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24 Stunden in seiner Gewalt

24 Stunden in seiner Gewalt

Filme - Thriller | Mit: Mickey Rourke, Anthony Hopkins
Bewertung: ★★★★★

Gibt es etwas Schlimmeres, als in seinem eigenen Haus gefangen zu sein? Ein Ort, an dem man sich wohl und geborgen fühlt, und plötzlich stehen da ein paar Typen, halten dich gefangen und drohen damit, dir und deiner Familie weh zu tun oder euch gar zu töten. Das ist die Handlung des Films „24 Stunden in seiner Gewalt“ aus dem Jahr 1991, der von Koch Films jetzt erstmals als Blu-ray herausgebracht wurde.

Handlung

Die Familie Cornell steht kurz vor dem Bruch. Vater Tim hat die Familie für eine jüngere Frau verlassen, will jetzt aber zurück nach Hause. Seine Frau Nora ist nicht gut auf ihn zu sprechen, auch die Tochter May hält ihren Vater auf Abstand. Nur Sohn Zack freut sich über seinen Besuch. Das Familiendrama könnte eigentlich kaum schlimmer werden. Doch mit Michael Bosworth hatte wohl keiner gerechnet. Der aus dem Knast entflohene Mörder ist auf der Flucht und entscheidet sich kurzerhand, im Haus der Cornells Quartier zu beziehen. Der Anfang eines Albtraums.

Trailer

Bewertung

Der deutsche Titel ist eigentlich nicht ganz richtig, denn die Familie ist nicht 24 Stunden in der Gewalt von Bosworth, sondern eher anderthalb Tage. Da ist der Originaltitel „Desperate Hours“ passender, denn hoffnungslos sind die Stunden auf jeden Fall. Was vor allem an den Schauspielern liegt. Mickey Rourke und Anthony Hopkins liefern sich ein tolles Duell – sowohl physischer als auch psychologischer Art. Rourke spielt den Soziopathen mit dem passenden Mix aus Freundlichkeit und Gewalt. In der einen Sekunde redet er sanft auf Nora ein, in der nächsten rammt er ein Messer in den Tisch, knapp an Tims Hand vorbei. Und Anthony Hopkins… ist Anthony Hopkins. Ich glaube dieser Mann kann einfach nicht anders, als großartig zu schauspielern.
Doch neben den beiden hat der Film relativ wenig zu bieten. Der Mittelteil ist sehr spannend, vor allem weil Hopkins und Rourke sich da austoben können. Doch der Film wirkt in seiner Gänze etwas unausgereift. Die Figuren sind alle sehr oberflächlich und teilweise in ihrem Tun sehr unverständlich. Ganz am Anfang hilft Michaels Anwältin, ihn aus dem Knast zu befreien. Sie wirkt die ganze Zeit sehr ängstlich, als hätte er sie bedroht und sie durch Gewalt dazu gebracht, ihm zu helfen. Aber im Laufe des Films wird klar, dass die beiden eine Beziehung haben und sie ihm aus Liebe geholfen hat. Als sie von der Polizei verhört wird, ist sie die eiskalte Blondine, zum Schluss aber wieder die verängstigte Frau, die sie am Anfang des Films war. Michaels Helfer, sein Bruder Wally und sein Kumpel Albert, sind da nicht viel besser. Vor allem Albert hätte eine tolle Figur werden können mit einer sehr guten Charakterentwicklung. Er ist anfangs der Kleinkriminelle, der in eine Sache verwickelt wird, der er nicht gewachsen ist. Deswegen ist er mit der Situation überfordert und lässt seinem Frust immer mehr freien Lauf, bis er schließlich einfach nicht mehr kann und weg will. Seine eigentlich tragische Geschichte wird aber nicht konsequent erzählt, sodass sich hier – wie mit der Figur der Anwältin – Logikfehler bilden und den Zuschauer eher ratlos lassen. Dadurch formt sich eine gewisse Barriere zwischen Zuschauer und Figur, die dazu führt, dass man mit Albert nicht mitfühlen kann.
Wären nur die Figuren unausgegoren, könnte man dem Film vielleicht noch etwas mehr abgewinnen. Aber der Film wirkt so, als wäre er gehetzt fertiggestellt worden. Manche Schnitte kommen sehr plötzlich rüber. Zum Beispiel wird eine brutale Szene fast in der Mitte abgehackt, um dann das FBI-Hauptquartier zu zeigen. Diese Sprünge wirken aber nicht wie ein Stilmittel, um etwa die beiden Handlungsstränge auf interessante Weise miteinander zu verknüpfen. Sie wirken eher, als hätte man auf die Schnelle den Film zusammengeschnitten. Was vielleicht auch stimmen mag, denn Gerüchten zufolge wurde die finale Version von Regisseur Michael Cimino von den Produzenten des Films auseinander genommen und nach ihren eigenen Vorstellung wieder zusammengefügt. Ob ein „Director’s Cut“ den Film zum Meisterwerk gemacht hätte… Who knows.

Fazit

„24 Stunden in seiner Gewalt“ wird in der Filmgeschichte kaum einen Platz finden. Dafür ist der Psychothriller zu hastig geschnitten und die Figuren zu oberflächlich. Trotzdem würde ich nicht sagen, dass ich meine Zeit damit verschwendet hätte, denn vor allem Anthony Hopkins und Mickey Rourke haben sehr gut zusammen gespielt. Man kann den Film gucken, muss man aber nicht.