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Hunting Simulator

Hunting Simulator

Game - Simulation
Bewertung: ★★★★★

Spurenlesen, gut getarnt durch´s Dickicht streifen und mit einem gezielten Schuss die entdeckte Beute erlegen. In etwa so stellt sich vermutlich jeder Laie die Jagd vor und nur die wenigsten haben im Leben jemals tatsächlich mehr Berührungspunkte damit. Wie gut, dass auch hier das digitale Entertainment Abhilfe verschafft und das vermeintliche Jagderlebnis in Spieleform presst, sodass wir ganz ohne schlechtes Gewissen auf Rothirsch, Fasan und Co. schießen können. Der „Hunting Simulator“, der vor gut einem Jahr für PC, Xbox One und PS4 erschien, ist nun auch für die Switch erhältlich. Diese Version habe ich mir einmal angeschaut.

Handlung

Eine tatsächliche fortlaufende Handlung gibt es beim „Hunting Simulator“ nicht. Zwar gibt es einen Kampagnen-Modus, doch dieser unterteilt das Geschehen in lediglich in separate Gebiete und dazugehörige Aufgaben, die man unter zeitlicher Begrenzung absolvieren musst. Zuerst geht es zum Beispiel in die Berge und Kiefernwälder der subalpinen Mittelwestzone, wo wir auswählen können, ob wir mit der Jagd auf Hirsche, Rotfüchse oder Hasen beginnen möchten. Jeweils steht immer nur eine Tierart als „Hauptziel“ zur Verfügung, weitere Sekundärziele sind teils bereits im Auswahlbildschirm der Missionen sichtbar, teils werden diese aber auch erst während der Jagd zufällig hinzugefügt. Zum Abschließen einer Mission ist aber nur das Erlegen der Art und Anzahl der im Hauptziel angegeben Tiere notwendig. Ist dies geschehen werde neue Missionsziele in demselben Gebiet, sowie letztlich auch weitere Gebiete, freigeschaltet. Außerdem lassen sich durch das Erreichen hoher Punktzahlen Gegenstände freischalten, die bei der Jagd helfen Tiere anzulocken, den eigenen Geruch zu verbergen oder es anderweitig ermöglich vor allem an scheue Tiere näher heran zu kommen.
Weitere Modi sind die „Freie Jagd“ und ein „Übungsschießen“.

Trailer

Bewertung

Was bei einer Simulation meiner Meinung nach stets maßgebend sein sollte ist der Grad der Authentizität. Hier gibt sich der „Hunting Simulator“ größte Mühe und punktet vor allem durch Vielfalt. In 12 Jagdgebieten in sechs Regionen lassen sich insgesamt 37 verschiedene Spezies schießen. Dabei steht ein großes Arsenal verschiedener Waffen zur Verfügung, deren Auswahl für die verschiedenen Missionen auch von Belangen ist. Einige Flinten eignen sich für kleine Tiere wie Hasen und Flugwild, die durch zu großkalibrige Gewehre bei der Jagd zerstört würden und so keine Punkte einbringen. Diese großen Geschosse wiederum lassen sich aber hervorragend für Großwild oder Raubtiere verwenden. Vor jeder Mission der Kampagne bieten sich diese Auswahlmöglichkeiten von neuem. Genauso lassen sich verschiedene Hilfsmittel einstecken, wie verschiedene Lockmittel, Ferngläser oder eine Taschenlampe für die Jagd bei Nacht. Denn auch die Tageszeit und das Wetter variieren stark. Allerdings beeinflusst dies im Grunde nur, wie gut oder schlecht die Sicht auf die Beutetiere ist.

Darüber hinaus darf aber auch bei einer guten Simulation das Gameplay nicht auf der Strecke bleiben. Oft stellt sich die Frage: Wie sinnvoll ist es überhaupt das in Spielform zu simulieren? So ist es auch beim „Hunting Simulator“, denn während viele Elemente sicherlich den Abläufen einer tatsächlichen Jagd nahekommen mögen, kann genau das teilweise den Spielspaß ziemlich ausbremsen. Kaum hat man ein Tier erspäht, läuft es auch schon davon. Die Anzeige, über die uns das Spiel verrät mit welchen Sinnen uns die Beute gerade wahrnimmt, macht es nur minimal erträglicher. Letztlich besteht die meiste Spielzeit eben doch im Herumlaufen, bzw. Schleichen. Das spricht schon sehr spezielle Spielertypen an, denn derartig ruhig laufen absolut die wenigsten Videospiele ab. Hier kommt leider außerdem die Grafik zum Tragen, denn würde diese uns einen weitschweifenden Blick durch die Landschaften und ein detailreiches Durchs-Dickicht-Streifen ermöglichen, wären unsere Erkundungstouren möglicherweise nur halb so langweilig. Leider aber laden Texturen in der Ferne extrem spät und wenn wir durchs Gebüsch krackseln bleiben wir immer wieder an unsichtbaren Auswüchsen kantiger Äste hängen. Schade ist das zusätzlich dadurch, dass die Versionen für die anderen Konsolen und den PC grafisch weitaus solider daherkommen. Der Port auf die Switch wirkt da etwas lieblos, als hätte man sich die große Mühe nicht geben wollen. Das ist besonders Schade, weil einige größere Switchtitel durchaus gezeigt haben, was grafisch auf der Konsole möglich ist und die Originalversionen des „Hunting Simulator“ gleichzeitig auch nicht zu den grafisch allzu anspruchsvollen Vorlagen gehört. Man hätte hier also meiner Meinung nach durchaus eine Version auf die Switch bringen können, die den Ausgangsversionen weitaus näher ist.

Fazit

Der „Hunting Simulator“ gibt sich größte Mühe durch Authentizität und Vielfalt zu punkten, was auch im Großen und Ganzen gelingt. Leider gibt es vor allem technisch einige Mängel, die das eher langsame Gameplay erst wirklich langweilig erscheinen lassen. Hier und da hätten gewisse Dinge einfach liebevoller umgesetzt werden können, was auch ohne finanziell große Mittel, wie bei Triple-A-Titeln, durchaus möglich ist. Wenn auf der Box der deutschen Retailfassung willkürrlich zwischen der Ansprache des Käufers mit „Du“ und „Sie“ hin und her gesprungen wird und Sätze wie „Über Sie beim Ontaubenschißen“ zu lesen sind, muss man einfach unterstellen, dass das Interesse das eigene Spiel respektvoll zu behandeln und zu vermarkten irgendwie nicht vorhanden ist. Und das ist eigentlich immer schade.