Komödie
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Comics für den gehobenen Pöbel

Comics für den gehobenen Pöbel

Comic - Komödie |Hannes Richert
Bewertung:★★★★

Der Berliner Cartoonist Hannes Richert veröffentlicht seine Werke für gewöhnlich in Publikationen des Stern, der taz oder im Eulenspiegel. Mit seinem Hardcover-Band „Comics für den gehobenen Pöbel“ gibt es viele seiner Arbeiten erstmals in gesammelter Form zu bestaunen. Wir haben uns das gute Stück für euch mal etwas genauer angeschaut.

Handlung

Wir haben hier einen bunten Comiccocktail vor uns, der auf je einer Seite eine Kurzgeschichte präsentiert, die mal mit mehreren Panels daher kommt und mal aus nur einer einzigen Illustration besteht. Richert erzählt in seinen Geschichten zum einen von seinen feinsinnigen Beobachtungen der menschlichen Kommunikation, die oftmals bloß aus Floskeln besteht und zum anderen von den teilweise völlig absurden Gedankengängen des „zivilisierten Menschen“. Wenn im Büro ein Kollege einem anderen einen Kaffee anbietet, dieser dankend ablehnt solange der andere nicht auch einen trinkt und aus der eigenen Unzufriedenheit über den Verzicht dann eine Abneigung gegen den ursprünglich sympathischen Arbeitskamerad erwächst, dann ist das schlicht gut beobachtet, klug analysiert und hier eben passend gezeichnet.

Ebenso portraitiert er alltägliche Situationen wie beispielsweise das Einkaufen von Avocados im Supermarkt, wo man vielleicht besser eine Frucht mehr kauft als man braucht, um rein vorsorglich für jeden Tag der Woche potenziell eine parat zu haben.

Welche Gedanken machen sich Männer, wenn attraktive Frauen mal kurz im Bad verschwinden? Wie funktioniert das mit dem Sex, wenn das Neugeborene da ist? Kann man Stör eigentlich selbst melken? Wer feiert das Feiern noch? – Das alles und viel mehr thematisiert dieser Sammelband.

Bewertung

Wie bei Zusammenstellungen dieser Art üblich, gibt es auch hier mal stärkere und mal schwächere Geschichten zu lesen. Beindruckend finde ich das Talent Richerts die Menschen in ihrem Alltag zu beobachten, den Extrakt seiner Feststellungen in eine Handlung zu packen und damit den Leser regelmäßig zu verblüffen. Außerdem versteht er es wie kaum ein Zweiter gängige Worthülsen in ihrer wortwörtlichen Bedeutung zu Zerpflücken und daraus einen humorvollen teilweise grotesken Comic zu stricken.

Aus der großen Themen- und Ideenvielfalt ergibt sich für den Leser eine gewisse Herausforderung. Die Arbeiten Richerts haben oft einen satirischen Ansatz, überschreiten aber gelegentlich die Grenze zum Blödsinn. Das wiederum ist mal ganz unterhaltsam und mal schlicht doof und anstrengend. Ich empfehle daher den Band nicht am Stück zu lesen, sondern ihn als Gelegenheitslektüre in Wartezimmer, den Hausflur oder ins Cafe zu legen. Dort kann man einzelne Storys auf sich wirken lassen und wird nicht vom Schwall der Eindrücke erschlagen.

Der Stil Richerts ist schlicht, teils abstrakt und eher bunt. Hier steht weniger das eigentliche Bild als vielmehr die Kernaussage im Fokus. Mir gefällt das.

Fazit

In 2014 erhielt Hannes Richert den Cartoon-Nachwuchspreis und das zu Recht! Nun liegt uns ein super verarbeitetes Hardcover mit seinen aktuellen Werken vor, das definitiv einen Blick wert ist und gut unterhält. Wer möchte, kann am 17. Februar 2018 die Buchpremiere in der Villa Neukölln in Berlin besuchen oder vorab auf http://hannesrichert.de das Artwork antesten.

Vielen Dank an den Verlag Edition Moderne für die Zurverfügungstellung des Rezensionsexemplars.