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The Discipline - Die Verführung

The Discipline - Die Verführung

Comic - Horror | Autor: Peter Milligan, Zeichner: Leandro Fernández
Bewertung: ★★★★★

Peter Milligan dürfte den meisten Lesern hierzulande als Autor eines längeren Hellblazer-Runs und diverser Superheldenserien für DC und Marvel ein Begriff sein. Daneben arbeitete er an einigen Serien für Vertigo, das Erwachsenenlabel von DC. Für dieses war ursprünglich auch The Discipline konzipiert worden, der Verlag lehnte jedoch ab. So fand die Arbeit ihren Weg zu Image Comics und wurde dort mit einigen Jahren Verzögerung veröffentlicht.

Mir hatten Milligans Auftaktbände zur Justice League Dark und den Red Lanters gut gefallen und die Ankündigung zu The Discipline las sich für mich interessant genug um da mehr als nur einen Blick reinzuwerfen.

Handlung

Melissa Peake ist emotional wie sexuell frustriert und zeigt sich mehr als nur empfänglich für die mysteriösen Anspielungen des fremden Orlando, der sie nach allen Regeln einer unbekannten Kunst zu verführen weiß. Was anfangs noch wie eine aufregende Affäre auf die junge Frau wirkt, entwickelt sich schnell in eine gänzlich andere Richtung. Melissa bekommt Einblicke in eine Welt, die von dem uralten Konflikt zweier Gruppierungen bestimmt wird, die sich mit allen Mitteln bekämpfen. Sex ist dabei nur ein Mittel zu dem Zweck, Macht auszuüben und Kräfte zu wecken, die in diesem Ringen einen Vorteil bringen sollen. Je tiefer Orlando Melissa in die Geheimnisse der Discipline einführt umso gravierender zeigen sich die Veränderungen, die die junge Frau durchmacht.

Bewertung

Beworben wird dieser Band mit den Worten „So düster und spannend wie eine Fantasy-Serie im modernen TV, aber doppelt so innovativ und erotisch! Peter Milligan und Leandro Fernández erzählen die Geschichte der frustrierten Ehefrau Melissa, die sich von einem Fremden in einen uralten Konflikt ziehen lässt, der von sündigem Sex, monströsen Kreaturen und unglaublichen Metamorphosen geprägt ist ...“.

Mit dem letzten Teil hätte man auch große Teile von Alan Moores „Neonomicon“ oder „Providence“ beschreiben können, allerdings wäre ein solcher Vergleich die Definition schlechthin von „unfair“. Wo es Moore primär wohl darum ging, Dinge, die Lovecraft nur andeutete, explizit darzustellen, will Milligan etwas ganz anderes.

Der Autor selbst sagt im enthaltenen Vorwort über sein Werk, dass darin viel Sex vorkommt, dass es aber nicht um Sex geht. Das kann ich nach der Lektüre bestätigen. Der Akt ist in The Discipline nicht die Vollendung von etwas sondern Mittel und Zweck hin zu einer Transformation wie sie sich die Protagonistin nicht vorstellen kann.

So sind die Bilder auch alles andere als anregend, was nicht unmaßgeblich an der mit ihnen verbundenen Gewalt und Dominanzdarstellung liegt. Und darum scheint es irgendwie zu gehen.

Ich muss gestehen, dass mir die Ziele der Discipline und ihrer Gegenspieler, der Stalker, nicht so richtig klar wurden. Abgesehen vom Kampf gegeneinander habe ich nicht herausgefunden welche Macht diese Organisation eigentlich ausüben will. Es gibt Rückblenden in die ältere Menschheitsgeschichte, die ebenfalls schon von dieser Auseinandersetzung geprägt war, aber das Ziel erschloss sich mir nicht.

Vielleicht wäre dies Thema einer Fortsetzung, denn die hier enthaltenen sechs US-Hefte sollten ursprünglich der Serienauftakt sein. Bis dato kam aber nichts nach. So wirkt The Discipline - Die Verführung auf mich etwas unfertig und angesichts der für mich offenen Fragen wie ein Versprechen, das seiner Einlösung noch harrt.

Für das Rezensionsexemplar geht ein Dankeschön an Panini Comics.

Fazit

Als Serienauftakt hätte der Band seinen Zweck für mich erfüllt und neugierig darauf gemacht wie es weitergeht. Dafür bietet er reichlich Ansätze für interessante Handlungen und Wendungen. Für sich stehend empfinde ich ihn jedoch als unfertig und mag keine Kaufempfehlung aussprechen.