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CALL ME BY YOUR NAME

CALL ME BY YOUR NAME

Filme - Liebesfilm | Von: Luca Guadagnino | Mit: Armie Hammer, Timothée Chalamet, Michael Stuhlbarg
Bewertung: ★★★★★

Romanverfilmungen haben einen eher schlechten Ruf bei Filmliebhabern. Aber warum eigentlich? Viele der besten Filme aller Zeiten – zum Beispiel der Pate, vom Winde verweht oder die Verurteilten – sind Buchadaptionen. Auch der Oscar-Gewinner “Call Me By Your Name” basiert auf einem Roman. Bei der Verleihung hat er unter anderem die Trophäe für das “beste adaptierte Drehbuch” abgestaubt. Ich hätte ihm sogar den Oscar zum “besten Film” gegönnt.

Handlung

Norditalien in den Achtzigern: Der 17-jährige Elio führt ein beneidenswertes Leben. Er wohnt in einer mediterranen Villa in einem idyllischen Dorf. In seiner Freizeit hört er gerne klassische Musik und transskribiert sie auf Notenpapier. Sein Vater ist Archäologieprofessor. Eines Sommers kommt der Student Oliver zu Besuch, um Elios Vater bei seiner Arbeit zu unterstützen. Anfangs findet Elio den Besucher arrogant und unsypmathisch. Doch langsam nähern sich die beiden an. Vor allem Elios Gefühle bringt diese Begegnung völlig durcheinander. Für die beiden ist das der Start einer traumartigen Beziehung.

Trailer

Bewertung

Zugegeben, die Grundgeschichte von “Call Me By Your Name” klingt alles andere als innovativ. Zwei Menschen, die sich ineinander verlieben und schöne Landschaftsaufnahmen bieten viel Potential für einen langweiligen Liebesfilm. Aber gerade das ist "Call Me By Your Name" nicht. Regisseur Luca Guadagnino hat einen wunderschönen Coming-Of-Age-Film geschaffen, der zu jedem Zeitpunkt ganz nah an den Figuren ist. Nahezu alle Elemente in diesem Film sind nämlich dazu da, Elios Gefühlswelt wiederzuspiegeln. Und das funktioniert großartig. Wenn Elio und Oliver im See baden oder wenn sie mit dem Fahrrad durch die idyllische Landschaft Norditaliens fahren, dann überträgt sich dieses Lebensgefühl unmittelbar auf den Zuschauer. Der Film schafft es so, die intensive Liebe zwischen den beiden Protagonisten vollkommen authentisch darzustellen. Das gelingt nicht nur durch die wundervolle Inszenierung, sondern auch durch das großartige Schauspiel von Armie Hammer und Timothée Chalamet als die beiden Protagonisten. Besonders Chalamét schafft es, den sinnsuchenden Jungendlichen Elio perfekt zu verkörpern. Er stürzt sich mit seinem ganzen Körper vollständig in diese neue Beziehungserfahrung und leidet unendliche Qualen, wenn er Enttäuschungen erfährt. Besonders die Darstellung seiner Figur hat mich sehr beeindruckt.
Schließlich wäre da noch die Musik. Denn auch die ist in “Call Me By Your Name” perfekt eingesetzt. Die klassisch angehauchten Klavierstücke sind mit der traumhaften Inszenierung und dem tollen Schauspiel das dritte Element, das dem Film zu etwas Besonderem werden lässt. Damit zeigt “Call Me By Your Name” eine Schönheit und Leichtigkeit, die in heutigen Filmen nur noch selten zu finden ist.
Dennoch kann ich diesen Film nicht jedem empfehlen. Das Erzähltempo ist eher langsam und Regisseur Guadagnino nimmt sich viel Zeit, um die Beziehung der beiden in allen Facetten darzustellen. Einigen Zuschauern ist das womöglich zu langweilig, mir hat diese Inszenierung aber durchweg gefallen. Die Kamera ist sehr bedächtig und verzichtet meistens auf Close-Ups. Dadurch fällt es einem leichter, das Handeln der Charaktere nachzuvollziehen.

Fazit

Es gibt Filme, die man noch lange im Gedächtnis behält. “Call Me By Your Name” ist definitiv einer davon. Obwohl die Geschichte nicht sehr innovativ ist, besitzt der Film eine einzigartige Sogwirkung. Wer ein Problem mit langsamen Erzählungen hat, sollte vorsichtig sein. Wer aber Lust auf wunderschöne Bilder, eine mitreißende Liebesgeschichte und einen großartigen Soundtrack hat, dem möchte ich den Film wärmstens empfehlen. Mich hat er mitgerissen und so schnell nicht mehr los gelassen.