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BORGMcENROE - Duell zweier Gladiatoren

BORGMcENROE - Duell zweier Gladiatoren

Filme - Sportfilm | mit: Sverrir Gudnanson, Shia LaBeouf, Stellan Skarsgård
Bewertung: ★★★★

Er motzt, er pöbelt, er beleidigt… Nein, Shia LaBeouf ist nicht etwa wieder in der Öffentlichkeit negativ aufgefallen. Dieses Mal spielt er in der Nacherzählung einer der vermeintlich größten Rivalitäten der Sportgeschichte den Ex-Tennisprofi John McEnroe, der bekannt dafür war zu aktiven Zeiten ein ähnlich feuriges Temperament an den Start gelegt zu haben. Ich habe mir die Verfilmung rund um die Geschichte des Wimbledonfinals von 1980 zwischen Björn Borg und John McEnroe einmal angeschaut und verrate euch, ob das Biopic BORGMcENROE auch über die charakterliche Ähnlichkeit zwischen LaBeouf und McEnroe hinaus der wahren Geschichte der beiden Protagonisten gerecht wird.

Handlung

Björn Borg ist der Star der Tenniswelt. Als Weltranglistenerster und viermaliger Sieger des Turniers tritt der erst 24-jährige Schwede 1980 in Wimbledon an. Doch in seinem Schatten hat sich der noch jüngere Amerikaner John McEnroe in der Weltrangliste nach oben gespielt und ist in Lauerstellung. Die Medien sind sich sicher: Wenn einer Borg schlagen kann, dann er. Doch McEnroe ist kein beliebter Star, wie es Borg ist. Er hat ein Problem sein Temperament im Zaum zu halten und neigt zu Wutausbrüchen auf und neben dem Platz. Borg hingehen scheint die Ruhe selbst zu sein, er wirkt stets fokussiert und sein Turniervorbereitung gilt als vorbildlich. Doch der Schein trügt. Beide Spieler haben lediglich andere Mechanismen für sich entdeckt, um mit der enorm hohen psychischen und körperlichen Belastung des Profisportgeschäfts umzugehen. In den Tagen vor Turnierbeginn sehen wir vor allem einen Björn Borg, der unter dem Druck der Öffentlichkeit und dem eigenen Erfolgsdruck fast zerbricht. Doch das Turnier geht weiter. Runde um Runde kämpfen sich die beiden Kontrahenten voran, bis es schließlich tatsächlich zum Aufeinandertreffen im Finale kommt. Der Rest ist nicht nur Tennis- sondern Sportgeschichte im Allgemeinen. Borg siegt nach einem packenden 5-Satz-Match und der einst unbeliebte McEnroe wird für den Kampfgeist, den er zeigte, ohne dabei in alte, randalierende Verhaltensmuster zurückzufallen, gefeiert. Beide Spieler haben das Spiel ihres Lebens bestritten. Borg wird zum fünften Mal in Folge Wimbledonsieger und beendet kurz darauf seine Karriere. McEnroe landet bereits im Folgejahr auf Rang 1 der Weltrangliste. Und noch viel wichtiger: Das Match hat die zwei Kontrahenten, die von nur von den Medien zu Feinden gemacht wurden, zusammengeschweißt und zu Freunden gemacht. McEnroe war später Trauzeuge auf Borgs Hochzeit.

Trailer

Bewertung

Auf wahren, medial präsenten Sportereignissen basierende Geschichten zu verfilmen ist eine Kunst. Die Geschichte selbst muss in irgendeiner Hinsicht interessante Inhalte bereithalten und diese müssen in einer Weise umgesetzt werden, die zwischen Authentizität und inhaltlicher Spannung vermittelt. BORGMcENROE schafft diesen Spagat. Von Beginn an wird die Belastung, die auf den Protagonisten liegt, vor allem durch die guten Schauspielerischen Leistungen von Sverrir Gudnanson (Borg), Shia LaBeouf (McEnroe) und Stellan Skarsgård (Borg´s Trainer) spürbar. Die Dramatik liegt vor allem im Alltag der Spieler rund um das eigentliche Turnier. Rückblenden erklären dabei immer wieder, wie sich die Protagonisten in ihrer Jugend charakterlich zu denen entwickelt haben, die sie heute sind. Diese sind gut platziert und geschnitten, selten ergeben sich unnötige Längen, wie es bei auf Dramatik setzenden Sportfilmen leider zu häufig der Fall ist. Deutlich wird insgesamt, dass die schwedische Produktion aus dem Jahr 2017 den Fokus vor allem auf den Landsmann Björn Borg legt, was aber auch inhaltlich einiges mehr an Potenzial bietet, da im Laufe des Films seine Psyche die größere Instabilität offenbart.
Großes Talent offenbart Regisseur Janus Metz schlussendlich bei der Inszenierung des alles entscheidenden Spiels, dem Wimbledonfinale. Die Dramaturgie und Anspannung der Spieler, das Auf und Ab im Match, wird derart gut dargestellt, dass trotz des Wissens um den letztendlichen Siegers eine fantastische Spannung entsteht. Auch die Tennisdoubles machen eine gute Figur. In Kombination mit schnellen Schnitten und Perspektivwechseln kommt tatsächlich immer wieder das Gefühl auf man sehe sich tatsächlich ein Tennisspiel an. Wie uns dann außerdem im Abspann durch Originalfotos belegt wird, mit welcher Genauigkeit Kostüm, Maske und Kulisse erzeugt wurden, ist beeindruckend. Einzelne Bilder und Szenen des Matches könnten ebenso gut Originalaufnahmen sein. Vor allem diese Authentizität macht den Film wirklich sehenswert.

Fazit

BORGMcENROE ist gleichzeitig ein authentisches Biopic gleich zweier Sportler und ein spannendes Sportdrama. Wie so oft bei derartigen Filmen sollten vor allem begeisterte Sportfans auf ihre Kosten kommen, da schon einige Szenen der Sportart an sich gewidmet werden. Aber auch darüber hinaus wird dem Zuschauer eine gute Umsetzung einer dramatischen Athletengeschichte geboten.