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Der Buchladen der Florence Green

Der Buchladen der Florence Green

Filme - Drama | Mit: Emily Mortimer, Bill Nighy, Patricia Clarkson
Bewertung: ★★★★★

Eine Außenseiterin kommt in ein kleines Dorf und muss sich gegen die Einheimischen durchsetzen, um ihren Traum zu verwirklichen. Den Plot hat man in Film und Literatur schon oft gesehen bzw. gelesen. Ob sich „Der Buchladen der Florence Green“ – eine Adaption des Romans „Die Buchhandlung“ von Penelope Fitzgerald – von der Masse abheben kann?

Handlung

Florence Green liebt Bücher und das Lesen. Als sie das „Old House“ in Hardborough, einem verschlafenen Dorf an der Küste Ostenglands, erbt, will sie ihre Traum verwirklichen: Einen Buchladen eröffnen! Doch Violet Gamart, eine reiche Dame und die einflussreichste Person im Dorf, will lieber ein Kunstzentrum eröffnen. Der Startschuss für viel Drama um die kleine Buchhandlung.

Trailer

Bewertung

Wenn man von Drama überhaupt reden kann. Der Film „Der Buchladen der Florence Green“ ist so gemächlich und gewöhnlich – um nicht zu sagen langweilig – inszeniert, dass das „Drama“ überhaupt nicht zur Geltung kommt. Das schlägt sich sowohl in der Kameraführung als auch in der Filmmusik nieder. Die Musik war sporadisch vorhanden und – so hatte man manchmal das Gefühl – wurde spontan hinzugefügt. Dadurch hat die Filmmusik oft nicht die gewünschte Wirkung erzielt, bestimmte Gefühle in bestimmten Szenen zu erzeugen, sei es Freude oder Drama. Die Kamera ist weitestgehend statisch und die einzelnen Einstellungen dauern oft sehr lang. Das hat mich immer mal wieder an Filmadaptionen alter Klassiker, wie z.B. von Jane Austen, erinnert. Doch wo die Einstellungen dort ein Mittel zum Zweck waren, um die pointierten Dialoge voller Gesellschaftskritik in den Mittelpunkt zu stellen, hatte man bei „Der Buchladen der Florence Green“ wenige gute Dialoge. Was mich vor allem gestört hat war die sehr konservative Art, wie die Dialoge gezeigt wurden. Die meiste Zeit war mehr als ein Wechsel der Kamera zwischen den Sprechenden – das sogenannte „Schuss-Gegenschuss“-Prinzip – nicht drin.
Nur an der einen oder anderen Stelle hat der Film mit seiner sehr gewöhnlichen Erzählweise gebrochen, und diese Szenen waren die Highlights des Films! Diese sind vor allem einer Figur und speziell seinem Darsteller zu verdanken: Bill Nighy als Einsiedler Edmund Brundish stiehlt hier allen die Show. Er wird auf lustige Art und Weise eingeführt und Regisseurin Isabel Coixet zeigt, wie viel Potential da gewesen wäre, um den Film spannender zu inszenieren. Edmund ist wie Florence ein begeisterter Leser und als er hört, dass sie einen Buchladen eröffnet, schickt er ihr einen Brief mit der Bitte, ihm Bücher zukommen zu lassen. Den Inhalt des Briefes bekommt der Zuschauer aber nicht als Voice-Over vorgelesen, sondern als Monolog von Edmund selbst. Dabei starrt Bill Nighy in die Kamera, die ihn an einem Tisch, der voller Bücher ist und man dadurch den Mann dahinter kaum sieht, zeigt und immer weiter heranzoomt. Bill Nighy liefert seinen Monolog wunderbar eintönig, aber mit einem Schmunzeln in der Stimme. Durch die Art und Weise, wie der Briefwechsel zwischen Florence und Edmund dargestellt wird, hatte ich kurze Zeit die Hoffnung, dass der Film vielleicht ein bisschen ins Absurde driften und so interessanter werden würde. Leider beschränkte sich dieser frische Wind an außergewöhnlicher Inszenierung nur auf ein paar Minuten Filmlaufzeit.
Ein weiteres Manko des Films ist für mich die fehlende literarische Begeisterung. Man bekommt erzählt, dass Florence eine begeisterte Leserin ist, aber wirklich deutlich wird das nie. Klar, man sieht sie zwischendurch lesen und die Autoren Ray Bradbury und Vladimir Nabokov spielen eine wichtige Rolle. Aber Bücher haben fast nur eine Nebenrolle. Wenn man den Film etwa mit „Chocolat“ vergleicht, der eine ähnliche Thematik hat – fremde Frau kommt in die Provinz und eröffnet den Laden ihrer Träume – dann fehlt da tatsächlich ein bisschen die literarische Verrücktheit, die hier angebracht wäre.

Fazit

Meiner Meinung fehlt „Der Buchladen der Florence Green“ ein bisschen an Pepp. Denn weder das Drama um die Reise einer Frau, die in der Provinz ihren Traum verwirklichen will, noch die Kritik an der kleinlichen Gesellschaft einer englischen Kleinstadt kommen so richtig beim Zuschauer an. Vor allem war ich vom Film enttäuscht, weil er richtig gute Ideen und einen sehr charmanten Bill Nighy hat, dieses Potential aber in einen sehr gewöhnlichen und teilweise langweiligen Film verbraten hat.