Komödie
Register
Kaffee mit Milch und Stress

Kaffee mit Milch und Stress

Filme - Komödie | mit: Antti Litja, Petra Frey, Mari Erankoski
Bewertung: ★★★★

Kaum ein Land hat mit seinen Filmen in den letzten Jahren zumindest im europäischen Ausland auf sich aufmerksam gemacht. Die finnische Filmbranche bringt regelmäßig vor allem tolle (Tragik)-Komödien auf den Markt, die meist auch ihren Weg nach Deutschland finden. Allerdings bleiben diese häufig etwas unter dem Radar. Kaffee mit Milch und Stress lief im vergangenen Jahr 4 Jahre nach dem Kinostart in Finnland auch in Deutschland. Wer wie ich davon nichts mitbekommen hat, kann sich den Film ab 26.04. nun zuhause anschauen.

Handlung

Die Handlung dreht sich um in erster Linie um den Alten. Er lebt ländlich zurückgezogen, kümmert sich trotz seines höheren Alters noch um Haus und Hof, und besucht regelmäßig seine Ehefrau, die gepflegt werden muss. Womöglich etwas zu viel für einen Mann seines Alters, denn eines Tages stürzt er schwer durch die Treppe seines Hauses und liegt darauf einige Tage im Keller bevor er gefunden wird. Nachdem die Behandlung im ländlichen Ort nicht genügt nimmt ihn sein Sohn mit in die Stadt, damit er dort ein Krankenhaus besuchen kann. So beginnt eine kleine Odyssee für den Alten, die zunächst vor allem Schwiegertochter, wie er Liisa, die Frau seines Sohnes nennt, an den Rand der Verzweiflung treibt. Denn die störrische Art des Alten sorgt am laufenden Band für Unfälle der teils witzigen, teils schwerwiegenderen Art.

Trailer

Bewertung

Die Eskapaden des Alten sind sehr witzig. Seine störrische Art ist schauspielerisch gut dargestellt und wird in der deutschen Synchronfassung durch die kautzige Stimme von Rainer Basedow fantastisch umgesetzt. Was den Film aber besonders macht, ist sein Hang zum Nachdenklichen, zur Melancholie. Der Alte mag stur sein, doch seine „früher war alles besser“-Mentalität kommt stellenweise durchaus bemitleidenswert daher. In Rückblenden erfahren wir mehr über die Beziehung zu seiner Frau, die ihn verlassen hatte, weil die Kommunikation in der Ehe fehlgeschlagen ist. Diese werden vom Alten kommentiert und wir erleben, auch wenn er es nicht offen zu zu geben scheint, immer wieder Ansätze von Reue.
Einige vermeintliche Finnland-Klischees, vor allem in Bezug auf die Landbevölkerung, wie den Alten, werden im Laufe des Films angerissen, dienen aber häufig eher atmosphärischen Zwecken. Natürlich geht es irgendwie im Saunas, wir sind schließlich in Finnland! Es hilft dabei aber schon dem Verständnis, wenn man sich etwas mit der finnischen Lebensweise auskennt, um zu verstehen, dass zum Beispiel Saunas gerade auf dem Land tatsächlich zur Körperpflege genutzt wurden, wenn der Alte argwöhnisch die Badewanne der Schwiegertochter betrachtet.
Eine weitere Stärke des Films ist das plausible Verknüpfen von Thematiken in den verschiedenen Handlungssträngen. Kommentiert der Alte in einer Rückblende eben jene scheiternde Kommunikation in der Beziehung der Alten, passiert dies eben in genau jenem Moment, in dem die Beziehung des Sohnes auf der Kippe steht. Und Grund dafür ist dann zu allem Übel noch der Alte selbst, der dann wiederum Beziehungstipps aus einer längst vergangenen Zeit zum Besten gibt. So bildet die Geschichte ein stetiges Auf und Ab und Hin und Her zwischen komischen, chaotischen und nachdenklichen Elementen. Das wirkt erfrischend und abwechslungsreich, zum Teil bewegt sich die Geschichte scheinbar auf die Lösung des Problems zu, nur um sich dann wieder noch weiter davon zu entfernen. Auch wenn der Film letzten Endes auf eine klare, eindeutige Pointe hinarbeitet, macht die abwechslungs- und ereignisreiche Erzählweise die Geschichte vielschichtig und interessant.
Insgesamt fällt es dem Alten schwer zu akzeptieren, dass sich das Leben ändert. Aber manche Dinge bleiben eben doch gleich, wie einige Kommentare des Alten belegen. Um dem Sohn Mut zuzureden, die Probleme mit seiner Frau zu lösen, sagt der Alte flapsig: „Nichts ist so einfach wie das! Die Alte lässt man nicht gehen!“ Eine einfache Wahrheit, aber doch ein Fehler, den er selbst begangen hat. In solchen Momenten wird der Film durchaus rührend.

Fazit

Kaffee mit Milch und Stress ist ein sehr empfehlenswerter Film, der hierzulande viel mehr Beachtung finden müsste, aber eventuell aufgrund einiger finnlandtypischer Inhalte eher als „Nischen-Kino“ für ein quasi fachkundiges Publikum empfunden wurde. In Finnland selbst war der Film enorm erfolgreich. Schade also, dass hier in Deutschland zum DVD-Release vor allem mit Vergleichen, zum Beispiel zur „Odyssee des Hundertjährigen“ (Screen-Daily, DVD-Cover), geworben wird. Meiner Meinung nach hat der Film etwas sehr Eigenes an sich, eine tolle Ausgewogenheit zwischen Charme und Hauruck, Witz und Melancholie. Also ganz klar: Anschauen!