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Baphomets Fluch 5: Der Sündenfall

Baphomets Fluch 5: Der Sündenfall

Game - Abenteuer
Bewertung: ★★★★

Bereits 2013 erschien der bisweilen letzte Teil der beliebten Point-and-Click-Serie Baphomets Fluch zunächst episodenweise für den PC. Als vollständige Version ist das Spiel ab dem 21.09. auch für die Nintendo Switch erhältlich. Wieder gilt es für das Team aus Journalistin Nicole Collard und Versicherungsfachmann George Stobbart einen kniffligen Fall zu lösen.

Handlung

In einer Pariser Galerie wird nach dem Diebstahl eines einzelnen Gemäldes durch den flüchtigen Täter ein Mord verübt. Der Besitzer der Galerie überlebt den Vorfall nicht. Beim gesamten Vorfall anwesend: Journalistin Nicole Collard, die glücklicherweise einige Fotos vom vermummten Täter schießen konnte, sowieso George Stobbart, der für die Agentur arbeitet, die die Ausstellung versichert hat. Von Anfang an sind die Protagonistin und der Protagonist ins Geschehen involviert. Es dauert auch nicht lange, bis Stobbart selbst zum Hauptverdächtigen des französischen Ermittlers wird. Aufgrund der eigenen Untersuchungen, die Stobbart anstellt, um zu beweisen, dass der Fall ein „Insiderjob“ gewesen sein muss, damit seine Versicherung nicht für den Schaden aufkommen muss, gerät er immer weiter in eine mysteriöse Geschichte hinein. Hauptbestandteil dessen ist das gestohlene Gemälde „La Malediccio“, welches der anwesende Pater für „böse“ hält. Es gilt also herauszufinden, was es mit dem Gemälde auf sich hat, wer der rechtmäßige Besitzer des Gemäldes ist und natürlich wer für den Raub und der Mord verantwortlich ist.

Trailer

Bewertung

Wir, Spielerin oder Spieler, werden vollkommen unvermittelt in die oben genannte Handlung geschmissen. Eine Vorgeschichte wird vorweg nicht erzählt, was gerade für diejenigen Schade ist, die mit der Reihe nicht vertraut sind. Es erschließt sich aber auch durch die Erzählung der Handlung des Spiels selbst in etwa der Zusammenhang der beiden Hauptakteure zueinander. Zumindest kennen sie sich (so viel genügt für den Anfang), denn sie zögern nicht dem Fall gemeinsam nachzugehen. Abwechselnd schlüpfen wir also in die Rolle einer der beiden Figuren und lösen Schritt für Schritt kleinere und größere Rätsel, ganz im typischen Stil eines Point-and-Click-Abenteuers.

Der Spielbereich ist dabei häufig auf einen kleinen Bereich beschränkt, etwa dadurch, dass wir den Tatort nicht verlassen dürfen, ehe der Ermittler eingetroffen ist. Dieser trifft natürlich genau dann ein, wenn wir selbst unsere eigene Spurensuche abgeschlossen haben. Dabei ist es meist ratsam in Bezug auf die Handlungsmöglichkeiten aus dem Vollen zu schöpfen. Nichts darf übersehen werden, auf jeden noch so kleinen möglichen Hinweis, der uns durch Veränderung des Cursors zu einem Auge (zum Anschauen) oder einem Zahnrad (zum Interagieren) angezeigt wird, sollten wir klicken. Das ist für ein Spiel dieses Genres nicht untypisch, stellenweise aber dennoch etwas mühselig, wenn von außen nicht ersichtlich ist, wie sich das Problem lösen lässt und wir nur ziellos alles durchklicken. Mit voranschreitender Spielzeit gewöhnt man sich aber zunehmend an den Stil der Rätsel und wird besser darin zu erahnen, wo der nächste Hinweis versteckt sein könnte.

Viele der Rätsel gehören in solchen Fällen zu den absoluten Stärken des Spiels. Mit Objekten, die wir bereits bei uns tragen, mit der Umgebung zu interagieren, gehört zu den absoluten Must-Haves des Genres und wird auch in Baphomets Fluch 5 gut umgesetzt. An einigen anderen Stellen wirkt die Spielzeit allerdings auch etwas künstlich gestreckt. Zum einen liegt das an häufigen Wiederholungen an einigen Stellen im Spiel. Bis eine Person bereit ist uns die Tür zu öffnen müssen wir etwa mehrmals auf uns aufmerksam machen und mit der Person reden. Zum anderen liegt das auch an etwas langsamen, hölzernen Bewegungsabläufen der Figuren, selbst in Zwischensequenzen. Da kann es schon einmal vorkommen, dass der gute George einen Anruf kriegt, dass Nico in Schwierigkeiten steckt und er trotzdem erst in einer recht langsamen Animation gemütlich das Handy wegsteckt, dann dem Pater sagt, dass er losmuss und erst dann wirklich anfängt sich Richtung Ausgang zu bewegen.

Szenen wie diesen wirken hier und da etwas seltsam, was vor allem dadurch verstärkt wird, dass die Synchronsprecher einen sehr guten Job machen. Dynamik oder Dramatik kommen im Gesprochenen meist sehr gut rüber, sind in den Animationen aber häufig nicht ganz wiederzufinden. Nur ab und zu war ich verwundert, dass die Namen von unterschiedlichen Synchronsprechern vollkommen unterschiedlich ausgesprochen wurden, und das eben nicht nur, weil einige Franzosen und einige Amerikaner oder Engländer sind.

Rein optisch ist Baphomets Fluch 5 durchaus hübsch anzusehen. Die an Comics erinnernden, handgezeichneten Hintergründe und Figuren haben ihren ganz eigenen Stil, der gut zum Genre passt. Die kleinen Schauplätze sind mit Liebe für´s Detail gestaltet. Diese detaillierte Darstellung, etwa von Umgebungselementen, findet sich dann auch in den Bewegungen der Figuren wieder, zum Beispiel wenn diese um frische Blutflecken auf dem Boden herumgehen, wo sie zuvor noch mitten hindurch laufen konnten.
Im Mittelpunkt des Spiels steht aber zweifellos die Geschichte, die relativ geradlinig abgehandelt und durch einen Sprecher kommentiert wird. Im Verlaufe des Spiels wird diese zunehmend spannender und der Fall mysteriöser. Schnell wird klar, dass es sich eben nicht um einen einfachen Raub oder simplen Versicherungsbetrug handelt. Und genau an dem Punkt packt die Story einen und ließ zumindest mich erstmal nicht mehr los. Unklarheiten und Mysterien stehen dabei eher im Mittelpunkt, als der Humor, für den das Genre auch bekannt ist. Hier und da werden allerdings einige Witze eingestreut, die dann sogar eher fehl am Platz wirken. Einige absurde Kombinationsrätsel, die im wahren Leben so vermutlich nicht funktionieren würden, seien aber verziehen, denn da gibt es ein paar wirklich lustige Ideen.

Fazit

Alles in allem ist Baphomets Fluch 5: Der Sündenfall ein gutes Point-and-Click-Abenteuer mit spannender Geschichte und weitestgehend spaßigen Rätseln. Lediglich die allgemeine Spielgeschwindigkeit wirkt viel zu häufig etwas träge und häufige Wiederholungen derselben Spielabläufe können an ein paar Stellen schon mal frustrieren. Einige weitere Macken, vor allem in der Animation, fallen auf, lassen sich aber auch als genretypisch bezeichnen. Ob einem der Spielspaß von rund 10-12 Stunden die gut 30 € wert ist, muss dann am Ende doch jeder selbst entscheiden. Die knapp 7 € Aufschlag für die Switch-Version, mit der Möglichkeit unterwegs zu spielen, sind auf jeden Fall durchaus gerechtfertigt. Dennoch wäre es wünschenswert, wenn es auch möglich wäre die Vorgeschichte auf der Nintendo-Plattform zu spielen. Aber wer weiß: was nicht ist, kann ja noch werden.