Drama
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Das leere Gefäß

Das leere Gefäß

Comic - Drama | Autorin/Zeichnerin: Magdalena Kaszuba
Bewertung: ★★★★★

Im avant-Verlag erscheint dieser Tage das autobiographische Debüt „Das leere Gefäß“ der in Hamburg lebenden Magdalena Kaszuba. In der Graphic Novel erzählt sie, wie sie als kleines Mädchen den katholischen Glauben polnischer Prägung wahrgenommen und was dies mit ihr gemacht hat. In eindringlichen Bildern gewährt die junge Frau nicht nur Einblicke in ihr Inneres sondern auch in eine Glaubensgemeinschaft, die bei allem was einem vertraut oder bekannt erscheint, dennoch in vielem fremd wirkt.

Handlung

An einem nasskalten Tag spaziert die Protagonistin durch beinahe leere Hamburger Straßen und fühlt sich an ihre Kindheit in Polen erinnert. Sie denkt daran zurück wie ihre Mutter ihr aus der Bibel vorlas und wie sie zwischen Geschichten über Kains Brudermord, den zehn Plagen, Abraham und Isaak auf dem Berg Morijah oder dem Ende von Johannes dem Täufer kaum etwas von der Nächstenliebe wahrnahm, die ihr wohl vermittelt werden sollte. Vielmehr bekam sie Angst und diese wurde zu einer treibenden Kraft. Als es für die Neunjährige zur Kommunion geht, der ersten Möglichkeit für Katholiken Vergebung der Sünden zu erfahren, fühlt sie sich vom Beichtvater dermaßen unter Druck gesetzt, dass sie Sünden erfindet um endlich Absolution zu erfahren.

In der Folge entwickelt sie in ihrer Vorstellung einen Hass auf den Gott, der sie dazu brachte während der Beichte zu lügen und erweitert diesen auf sich selbst. Schließlich trennt sie sich von allem was sie hasst, ihrem Glauben, ihrem Gott und ihrem kindlichen Ich mit all seinen Hoffnungen und Träumen. Eine Entscheidung, die sie heute, im Hinblick auf ihr jüngeres Selbst, bereut, das sie von sich im Stich gelassen fühlt.

Bewertung

Magdalena Kaszubas Debüt ist keine leichte Kost. Das im Jahr 2017 mit dem Förderpreis der Hans-Meid-Stiftung ausgezeichnete Werk gewährt tiefe persönliche Einblicke und berührt den Leser so in einer Weise, dass man den Band nach der Lektüre nicht einfach aus der Hand legen kann. Das Gelesene wirkt nach.

Mir als evangelisch-lutherisch geprägten Christen, der in der Kinderarbeit Jungen im Alter von 7 bis 9 Jahren die Grundlagen des christlichen Glaubens vermittelt, kommt einiges fremd vor. Kritiker werfen dem Christentum bzw. der christlichen Kirche regelmäßig vor, den Menschen Sünde und Schuld einzureden um mit ihrer rettenden Botschaft Macht und Einfluss über sie zu gewinnen und sie zu kontrollieren. Geht man mit einer solchen Überzeugung an die Lektüre von „Das leere Gefäß“ heran, wird man sich darin nur bestärkt fühlen. Dann entgeht einem aber die in meinen Augen eigentliche Tragik der Geschichte.

Die besteht darin, dass es im Christentum nicht darum geht bestimmte Dinge zu tun oder zu lassen um sich dadurch die Vergebung zu verdienen. Es geht vielmehr darum eine Beziehung zu einem Gott aufzubauen, der einen annimmt und liebt wie man ist. Das wiederum heißt nicht, dass man sich nicht verändern soll. Es geht darum, dass man sich verändern lassen will, nicht weil man die Konsequenzen fürchtet sondern weil man es freien Herzens will.

Das konnte der kleinen Magdalena offensichtlich nicht vermittelt werden. Ich wünsche der Autorin, dass sie eines Tages ihr jüngeres Ich wiederfindet und dieser dann neue bzw. alte Mensch, versehen mit verloren geglaubten Träumen, Hoffnungen und einem kindlichen Glauben, die Erfahrung eines liebenden Vaters im Himmel machen darf.

Für das Rezensionsexemplar geht ein herzliches Dankeschön an den avant-Verlag.

Fazit

„Das leere Gefäß“ ist eine eindringliche und höchst persönliche Graphic Novel, die einen nicht ungerührt lässt und zum Nachdenken anregt. Optisch kann man den Inhalt kaum passender vermitteln, die aquarellartigen Zeichnungen unterstützen die Geschichte. Wer abseits der unterhaltenden Comickunst einmal etwas gänzlich anderes lesen möchte und sich von religiösen Themen nicht abgeschreckt fühlt, sollte einen Blick riskieren. Für mich entzieht sich der Band eigentlich einer Bewertung, weniger als die Höchstnote kann und mag ich hier aber nicht vergeben.