Drama
Register
LIEBE IST ... NUR EIN ANDERES WORT FÜR HASS

LIEBE IST ... NUR EIN ANDERES WORT FÜR HASS

Comic - Drama | Stéphane Louis und Lionel Marty
Bewertung: ★★★★

Wenn man den Titel „LIEBE IST ... NUR EIN ANDERES WORT FÜR HASS“ liest, erwartet man nicht gerade eine Geschichte über den Rassenhass in Amerika. Die Handlung erzählt jedoch nicht von romantischen Gefühlen, sondern von zwei Freunden, deren (freundschaftliche) Liebe so stark ist, dass sie selbst den Tod billigend in Kauf nehmen. Autor Stéphane Louis und Zeichner Lionel Marty haben ein bildgewaltiges Werk erschaffen, indem sie den Kampf gegen Rassenhass aufnehmen und aufzeigen, dass trotz aller Gefahren am Ende doch die Menschlichkeit siegt.

Handlung

William und Abelard wachsen in den amerikanischen Südstaaten auf. Ihr Pech ist nur, dass in den 30er Jahren der Rassismus allgegenwärtig ist. Schwarze sind nicht nur Menschen zweiter Klasse, sie sind dem Grunde nach keiner Klasse zugehörig. In den Augen vieler Weißer sind sie nach wie vor Sklaven und Abschaum. Sie besitzen keine Seele und sind Freiwild. Der Ku-Klux-Klan veranstaltet Hetzjagten und ermordet scheinbar wahllos.

Abelard und William gehen durch dick und dünn, obwohl der eine helle Haut hat und der andere eine dunkle. Sie müssen aufpassen, denn ihre Eltern erlauben keinen Kontakt zur anderen Art (Entschuldigt den Ausdruck). Williams Vater ist sogar ein angesehenes Mitglied im Klan. Als ihre Freundschaft auf die Probe gestellt wird, müssen sich beide entscheiden.

Bewertung

Gleich zu Beginn wird es heftig und brutal. Abelard wird nämlich aufs heftigste zusammengeschlagen. Er liegt im Sterben und erzählt dem Leser wie es dazu gekommen ist. Die Erzählweise berichtet von drei unterschiedlichen Zeiten: Der Gegenwart im Jahr 1948, das „Erwachsenenzeitalter“ in 1946 und das Kinderalter in den 30er Jahren. Die Zeitsprünge werden optisch fließend dargestellt. Oftmals werden Ereignisse aus der Vergangenheit mit Dingen in der Gegenwart verglichen. Aus diesem Kontext ergeben sich Parallelen, die zeigen, wie verhärtet die Fronten sind.

Die Strapazen, die die Freundschaft der beiden Hauptprotagonisten in „LIEBE IST ... NUR EIN ANDERES WORT FÜR HASS“ aushalten muss, haben es in sich. Sie schocken teilweise sehr. In der Jugend scheint das Leben der zwei Jungen noch wenig beschwerlich zu sein. Sie baden, schauen Mädels beim Umziehen zu oder schwören sich ewige Freundschaft. Ihr Geheimnis bringt sie aber stets in Gefahr. Dabei lernen sie aber auch andere kennen, die ebenfalls im Verborgenen ihre Liebe ausleben müssen. An dieser Stelle greift der Comic das Thema Homophobie auf und gewinnt so noch mehr an Tiefgang.

Kritik habe ich inhaltlich an zwei bestimmten Todesfällen. Welche verrate ich nicht. Ehrensache! Aber sie wirkten doch arg konstruiert. Obwohl er sich auf das Kernthema Hass bezieht, hätte Autor Stéphane Louis hier vielleicht einen anderen Ansatz wählen können, wenn nicht müssen.

Optisch setzt Zeichner Lionel Marty auf eine markante Massage. Angenehm übertrieben hat er teilweise die Protagonisten in Szene gesetzt, den weiblichen Körper in übergezogener Pin-Up-Gestalt (in punkto Sexismus ein Versagen) erstrahlen lassen und die Kulissen des Schreckens mies und düster dargestellt. Es ist nun kein wundersames Kunstwerk entstanden, das nach ganz oben greift, dennoch kann sich der Stil sehen lassen und erhält ein „gut“ von mir.

Durch den weltweiten Populismus, der Flüchtlingsfrage und dem immer größer werdenden Alltagsrassismus ist der Blick von „LIEBE IST ... NUR EIN ANDERES WORT FÜR HASS“ in die amerikanische Vergangenheit ein Blick in unsere Gegenwart und ein Warnsignal an die Zukunft, die wir so hoffentlich nicht wieder erleben müssen…

Fazit

„LIEBE IST ... NUR EIN ANDERES WORT FÜR HASS“ ist ein guter Comic der einen schonungslosen Blick in den frühen amerikanischen Rassismus aufzeigt.