Drama
Register
The Handmaid´s Tale - Staffel 1

The Handmaid´s Tale - Staffel 1

Serie 
Bewertung: ★★★★★

Im Auftrag des amerikanischen Videoportals Hulu wurde Margaret Atwoods 1985 erschienener Klassiker „The Handmaid´s Tale“ als Serie verfilmt und erscheint dieser Tage auf Deutsch. Im Jahr ihres Erscheinens wurde die Serie mit Preisen überschüttet, darunter diverse Emmys und zwei Golden Globes. Mich reizte aber vor allem das Setting, den Roman kannte ich vorher (leider) nicht. Und nachdem ich nun mit der ersten Staffel durch bin, kann ich sagen, eine der wohl besten neuen Serien gesehen zu haben.

Handlung

In nicht allzu ferner Zukunft haben verschiedene Umstände, wie z. B. fortschreitende Umweltzerstörung dazu geführt, dass die Menschheit in großen Teilen unfruchtbar wurde. Vor diesem Hintergrund übernehmen in den Vereinigten Staaten religiöse Fanatiker die Macht und errichten den Staat Gilead. Frauen werden entrechtet. Sie dürfen weder arbeiten noch Eigentum besitzen. Höchstes Gut der Gesellschaft sind die wenigen fruchtbaren Frauen, die den Führern dieser Gesellschaft zugeteilt werden um für den Fortbestand des Staates zu sorgen.

Unter ihnen auch June Osborn, die dem Haushalt der kinderlosen Waterfords zugeteilt wird. Zum Zeichen ihres Standes muss sie sich fortan Desfred, nach dem Hausherrn Fred Waterford nennen. Dort ist ihr einziger Zweck, sich von diesem schwängern zu lassen und sein Kind zur Welt zu bringen. Das gestaltet sich ob seiner Impotenz etwas schwierig, aber seine Frau will nichts unversucht lassen um doch noch zu ihrem Kind zu kommen. Und June ist nur ihr Werkzeug auf dem Weg dorthin...

Trailer

Bewertung

Die Serie „The Handmaid´s Tale“ ist eine lupenreine Dystopie und zieht ihren Beklemmungen auslösenden Charakter aus dem Umstand, dass nichts von dem was hier gezeigt wird so abwegig scheint wie es sollte. Ich weiß nun nicht wie dicht die Serienmacher an der Vorlage geblieben sind, aber das Szenario erscheint zumindest hinsichtlich der Machtübernahme, die in Rückblenden erzählt wird, alles andere als unrealistisch. Ich zitiere mal sinngemäß die Autorin, die in einem Kommentar zu Wort kam: „In Großbritannien fragen sie mich immer wo ich solche Fantasie hernehme, in Kanada fragen sie sich ob das auch dort möglich wäre. In den USA heißt es nur: Wie lange haben wir noch?“.

Terroranschläge werden seitens schon länger im Untergrund wirkender religiöser Fanatiker zum Anlass genommen den Kongress zu stürmen, dessen Mitglieder abzuschlachten und eine Schreckensherrschaft zu errichten. June Osborn (Elisabeth Moss) versucht mir ihrer kleinen Familie zu fliehen, wird jedoch gefangen genommen und dem Haushalt der Waterfords (Joseph Fiennes und Yvonne Strahovsky) zugeteilt. Dort spielt sich ein Großteil der zehn Folgen ab und zwischen den Personen entwickelt sich ein kompliziertes Beziehungsgeflecht.

Das resultiert aus dem ein oder anderen seltsam anmutenden Brauch. So muss die Magd beispielsweise während der sogenannten Zeremonie, dem Akt mit dem Hausherrn, ihren Kopf in den Schoß seiner Frau betten, die so an der Zeugung beteiligt wird. Ich habe in der ersten Staffel nicht eine derartige Szene gesehen in der auch nur eine der beteiligten Personen so etwas wie Vergnügen empfunden hätte.

Überhaupt schaffen es die Schauspieler, allen voran Elisabeth Moss, in beeindruckender Weise mit Gesichtsausdrücken mehr zu sagen als Worte es könnten. Emmy und Golden Globe für die Hauptdarstellerin unterschreibe ich. Die ganze Bildersprache ist sehr beeindruckend geraten und es gibt mehr als eine Szene in der man aus unterschiedlichsten Gründen regelrechte Gänsehaut bekommt. Auch bekommen Begriffe eine gänzlich neue Bedeutung. So will nach Sichtung dieser ersten Staffel sicher niemand mehr „gerettet“ werden.

Die in Gilead ausgesprochenen Strafen sind drakonisch und bestialisch. Was man einer lesbischen Frau, die zu ihrem Unglück fruchtbar ist (Gesegnet sei die Frucht!), antat, machte mich sprachlos und ein untreuer Ehemann würde seine Hände künftig gerne bei sich behalten.

Unter all dem Beklemmenden und Dystopischen schimmert aber auch immer wieder mal ein kleiner Hoffnungsschimmer durch. Und diese Hoffnung ist es, die Desfred immer wieder Wege suchen lässt, ihrer Lage zu entkommen.

Die Musik ist interessant gewählt. Jede Folge bekommt ein anderes passendes Outro. Als Bonus gibt es zwei Kommentare von den Filmemachern (Elisabeth Moss fungierte auch als Produzentin) und der Autorin der Vorlage.

Für das Rezesionsexemplar geht ein Dankeschön an die mainFREIRAUM Marketing & Kommunikation mit Meerblick.

Fazit

Ganz ehrlich? Ich weiß über diese Serie nicht nur nichts Schlechtes zu sagen, die hat mich von Anfang an gepackt und bis zum Schluss nicht mehr losgelassen. Setting, Plot, Aufmachung und Schauspieler sind vom Allerfeinsten und es sollte mich wundern, wenn ich Serienjunkies "The Handmaid´s Tale" noch ans Herz legen müsste. Wer die Serie dennoch nicht kennen sollte, muss hier unbedingt einen Blick riskieren. Die Serie ist beste Unterhaltung auf eine beklemmende und erschreckend real anmutende Art und Weise. Unbedingte Kaufempfehlung.