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Der Araber von Morgen #3

Der Araber von Morgen #3

Comic - Komödie | Riad Sattouf
Bewertung: ★★★★★

Die Autobiografie von Riad Sattouf mit dem Titel „Der Araber von Morgen“ geht in die dritte Runde und büßt nichts von dem selbstverpassten Glanz ein. Ein Comic, das uns die arabische Welt zeigt. Es bringt uns zum Lachen, zum Staunen aber ruft auch viel Entsetzen hervor. Durch die aktuellen Nachrichten, der Krieg in Syrien, die Flüchtlingskrise und den vielen Konflikten in der muslimischen Welt, ist die Graphic Novel brandaktuell. Riad verliert nie den kritischen Blick auf seine Kindheit, die Lebensumstände in seinem Dorf und der Auseinandersetzung mit dem nationalistischen Vater.

Handlung

Riad Sattouf geht immer noch auf eine syrische Dorfschule und erlebt dort als Halbfranzose den Alltag einer rückständischen Welt. Die Prügelstrafe ist alltäglich, Religion steht über allem und die dreckige Umgebung sucht ihresgleichen. Seine Eltern sind wie Magnete. Sie gehören zusammen, dennoch stehen ihre Lebensweisen im starken Widerspruch zueinander. Die Liebe hält sie zusammen, doch das Verhalten vom Vater entzweit die beiden zusehends. Die Unzufriedenheit wächst, eine Rückkehr nach Frankreich ist allerdings nahezu ausgeschlossen, denn der Nationalstolz des Vaters lässt einen Umzug nicht zu.

Bewertung

„Der Araber von morgen“ ist ein Highlight und gehört zu den besten Comics des Jahres 2017! Das liegt an den vielen Betrachtungsweisen und dem kritischen Blick auf eine Welt, die wir zu kennen vermögen, die uns jedoch fremd ist. Ja, wir wissen das Israel in Syrien nicht gerade der Lieblingsnachbar ist, doch wie tief der Hass verwurzelt ist, können wir nicht ahnen. Verwundert reiben wir uns die Augen, wenn in Berlin Fahnen verbrannt werden, wenn Trump Jerusalem als Hauptstadt anerkennt. Warum das so ist? Selbst Kinder auf dem Schulhof leben den gleichen Antisemitismus, wie damals die Nazis.

Ein weiteres Augenmerk wirft die Handlung auf die Religion. Der Islam ist allgegenwärtig. Besonderes Augenmerk findet der Fastenmonat Ramadan. Fast schon lustig setzt sich Sattouf mit diesem wichtigen Ereignis der Muslime auseinander. Für einen Christen oder einen Nichtgläubigen ist es schon sehr amüsant mit anzusehen, wie das komplette Leben scheinbar zum Erliegen kommt. Eine weitere Sichtweise ist die Unterscheidung zwischen traditioneller und moderner Auslegung des Glaubens. Sattoufs Vater ist zum Beispiel nicht so streng in der Auslebung, hingegen seine Mutter sehr viel Angst vor der Hölle hat und entsprechend jeden Konflikt mit Gott scheut.

Der Nationalismus des Vaters ist ein ständiger Wegbegleiter. Egal was aus Syrien kommt, es ist gut. Andere Länder oder Menschen stehen stets unter Syrien. Nervig? Ja, aber nur im wahren Leben. Im Comic kann man über den Fanatismus eher schmunzeln. Die dennoch gefährliche Grundhaltung wird aber keineswegs kleingeredet, sondern regt zum Nachdenken an…

Die Armut, die Korruption und die allgemeinen Lebensumstände sind natürlich ebenfalls ein Thema. Ist man zum Beispiel ein Mitglied im Machtapparat des Regimes, stehen einem die Türen offen. Im Comic wird dies durch den Leibwächter von Baschar al-Assad gezeigt, der ohne Kontrolle ins Land anreisen darf und auch sonst besondere Privilegien genießt. Das Volk hingegen hat nicht einmal eine Toilette in der Schule und muss seine Notdurft in der freien Wildbahn verrichten, was unweigerlich zum gezeigten Humor führt. Gemeint ist an dieser Stelle die „Pimmel-Szene“. Sattouf ist nämlich nicht beschnitten und das führt zu einer kleinen Lebenskrise…

Einen Kritikpunkt habe ich dennoch: Die störenden Aufkleber auf dem Front- und Backcover können ruhig weggelassen werden, denn sie hinterlassen unschöne Spuren…

Fazit

„Der Araber von morgen“ ist eines der großen Comic-Highlights der letzten Jahre. Der dritte Band kann wieder vollkommen überzeugen und sollte in keiner Sammlung fehlen!