Stämmen und die explizite Gewalt-Darstellung erinnern wahrscheinlich jeden Film-Fan an den letztjährigen Oscar-Kandidaten "The Revenant". Die englischen Rotröcke und der Widerstand gegen deren Besatzung lassen einen dagegen eher an die AMC-Serie "Turn" denken. Dazu dann noch der Khal der Khals, "Game of Thrones"-Darsteller Jason Momoa und eigentlich müsste der Rest doch ein Kinderspiel sein, oder?

"Frontier" schafft es tatsächlich durch eben diese Assoziationen zu anderen Werken, eine anfangs spannende, da eher unbekannte, Geschichte über Gier, Rache und Intrigen zu erzählen. Dabei eröffnet uns der Kleinkriminelle Michael Smyth (eher blass: Landon Liboiron) das Fenster zur Neuen Welt und spielt eine tragende Rolle in der blutigen Fehde zwischen dem halb-indianischen Declan Harp (Momoa) und dem britischen Befehlshaber Lord Benton (Alun Armstrong). Doch selbst in der nur sechs Folgen langen ersten Staffel, verlässt sich die Serie bereits einige Male zu oft auf über-benutzte Klischees und ausgetretene Stereotypen, um so wirklich zu 100% eigen zu wirken. Dies schmälert die Momente, in denen es "Frontier" dann doch einmal schafft, sich eigenständig und deshalb wirklich unterhaltsam anzufühlen.

Diese sehr guten Momente haben oft einige Elemente gemeinsam. Zum einen sind in diesen Szenen entweder die Schauspieler Jason Momoa, Alun Armstrong oder die Figur von Captain Chesterfield (gespielt von Evan Jonigkeit) zu sehen oder es ist eine der doch zahlreichen Action-Sequenzen, die mit ihrer drastischen Gewalt selbst hartgesottene Film-und-Serien-Gucker schocken können. Momoa schafft es seine Figur sowohl mit der rohen Kraft seine "Game of Thrones"-Rolle, als auch mit einer verletzlichen Menschlichkeit auszustatten, während es "Les Miserables"-Veteran und "Braveheart"-Darsteller Alun Armstrong wunderbar gelingt den sadistischen Lord Benton zu einem wunderbar hassenswerten Gegenspieler zu machen. Dies gilt eben auch für Bentons "rechte Hand", den ambitionierten Captain Chesterfield.

Es ist der Machtkampf dieser beiden Männer, der den Motor der Handlung darstellt, was in den meisten Fällen eine gute Sache ist, allerdings auch leider dafür sorgt, dass Figuren der Nebenhandlungen eher stiefmütterlich behandelt werden. So fühlen sich Tavernen-Besitzerin Grace Emberly (Zoe Boyle aus der zweiten Season von "Downton Abbey"), ein über den Durst trinkender Priester (Christian McKay) und eigentlich der Rest der Neben-Darsteller nur selten wie dreidimensionale Figuren mit eigenen Zielen und Wünschen an, auch wenn immer wieder angedeutet wird, dass hinter den Charakteren mehr steckt, als das, was sie in der Handlung zu tun bekommen.

Letztlich kämpft sich "Frontier" mit einem guten Anfang und dem starken Finale über die Ziellinie und lässt den Zuschauer zwar mit einigen Fragen und wahrscheinlich auch etwas Ernüchterung zurück, weiß aber dennoch über lange Strecken zu unterhalten, auch wenn es oftmals auf Kosten von Originalität und ausgefeilten Nebenfiguren geht. Wenn sich die Macher mit diesen Problemen beschäftigen, bin ich aber bei der bereits bestellten zweiten Staffel natürlich wieder am Start.

Fazit

Trotz einiger inhaltlichen Schwächen und zu offensichtlichen Inspirationen durch andere Filme und Serien, schafft es "Frontier" ein brutales Kapitel der Geschichte Nordamerikas zu erzählen - auch wenn man seine Erwartungen wohl etwas zurücksetzen muss.