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Nastrand – Eine Geschichte aus der Edda

Nastrand – Eine Geschichte aus der Edda

Comic - Fantasy |Søren Glosimodt Mosdal
Bewertung: ★★★★

Wenn man ein bisschen in der Schule aufgepasst hat, dann weiß man, dass die Edda die Bezeichnung für eine nordische Götter- und Heldensagensammlung ist. Deren Inhalte kenne ich nur sehr vereinzelt und wundere mich, warum der Verlag Edition Moderne dieses auf allen Ebenen kalte Comicwerk mitten im Sommer veröffentlicht.

Handlung

Deirdre und ihr Meister Thorkel erwachen irgendwo im Nirgendwo und sind denkbar verwirrt. Nach einer kurzen Orientierung fallen ihnen zombieähnliche Geschöpfe auf, welche nach ihnen gieren und merkwürdige Geräusche von sich geben. Thorkel, ein mächtiger Krieger und mit den Künsten der Magie vertraut, erkennt schnell, dass es sie an den titelgebenden Nastrand (Strand der Leichen) verschlagen hat. Scheinbar sind beide tot und wundern sich, weshalb sie nicht nach Walhalla geschickt worden, sondern zu den Dieben, Mördern, Alten, Ehebrechern und Sklaven ins Reich der Totengöttin Hel.
Wie können sie dieser Hölle entrinnen? Welche Monster begegnen ihnen dort? Kann Magie helfen?

Bewertung

Junge, Junge! Da sitzt du nichts ahnend in der Sonne und schnappst dir das neueste Werk des dänischen Autoren Søren Glosimodt Mosdal und wirst mal eben so in die düstersten Abgründe der nordischen Mythen geworfen. Für 18 Euro erhält der Leser hier ein 60 Seiten starkes Album mit sogenannter „Halbleinen“-Bindung, die sehr hochwertig wirkt und dem Band etwas Edles und sogleich Robustes verleiht. In Anbetracht des Inhalts möchte man es also gleich nach dem Lesen ins Regal stellen.
Mosdal erzählt eine Geschichte, die vielleicht kein Vorwissen aber zumindest ein gewisses Verständnis vom Leser abverlangt. Dass da plötzlich dieser Muskel-Fleisch-Hund Glamr auftaucht oder Frauen grundsätzlich auch mal nackt gezeigt werden, darf eben nicht stören um Gefallen an dem Comic zu finden. Hinzu kommt die wirklich sehr düstere fast depressiv wirkende Atmosphäre, die hervorragend zur Thematik passt und den Leser ein bisschen in eine Loch fallen lässt. Alles ist tot, kalt und morbide. Genau wie das Leben ist auch die Zeit danach kein Zuckerschlecken und ein ständiger Kampf.
Mosdals Artwork besticht mit starken Kontrasten, welche er durch ein Wechselspiel aus Schwarz und Weiß erzeugt. Durch teilweise arg abstrakte Formen schafft er eine surreale Welt, die definitiv nicht zum Verweilen einlädt und super zur Edda passt. Ob er im Detail immer so sauber gearbeitet hat oder ob das einfach sein Stil ist, lässt sich diskutieren.

Fazit

Mal davon abgesehen, dass man als Leser wirklich wissen sollte worauf man sich einlässt und als Begleitmusik vielleicht eher etwas Black Metal als Popmusik auflegt, ist das Album definitiv ein hübsches düsteres Schmuckstück in der Sammlung. Ich persönlich habe meine Probleme mit dem Preis, da man nach gut einer halben Stunde fertig ist mit dem Band und vielleicht nie wieder einen Blick hinein wirft. Als Teil einer längeren Reihe mit Geschichten aus der Edda könnte „Nastrand“ gut funktionieren.
Vielen Dank an den Verlag bbb Edition Moderne AG für die Zurverfügungstellung des Rezensionsexemplars.