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Suburbicon

Suburbicon

Filme - Drama | mit: Matt Damon, Juliane Moore, Oscar Isaac
Bewertung:★★★★★

Viele Regisseure haben ihre Musen. Martin Scorsese at Leonardo DiCaprio, Tim Burton hat Johnny Depp, Steven Spielberg Tom Hanks. Was bemerkenswert ist, ist wenn die Muse selbst den Regiestuhl einnimmt und etwas Eigenes erschafft. George Clooney hat in zahlreichen Produktionen der Coen-Brüder gewirkt. In seiner fünften Regierarbeit hat sich Clooney nun ein Drehbuch der beiden geschnappt und daraus wurde „Suburbicon“.

Handlung

Suburbicon ist ein idyllisches Vorstädtchen irgendwo in Amerika. Der Postbote kennt jeden beim Namen, Kinder spielen fröhlich in den Straßen, Papa geht arbeiten und Mutti kümmert sich um den Haushalt. Eine schöne, heile Welt der 50er Jahre. Die die Idylle trügt. Eines Tages zieht eine Afro-Amerikanische Familie in das beschauliche Suburbicon. Das ist aber nicht das einzige tragische Ereignis in Suburbicon. Zwei Männer brechen in das Haus der Lodges ein nehmen die Familie als Geiseln. Gefesselt und mit Chloroform betäubt überlebt die Mutter des Hauses den Überfall nicht. Doch ihre Zwillingsschwester, selbst Zeugin des Überfalls, ist mehr als gewillt ihre Rolle in der kleinen Familie einzunehmen. Schon bald zeigt sich, dass dies kein Zufall ist und eigentlich alles beteiligten eine andere Rolle spielen, als sie vorgeben.

Trailer

Bewertung

Das mit der heilen Welt etwas nicht stimmt wird schnell deutlich. Vielleicht zu schnell. Relativ früh verliert der Film dadurch an Spannung. Einrahmend steht eine Kritik am typischen American Way of Life. Nur von außen betrachtet ist alles in Ordnung, doch in den Häusern spielen sich jedoch die wahren, ehrlichen Tragödien ab. Die leicht überzeichnete, überschwänglich positive Darstellung Suburbicons durch ein kitschig-buntes 50er Jahre Setting und gute Kostüme, sorgt für einen guten Kontrast zu den späteren, düsteren Ereignissen des Films. Doch genau als diese beginnen sich zu entfalten verliert der Film vollkommen das Gefühl für einen cleveren Umgang mit derartigen Oppositionen. Stattdessen werden recht unbeholfen und willkürlich Fetzen von Nebenhandlungen, unpassenden Gefühlen und Situationen eingeworfen. Zum einen finden wir eine Rassismuskritik, die gezwungen eingearbeitet wirkt. Familie Meyers, die afro-amerikanische Familie, ist von den ausschließlich weißen Einwohnern nicht erwünscht. Diese versammeln sich im Verlaufe des Films immer häufiger vor deren Haus, um zu protestieren. Die einzige Familie, die scheinbar nicht das geringste damit zu tun hat, außer, dass der eigene Sohn einmal zum spielen mit dem Sohn der neuen Nachbarn geschickt wurde, sind rein zufällig unsere Protagonisten. Das wirkt derartig konstruiert, dass es einem kalt den Rücken hinunterläuft und man beim Schauen des Film tatsächlich mehrfach mit den Augen rollen muss. Die zwei Handlungsstränge – der Zuzug der schwarzen Familie und die dubiosen Vorgänge um den Überfall auf die Lodges – überschneiden sich in fast keiner Weise, was den gesamten Film wie zwei Filme wirken lässt, die krampfhaft ineinander gepresst wurden. Lediglich Kommentare einiger Bewohner mutmaßen, dass all die Ereignisse „ohne die Meyers“ nie passiert wären. Das wiederum ist interessant: eben genau jener plumpe Rassismus mit halt- und zusammenhangslosen Unterstellungen soll hier von Clooney kritisiert werden. Dennoch, der Film verliert durch diese Doppelhandlung ungemein an atmosphärischer Dichte.
Kurzzeitige Lichtblicke bieten die schauspielerischen Leistungen von Juliane Moore und Oscar Isaac. Moore spielt sowohl die im Überfall verstorbene Mutter, als auch ihre Schwester. Issac jedoch taucht nur kurz auf und erhält den undankbaren Job, eine weitere atmosphärisch unpassende Situation einzuführen. Sein Charakter, ein cleverer Versicherungsagent, der den seltsamen Geschehnissen um die Lodges auf die Schliche zu kommen scheint, kommt mit einer Art Humor um die Ecke, die nicht so recht passen will und verschwindet eben so schnell wieder.
Schnell wird nämlich dieser eher charmant-humoristische Ton durch relative brutale Gewalt abgelöst und der einzige Ausweg aus den Verstrickungen der Familie sind Morde. Dies ganze muss zu allem Übel der Sohn der Familie mit ansehen.

Fazit

Suburbicon hat mir Kopfzerbrechnen bereitet. Der Film hätte im Grunde hohes Potenzial. Ein talentierter Regisseur, gute Schauspieler, eine kritische Auseinandersetzung mit einer vermeintlich heilen Welt. Doch die Zusammenstellung der Themen und deren atmosphärische Umsetzung ist wirr.
Es beginnt mit einer fast burton-esquen Überzeichnung der schönen heilen Welt Suburbicons. Dann wird Rassismus hineingeworfen, dann geschehen schreckliche Ereignisse, dann versucht man hier und da tiefe psychologische Studien einzustreuen, dann kommt ein Oscar Isaac mit ein wenig Humor, zwischendurch hören wir im Radio wieder ein paar rassistische Kommentare, dann eine absurd-groteske Vater-Sohn-Geschichte und zum Schluss das große Finale mit unerwarteter Brutalität. Parallel zu diesem Finale: Rassistische Übergriffe auf Familie Meyes. Und so drehen sich die Ereignisse relativ planlos im Kreis, bis am Ende des Films ein absoluter Großteil der Figuren tot ist und ich als Zuschauer wirklich nur dachte: „Naja gut, auch egal.“ Ich wurde während des gesamten Films das Gefühl nicht los zu wissen, worauf Clooney hinaus wollte. Es ist nur schlicht nicht gelungen in einen Film umgesetzt, den man gerne schaut.