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Lovecraft

Lovecraft

Comic - Horror | Alberto Breccia
Bewertung: ★★★★★

Der von Howard Phillips Lovecraft erdachte Cthulhu-Mythos hat sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem wahren Phänomen entwickelt und hinterließ eine Vielzahl von Spuren in den unterschiedlichsten Medien. Ob als Buch, Comic, Film oder Spiel, Fans der Großen Alten bleibt keine Form der Unterhaltung verwehrt. Der Avant Verlag veröffentlicht nun eine umfassende Anthologie von Adaptionen bekannter Geschichten, die der südamerikanische Künstler Alberto Breccia als Graphic Novel zu Papier brachte und dabei versuchte die typische Stimmung der Originale zu visualisieren. Das ist ihm nach meinem Dafürhalten in außerordentlicher Weise gelungen.

Handlung

Die in Lovecraft versammelten Geschichten folgen im Wesentlichen dem bekannten Strickmuster eines Mysteriums, das eine unbedarfte Person zu ergründen versucht. Doch je tiefer diese in die Geheimnisse eintaucht umso schrecklicher sind die gewonnenen Erkenntnisse. Am Ende des Weges lauern Wahnsinn und Tod.

Die enthaltenen Geschichten sind:
- Das Fest
- Das Ding auf der Schwelle
- Der Schatten über Innsmouth
- Die Stadt ohne Namen
- Das Grauen von Dunwich
- Cthulhus Ruf
- Die Farbe aus dem All
- Der leuchtende Trapezoeder
- Der Flüsterer im Dunkeln.

Bewertung

Alberto Breccia beschäftigte sich in den Jahren 1973/74 intensiv mit dem Cthulhu-Mythos und versuchte die Stimmung eines sich schleichend nähernden Grauens und der Konfrontation mit einem kaum zu beschreibenden Schrecken graphisch so umzusetzen, dass die Betrachter seiner Bilder dieselben Empfindungen haben wie die Leser der Vorlagen.

Dabei experimentierte er mit verschiedenen Techniken und schaffte es so die Kreaturen und Welten des Mythos so darzustellen, dass dem Betrachter nichts anderes übrig bleibt als seine eigene Fantasie spielen zu lassen. Geht er diesen Schritt nicht, verfehlen die Geschichten ihre Wirkung. Lässt er sich jedoch darauf ein, wird er mit dem „Lovecraft-Feeling“ belohnt.

Mich beeindruckten am meisten die Darstellungen der Kreaturen, die vielfach nur andeuteten was die Protagonisten zu Gesicht bekamen und bei denen sich in der Tat vieles im Kopf der Betrachter abspielen muss. Bei Kennern des Mythos bilden sich diese Bilder womöglich ganz von allein während Neulinge vielleicht mehr darüber rätseln was da eigentlich abgebildet ist. Beide Seiten kommen dabei auf ihre Kosten.

Was optisch eindrucksvoll gelingt, muss beim Text allerdings scheitern. Aufgrund der massiven Kürzungen stellt sich das schleichende Grauen beim Lesen kaum ein und man ist auf die Bilder angewiesen. Dieser Umstand ist aber schlicht dem Medium geschuldet.

Der Band kommt als großformatiges Hardcover daher und bietet als Bonus einen redaktionellen Teil mit Aussagen zu seiner Entstehung und einige Skizzen. Mit € 29,- ist er alles andere als überteuert. Auf der Seite des Verlages gibt es eine schöne Leseprobe, die einen zutreffenden Eindruck davon vermittelt was den Leser erwartet.

Für das Rezensionsexemplar geht ein Dankeschön an den Avant Verlag.

Fazit

Lovecraft kann ich sowohl Kennern als auch Neulingen im Mythos wärmstens empfehlen. Ersteren wird eine hoch interessante graphische Umsetzung bekannter Geschichten geboten und Letztere bekommen einen Eindruck davon wie Lovecrafts Geschichten funktionieren und wirken. Eine sehr schöne und gut gelungene Publikation.