Filme und Serien
Register
Mord im Orientexpress

Mord im Orientexpress

Filme - Krimi | Mit: Alfred Molina, Fritz Wepper
Bewertung: ★★★★

„Mord im Orientexpress“ ist eines der bekanntesten Bücher von Agatha Christie. Zum großen Teil auch da der Stoff die Vorlage lieferte für zahlreiche Verfilmungen. Erst kürzlich versuchte sich Kenneth Branagh an eine Neuverfilmung des Romans. Was „Mord im Orientexpress“ aus dem Jahr 2001 mit Alfred Molina als Detektiv Hercule Poirot herausstechen lässt aus dem Meer der Verfilmungen ist das Setting: Der Film spielt in der Gegenwart. Ob dies das einzig Positive an dem Film ist?

Handlung

Hercule Poirot, der beste Detektiv der Welt, hat in Istanbul gerade einen Fall gelöst. Eigentlich will er mit dem Flieger direkt weiter nach London, sein Freund und Chef des berühmten Orientexpresses lädt ihn aber ein, ihm bei der Zugreise von Istanbul bis Paris zu begleiten. Was als gemütlichen Zwischenurlaub geplant war, wird schnell zur Arbeit. Denn der amerikanische Millionär Samuel Ratchett wird in der Nacht ermordet. Da der Zug mitten im Nichts anhalten muss, weil die Gleise blockiert sind, und keine Spuren darauf hindeuten, dass jemand den Zug weder betreten noch verlassen haben, vermutet Poirot, dass der Schuldige sich unter den Fahrgästen befinden muss.

Bewertung

Der Fernsehfilm mit Alfred Molina geht in Menge der Verfilmungen klanglos unter. Weder den Charme der Filmfassung von 1974 noch die Starpower der Version von Kenneth Branagh kann der Film vorweisen. Das einzig bemerkenswerte ist es, dass die Handlung in das Jahr 2001 versetzt wurde. Der Drohbrief an Ratchett ist also kein Brief, sondern eine Videokassette und Poirot kann mithilfe von Laptop und Internet nach Informationen suchen. Was eine ganz coole Idee hätte sein können. Der Film ist aber so dermaßen schlecht gealtert, dass es fast unmöglich ist ihn zu gucken. Vor allem, wenn man ihn auf einen größeren Fernseher guckt, denn das Fernsehformat 4:3 wirkt klein und zu ungewohnt. Klar, man könnte vielleicht damit leben. Fernsehserien wie „Buffy“ oder „Xena“ gucke ich immer noch gerne, aber auch nur, weil man entweder die eigene Nostalgie befriedigen will oder die tollen Charaktere und spannenden Geschichten einen darüber hinwegsehen lassen. Doch diese Verfilmung von „Mord im Orientexpress“ kann für mich mit rein gar nichts punkten. Die Figuren sind fast karikaturenhaft gezeichnet. Ratchett ist laut und nervig, die Baronin – die hier in die Witwe eines Diktators verwandelt wurde – ist versnobt und nervig, Mrs. Hubbard ist neugierig und nervig… Leider kann Alfred Molina als Hercule Poirot auch nichts Neues bieten. Er kommt eher genervt als entschlossen rüber und ganz intelligent wirkt er auch nicht. Was aber auch am furchtbaren Drehbuch liegen könnte. Denn nicht nur die Dialoge sind gestelzt geschauspielert. Auch die Worte, die die Schauspieler sprechen, sind nicht spannend. Ich habe mehrmals zum Handy gegriffen und habe die Dialoge einfach ignoriert. Was auch nicht spannend ist, ist der sogenannte Krimi. Denn wenn man im Zimmer des Ermordeten ein Taschentuch findet, in dem ein H eingraviert ist, kann man davon ausgehen, dass dies ein Hinweis sein könnte. Das tut Poirot auch, aber als er den Ausweis einer gewissen Helena in Händen hält, aber der erste Buchstabe von einem Flecken bedeckt ist, da kann man tatsächlich nicht darauf schließen, dass sie eine Verdächtige sein könnte. Und genau das passiert in einer Szene. Der Fleck wird in einem Gespräch zwischen Poirot und seinem Freund thematisiert, aber mit einem „könnte eventuell wichtig sein“ abgetan. Ab dieser Stelle konnte ich den besten Detektiven der Welt nicht mehr ernst nehmen…

Fazit

Was eine coole Idee hätte werden können – vor allem aber auch etwas Neues in einem Meer aus Verfilmungen – entpuppt sich als grottenschlechten Film. Zwar hätte man über die Fernsehfilmästhetik von vor fast 20 Jahren hinwegsehen können. Aber wenn die Figuren schlecht gezeichnet, die Schauspieler eher schlecht als recht ihr Ding machen, das Drehbuch eine Aneinanderreihung von schlechten Dialogen und die eigentlich spannende Geschichte so platt erzählt wird, da greife ich doch lieber zur Vorlage.