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Midnight Sun

Midnight Sun

Filme - Krimi |  mit: Leïla Bekhti; Gustaf Hammarsten
Bewertung: ★★★★★

Schwedische Krimis auf ZDF gibt es fast so oft wie Tatort-Folgen. Man sich aber immer sicher, dass die Miniserien aus dem hohen Norden qualitativ immer solide sind. Ob das neueste Import „Midnight Sun“ zu den Besten der Besten gehört, erfahrt ihr hier.

Handlung

Ein Franzose wird in der Nähe der kleinen schwedischen Gemeinde Kiruna umgebracht. Um bei den Ermittlungen zu helfen und der französischen Polizei Bericht zu erstatten wird Kahina Zadi in die kleine Bergbaustadt geschickt. Zusammen mit dem Staatsanwalt Anders Harnesk versucht sie den seltsamen Mord aufzuklären. Doch die Leiche wird nicht die einzige sein, die sie finden. Unter der Mitternachtssonne, die im Norden Schwedens niemals untergeht, müssen die beiden den Mörder aufhalten.

Trailer

Bewertung

Eigentlich ein ganz einfacher Schweden-Krimi, könnte man meinen. Menschen werden auf Art und Weise umgebracht. Zwei Ermittler, die grundverschieden sind, müssen gemeinsam die Morde aufklären. Und wie zum Teufel sind diese ganzen Morde miteinander verbunden? Wäre das alles, was „Midnight Sun“ zu bieten hätte, wäre die Krimiserie immer noch ganz passabel. Was diese Serie aber ausmacht ist, dass sie eine Kultur vorstellt, die man so nicht auf den Schirm hat. Denn dadurch, dass „Midnight Sun“ im hohen Norden Schwedens spielt, spielen die Ureinwohner dieser Gegend eine große Rolle: Die Sámi. Denn die Morde tragen Züge traditioneller Rituale der Sámi. Heißt das, dass ein Sámi sich durch die kleine Bergbaustadt Kiruna mordet? Oder sollen alte Ressentiments gegen die Ureinwohner aufgestachelt werden? Durch „Midnight Sun“ bekommt man einen guten Einblick in eine Seite Schwedens, die man so nicht kennt. Und weil große Namen der Sámi kleine Gastauftritte haben und sowohl die Sprache und das Joik – eine traditionelle Gesangsart der Sámi, die dem Jodeln sehr ähnlich ist – werden in der Eröffnungssequenz eingesetzt. Generell ist „Midnight Sun“ sehr multikulturell. Denn die franco-schwedische Produktion ist in der Originalversion drei- bzw. viersprachig. Die Ermittler reden Englisch miteinander, die Schweden Schwedisch, die Franzosen Französisch. Aber zwischendurch, vor allem wenn die Sámi vorkommen, bekommt man deren Sprache zu hören, das Samische.
Aber nicht nur diesen neuen Einblick auf eine uns unbekannte Volksgruppe und deren Traditionen macht „Midnight Sun“ aus. Die Serie ist spannend erzählt und bis zum Schluss weiß man nicht, wer Freund und wer Feind ist. Irgendwann verliert man als Zuschauer ein bisschen die Orientierung, was aber auch vielleicht gewollt ist. Denn auch die französische Ermittlerin Kahina Zadi fühlt sich wie im falschen Film. Schlaflosigkeit wegen der nie endenden Tage, Sprachbarrieren und die eigenen Probleme machen es ihr zu schaffen. Auch der Staatsanwalt Anders Harnesk muss sich in Kiruna mit Vorurteilen kämpfen. Einerseits muss er sich beweisen, da er bis dahin lediglich bei der Verkehrsbehörde tätig war. Dass er Sámi ist, hilft auch nicht gerade bei der teilweise rassistischen Bevölkerung Kirunas.
Interessante Hintergründe, eine spannend erzählte Geschichte und interessante, multikulturelle Figuren sind aber nur die eine Seite der Medaille. Die Inszenierung ist wunderschön. Es gibt viele Luftaufnahmen der Berge, die die unberührte und wilde Natur Nordschweden gut in Szene setzen. Durch das Zusammenspiel mit der Musik wirken diese aber nicht wie ein Dokumentarfilm, sondern sind sehr dynamisch und spannend. Denn wenn die Ermittler vom Hubschrauber aus ein wilder Rudel Wölfe beobachten, im nächsten Moment aber einen an den Felsen angeketteten Mann entdecken und so schnell wie möglich versuchen, ihn zu retten, krallt man sich schon an die Sofalehne und verfolgt angespannt das Geschehen am Bildschirm.

Fazit

„Midnight Sun“ erzählt eine spannende Geschichte mit interessanten Hintergründen und einem multikulturellen Cast. Dass man als Zuschauer zwischendurch ein bisschen die Orientierung verliert, ist nicht schlimm und wirkt sogar gewollt. Denn im Land der nie untergehenden Sonne kann man sich schnell verlieren.