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Ni No Kuni II: Schicksal eines Königreichs

Ni No Kuni II: Schicksal eines Königreichs

Game - Abenteuer |  
Bewertung:★★★★

Ni No Kuni 2 teilt sich ausser dem wunderschönen Anime-Look (auch wenn Studio Ghibli nicht mehr beteiligt ist) recht wenig mit dem Vorgänger, dem im Dezember 2010 erschienenen PS3-Klassiker „Wrath of the White Witch“. Die Serie ist vielmehr wie andere Grössen des JRPG-Genres, sprich Final Fantasy, als eine Art Anthologie aufgebaut; es tauchen immer wiederkehrende Elemente auf, mit denen aber eine jeweils eigenständige und abgeschlossene Geschichte in einer völlig neuen Welt erzählt wird.
Grundsätzlich ist das Spiel also auch hervorragend für Neueinsteiger in die Serie geeignet. Ob sich ein Kauf allerdings lohnt, erfahrt ihr in unserer Review…

Handlung

Die Geschichte des Spiels beginnt mit einem Putsch. Der junge Prinz Evan Pettiwhisker Tildrum wird nach der Vergiftung seines Vaters, König Leonhard, gewaltsam von seinem Anspruch auf den Thron der Fabelstadt Ding Dong Dell abgehalten. Hinter dem Coup, am eigentlich Tag von Evans Krönung, steckt der engste Berater des verstorbenen Königs, Mausinger, der sich den Thron einverleiben möchte um die angeblich ungerechte Behandlung seines Volks durch die bis dato regierenden Katzenwesen, die Grimalkin, endlich umzukehren. Evan gelingt mit Mühe, Not und der Hilfe des unter mysteriösen Umständen erscheinenden Roland die Flucht aus Ding Dong Dell. Angetrieben von den Erlebnissen setzt sich Evan nur ein ehrgeiziges Ziel: Die Gründung eines Königreichs in dem alle glücklich und zufrieden leben können: Evermore.

Als ob ein Königreich aus dem Erdboden zu stampfen nicht Aufgabe genug wäre, beschliesst er sämtliche anderen Königreiche der Welt zu einem Pakt zu überreden, um Kriege und Auseinandersetzungen bis in alle Ewigkeit zu vermeiden; ein richtiges Happy End eben.
Was darauf in den rund 40 Stunden Spielzeit folgt, ist eine wunderschöne, mit viel Herz geschriebene Allegorie auf das Miteinander und wie wir die Welt zu einem besseren Ort machen können; über Mitgefühl und Hoffnung. Gleichzeitig ist die Geschichte auch ein Mahnmal, dass Personen leicht zu korrumpieren und vom rechten Weg abzubringen sind, obwohl sie eigentlich hehre Ziele verfolgen. Die Verkörperung dieser Korruption ist der mächtige Doloran, mit dem es Evan und seine Freunde zur Erfüllung ihres Traums ebenfalls aufnehmen müssen. Eingangs erweckt dieser noch den Eindruck eines platten Bösewichts, wird aber im Laufe der Story immer vielschichtiger.

Die mit zahlreichen emotionalen Momenten gespickte Geschichte von Ni No Kuni II: Schicksal eines Königreichs ist die sicherlich grösste Stärke des Spiels, aber keineswegs die einzige.

Trailer

Bewertung

Das Gameplay des JRPGs basiert auf 4 Säulen: Die Erkundung der Oberwelt und der grundverschiedenen Königreiche, dem Kampfsystem, dem Kingdom Management und dem Skirmish-Modus.

Entwickler Level-5 hat hier einen hervorragenden Job bei der Gestaltung der Oberwelt gemacht. Spielfiguren, Gegner und Umgebung werden miniaturisiert dargestellt, was eine leichte Chibi-Optik erzeugt. Die Karte lädt auch zum Entdecken von Orten abseits der Hauptquests ein, da Truhen und optionale Dungeons über die gesamte Welt verteilt sind. Die Königreiche selbst haben alle einen eigenen Charakter, gar eine eigene Philosophie zu Grunde und sind allesamt liebevoll und abwechslungsreich gestaltet. Ni No Kuni II kommt bei der Erkundung an beste Final Fantasy-Zeiten heran.

Das Kampfsystem wurde im Gegensatz zum ersten Teil ebenfalls erneuert. Die Kämpfe steuern sich nun wesentlich direkter und actionlastiger, was einen der Kritikpunkte des Vorgängers eliminiert. Spieler steuern immer ein Mitglied der vorausgewählten dreiköpfigen Party, die anderen beiden übernimmt die KI, wenn auch nicht immer ganz sinnvoll. Ebenfalls unterstützt wird man durch kleine Naturgeister, genannt Higgledies, die entweder Buffs, Debuffs, Heilung oder spezielle Angriffe anwenden können, um dem Spieler zum Sieg zu verhelfen.

Einer der wichtigsten Aspekte von Ni No Kuni II ist das Kingdom Management. In dem Simulationsteil des Spiels geht es darum Evermore stetig zu vergrössern und zu verbessern. In Echtzeit wird spezielle Währung, die Kingsguilders generiert, die sich dann wieder ins Königreich reinvestieren lassen. Je höher das Level und der Einfluss des eigenen Landes werden entsprechend mehr der Kingsguilders generiert. Mit ihnen lassen sich Gebäude bauen und erweitern, sowie bestimmte Upgrades erforschen, beispielsweise mächtigere Waffen und Zauber oder Verbesserungen für die Higgledies. Die Entwicklung der Charaktere und ihrer Fähigkeiten ist also eng mit der Entwicklung von Evermore verknüpft. Um Evermore zu Glanz und Gloria zu verhelfen sind nicht nur neue Gebäude nötig, sondern auch neue Bewohner, die dann, im Idealfall ihren Talenten entsprechend, zum Beispiel der Rüstungsschmiede zugeteilt werden. Neue Bürger werden fast ausschliesslich im Zuge individueller Quests rekrutiert, was dazu führt, dass Spieler mit jedem eine eigene kleine Geschichte verbinden und man das Gefühl bekommt jeden irgendwie persönlich zu kennen.

Evermore wirkt auch aus diesen Gründen wie ein eigener, lebendiger Charakter, um den man sich gerne kümmert und in dessen Aufbau man Zeit investiert, obwohl er jedenfalls storytechnisch fast komplett optional ist. Sein eigenes Königreich wachsen zu sehen fühlt sich aber, wenig überraschend, verdammt grossartig an.

Die vierte Grosse Säule auf dem das Gameplay von Ni No Kuni II fusst ist der Skirmish-Modus.
In diesen tritt man in reduzierten Echtzeit-Schlachten mit der Armee Evermores, die aus bis zu 4 Squads besteht gegen andere Armeen oder Banditen an. Das ganze funktioniert hierbei im Schere-Stein-Papier-Prinzip, so können Schwertträger also hervorragend einen Trupp Bogenschützen dem Erdboden gleich machen, werden aber wiederum von Speerträgern schnell besiegt. Neue Trupps werden über die Rekrutierung neuer Bürger freigeschaltet; jeder Trupp verfügt über eigene Erfahrung und bestimmte Spezialfähigkeiten. Während das Spielprinzip interessant wirkt verlaufen die Kämpfe nie wirklich taktisch und lassen sich zu oft damit lösen im Sturmlauf auf gegnerische Einheiten zuzusprinten und seine Soldaten zu Werke gehen zu lassen. Sind die eigenen Trupps gegen Ende des Spiels entsprechend gelevelt sind die auf der Weltkarte verteilten Skirmish-Herausforderungen maximal ein netter Zeitvertreib. Auch wenn dieser Aspekt immer noch eine tolle Ergänzung und gerade auch in den Anfangsstunden spassig ist, ist dieser klar der schwächste Teil des starken Gameplays des Spiels.

Fazit

Ni No Kuni II: Schicksal eines Königreichs ist ein fantastisches JRPG, bei dem nicht nur Rollenspiel-Fans zugreifen sollten. Lediglich die Nebencharaktere, die etwas ausgefeilter und vielschichtiger sein könnten, sowie die Nebenquests trüben das Bild leicht. Die über 150 Nebenquests unterscheiden sich im Prinzip nur in drei Arten: Klassische Fetch-Quests, bei denen Gegenstände erlangt und abgeliefert werden müssen, Quests bei denen man ein bestimmtes Monster erlegen muss und Quests bei denen man bestimmte Skirmishes gewinnen soll. Gerade erstere werden schnell langweilig und fühlen sich irgendwann nach Arbeit an.
Weniger, aber dafür höherwertige Quests, wäre hier mehr gewesen.

Nichtsdestotrotz ist Ni No Kuni II: Schicksal eines Königreichs eines der besten Spiele des laufenden Jahres und es wird spannend zu sehen, ob es in diesem Jahr noch ein besseres Rollenspiel geben wird.