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Kingdom Come: Deliverance

Kingdom Come: Deliverance

Game - Abenteuer
Bewertung: ★★★★★

Mittelalterliche Spiele wissen bereits seit Jahren zu begeistern. Meist ist dies mit einer Fantasywelt voller Drachen, Orks, Hexen und andere Fabelwesen verbunden. Das kleine Entwicklerstudio Warhorse Studio verzichtet auf diese Wesen und setzt auf die harte Realität. Dies konnte viele bereits auf der Gamescom 2017 überzeugen. Ich blieb nach dem Testen auf der Messe eher skeptisch. Ob sich mein erster Eindruck nach gut einem halben Jahr geändert hat oder bestehen blieb, erfahrt ihr hier im Test.

Handlung

König Karl der IV. Ist gestorben. Der Thron soll sein Sohn Wenzel beerben. Dieser verbringt seine Freizeit aber lieber mit dem Genuss von Alkohol und Frauen, sodass er sogar seine eigene Krönung verpasste. Wenzel's Bruder Sigismund sieht seine Chance das ganze Land zu beherrschen und entführt den amtierenden König. Dadurch bricht ein Krieg übers Land mit verheerenden Ausmaßen aus.

In Kingdom Come: Deliverance schlüpfen wir in die Rolle von Heinrich. Er ist der Sohn des Schmiedes in Skalitz. Eines Tages half er seinen Vater beim Schmieden eines Schwertes. So ruhig der Tag auch anfing, er endete in einem Blutblad. Sigismund, König von Ungarn, lies seine Armee die unbeschwerte Idylle angreifen. Die meisten in Skalitz starben. Auch die Eltern von Heinrich ließen ihr Leben. Heinrich selbst konnte sich mit letzter Kraft zu der Burg Talmberg retten.
Der Krieg wütet allerdings immer weiter, sodass Heinrich sehr schnell mittendrin ist und bald die Chance hat, das letzte Schwert seines Vaters wieder zu erlangen.

Trailer

https://youtu.be/RtE5oAd8KRk

Bewertung

Das Spiel bringt uns ins Jahr 1403 in das alte Böhmen. Das erste was nach dem gut 3 stündigen Prolog ins Auge sticht, ist die riesige Spielwelt. Diese ist sehr detailliert dargestellt. Der Spieler kann riesige Wälder, Städte und Burgen erkunden. An jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken und man verbringt schnell einige Stunden, in denen man nur durch die Gegend reitet. Das Spiel hält uns auch nicht an der Hand. Man kann sofort mit der Hauptstory weiter machen oder zuerst einige Nebenaufträge abschließen. Wenn man wirklich alles erleben möchte, sollte man mindestens 100 Stunden einplanen. Die Möglichkeiten sind unendlich.

Früh im Spiel lernt man den Umgang mit dem Schwert. Der Spieler hat hier 5 verschiedene Punkte, welche er anvisieren kann. Dies geschieht fließend mit dem rechten Analogstick. Es gibt 2 verschiedene Attacken. Zum einen der normale Schlag, zum anderen der Stichangriff. Diesen habe ich besonders auf Kopfhöhe als sehr effektiv empfunden, vor allem wenn das Gesicht des Kontrahenten nicht geschützt war. Das Kampfsystem klingt leicht? Ist es allerdings nicht. Stellenweise wird es sehr hektisch und sobald mehr als 2 Gegner auf Heinrich einschlagen, sieht man sehr schnell den Game Over Bildschirm. Hier heißt es, Übung macht den Meister.

Das Ziel von Warhorse Studio war es, ein realistisches Rollenspiel zu schaffen. So muss man auch immer seine Energie im Auge behalten und immer mal wieder etwas essen. Aber auch hier muss der Spieler darauf achten, ob die Lebensmittel nicht vielleicht schon verdorben sind. Dies würde Heinrich auch nicht weiter helfen und ihn sogar vergiften.
Außerdem müssen wir dafür sorgen, dass Heinrich genug Schlaf bekommt. Wenn er müde wird sieht man wie seine Augen zufallen. Völlig übermüdet sind die knackigen Kämpfe nochmal härter.
Wie gewohnt gibt es viele Bücher zu lesen. Wer direkt zu Beginn in ein Buch schaut, wird erst feststellen, dass die „Wörter“ überhaupt keinen Sinn ergeben. Wer an einen Bug glaubt, der sei beruhigt. Heinrich kann einfach nicht lesen. Dies muss erst noch erlernt werden. Es gibt spezielle Lehrbücher für die einzelnen Skillpunkte. In jedem anderen Spiel schaut man sich das Buch vielleicht eine Sekunde an und schon hat man die beschriebene Fähigkeit erlernt. Realismus sieht anders aus. Das dachten sich auch die Entwickler und lassen die Zeit beim Lesen verstreichen. Man kann auch nur bei ausreichend Licht lesen und wenn der Spieler nicht zu müde ist. Sitzt man beim Lesen, erhält man auch noch einen Bonus. In Dialogen hat man oft bessere Chancen, wenn man vorher im Badehaus war und bessere Kleidung an hat.
Ich weiß dies sind Kleinigkeiten, aber gerade diese stechen bei dem Spiel positiv heraus.

Skillpunkte sind sowieso in diesem Spiel sehr wichtig. Wir können übliche Sachen wie Ausdauer, Schwertkampf, Redegewandtheit oder Stärke skillen, aber auch ungewöhnliches wie zum Beispiel die Trinkfestigkeit. Auch hier sind die Möglichkeiten weit gefächert und führen oft zu der Frage, was verbessere ich als Nächstes? Manche Punkte schließen andere wiederum aus, sodass die Verteilung gut überlegt werden muss.

Nach knapp 30 Stunden ist man mit der Hauptstory durch. Ein nächster Durchlauf lohnt sich aber, denn jede Entscheidung hat eine entsprechende Konsequenz. Hat man im ersten Durchgang eher das Schwert zum „verhandeln“ benutzt, kann man im zweiten versuchen, niemanden zu töten.
Es gibt auch unzählige Nebenquests. Wenn ihr eine Quest annimmt, ist dies aber nicht so wie in anderen Spielen. Zum Beispiel hatte ich mir in Games wie Witcher oder Skyrim immer unzählige Aufträge geholt und diese nach und nach abgearbeitet. Bei Kingdom Come sollte man allerdings eine Aufgabe nach der Anderen erledigen. Denn die Zeit spielt auch eine Rolle. Sollten wir zum Beispiel Banditen verjagen, kann es sein, dass diese ein Dorf überfallen, wenn wir diese Quest erst ein paar Spieltage später erledigen.

Klingt nach einem sehr gelungenen Spiel soweit oder? Nun es ist aber leider auch hier wieder so, dass es natürlich 2 Seiten der Medaille gibt.

Technisch ist Kingdom Come leider nicht sehr gelungen und hat unzählige Bugs. Wer das Spiel manuell speichern möchte, benötigt dafür den Retterschnaps. Dieser ist leider zu Beginn sehr teuer, sodass ich 2 Stunden am Stück nicht speichern konnte und das Spiel abgestürzt ist. Der Entwickler hat aber bereits eine Verbesserung angekündigt. Das Schlösser knacken ist vor allem mit Controller eine Qual und selbst bei sehr leichten Schlössern bringt einen das Spiel zur Verzweiflung. Auch hier wird aber in naher Zukunft wahrscheinlich nachgebessert. Bugs gibt es leider wie Sand am Meer. Mein Highlight war ein Dialog, welcher nur aus 2 Sätzen bestand und immer wieder wiederholt wurde. Meine Lösung? Im Playstation Menü auf Anwendung beenden klicken.
Bewohner, welche gegen Wände laufen oder sogar die ganze Zeit rückwärts durch die Stadt gehen, Texturen die lange zum Nachladen brauchen, Objekte erscheinen erst auf magische Weise, wenn man sich einige Meter vor ihnen befindet, Dialoge brechen ab, gehen in das englische über oder der Ton ist total versetzt zu dem Bild. Manche Quests sind ebenfalls verbugt. Direkt am Anfang muss man die Burg Talmberg verlassen. Durch eine List schaffen wir es, dass die Wachen das Tor öffnen. Es kann aber sein, dass das Tor weiterhin zu ist. Auch hier gibt es eine einfache Lösung. Man kann in einem unbeobachteten Moment über die Mauer springen. Dies sind nur ein paar der aufgetretenen Fehler. Das sind zwar auch wieder Kleinigkeiten, aber so was fällt positiv wie negativ auf.

Kingdom Come ist jedenfalls kein schlechtes Spiel und wenn diese Fehler behoben sind, kann es locker mit Rollenspiele wie Skyrim oder Witcher mithalten. Es sollte aber jedem bewusst sein, dass Fantasiewesen hier fehl am Platz sind.

Fazit

Kingdom Come: Deliverance ist ein innovatives Mittelalter RPG, welches seinen Schwerpunkt auf Realität setzt. Fordernde Kämpfe, spannende Story und schöne Grafik inklusive.
Orks, Drachen, Zwerge und Elben gibt es hier nicht. Technisch kann es leider nicht sehr überzeugen. Es gibt zu viele Bugs die den Spielspaß trüben. Wenn diese aber behoben sind, kann dieses Spiel zu einem Highlight im Jahr 2018 werden. Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich aber nur 3 von 5 Punkten geben