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LOW Band 2: Bevor uns die Morgendämmerung verbrennt

LOW Band 2: Bevor uns die Morgendämmerung verbrennt

Science-Fiction | von Rick Remender, Greg Tocchini
Bewertung: ★★★★★

Handlung

Eine sterbende, expandierende Sonne hat bereits vor langer Zeit die Erdoberfläche verstrahlt und die überlebenden Menschen gezwungen, sich in wenige Städte auf den Meeresgründen zurückzuziehen. Im Laufe der Zeit sind die meisten dieser Städte untergegangen, nur noch wenige existieren. Und letztlich ist es so weit, die grausamen Fakten lassen sich nicht mehr länger ignorieren: Das endgültige und unumstößliche Ende der Menschheit ist nur noch eine Frage von Jahren! Auch die einst prächtigen Stadt Salus steht vor dem Abgrund, die irreparabel defekten Luftreinigungssysteme können die Bewohner nur noch Monate, vielleicht sogar nur noch Wochen vor dem Ersticken bewahren. Und als dann kein Ausweg mehr zu erkennen ist, die meisten Menschen verzweifelt nach Vergnügung und Ablenkung suchen, meldet sich eine der vor Urzeiten entsandten Sonden in Salus: Ein bewohnbarer Planet wurde gefunden! Neue Hoffnung keimt in Stel Caine, der Gattin des letzten Hüters von Salus auf! Zehn Jahre, nachdem Stel und ihre Familie von einer xradianischen Piratenhorde überfallen wurden! Damals wurde ihr Mann Johl auf grausamste Weise ermordet, die beiden Töchter Della und Tajo entführt. Zurück blieben eine gebrochene Mutter und der Sohn Marik, der danach mehr und mehr Korruption und Drogen verfiel. Und nun lässt sich doch wieder ein Hoffnungsschimmer erkennen, wie klein dieser auch sein mag. Die unverbesserliche Optimistin Stel fasst neuen Mut! Und ohne über die Risiken auch nur nachzudenken, macht sie sich gemeinsam mit Marik auf den gefährlichen Weg zur Oberfläche, um das Wissen der beschädigten Sonde manuell zu bergen, fest entschlossen, die Menschheit zu retten! Während ihrer Reise durch die Tiefen der Meere dringen die beiden auf der Suche nach Luft und Nahrung in die legendäre „dritte Stadt“ Poluma ein. Eine ehemals weithin berühmte Stadt, deren alter Glanz völlig verblasst ist, ausgebeutet und unterdrückt von xradianischen Piraten! Als sie dann auch noch Tajo, eine ihrer beiden entführten Töchter entdeckt, verschieben sich die Prioritäten von Stel Caine dramatisch! Obwohl ihr die in vielen Jahren geistig umerzogene Tochter zunächst in den Rücken fällt, gelingt es Stel mit Hilfe von aufständischen Gladiatoren, Marik und letztlich auch Tajo schließlich doch, die Macht von Roln zu brechen! Der Preis aber, den sie dafür zahlen muss, ist schier unerträglich: Marik stirbt in den Ruinen von Poluma und Tajo verlässt sie ein weiteres Mal, um ihre Schwester Della zu suchen. In einem kleinen Schiff setzt eine zunächst erneut desillusionierte und mutlose Stel ihren Weg zur Oberfläche des sterbenden Planeten fort. Begleitet wird sie von zwei weiteren Überlebenden der Kämpfe in Poluma: Der Mutantin Mertali und dem reumütigen Piraten Zem Gotir, der – Ironie des Schicksals - versucht, Stels Glauben an das Gute wiederherzustellen! Erneut müssen die unfreiwilligen Gefährten in einer scheinbar verlassenen Ruinenstadt Halt machen, um ihre Druckluft- und Nahrungsvorräte aufzufüllen. Dabei geraten sie in die Fänge eines mutierten Volkes von Unterwasser-Vampiren, die ihre Opfer zunächst durch Hypnose gefügig machen, um sie dann auszusaugen.

In einem anderen Teil der schier unendlichen Unterwasserwelten, in der Kuppelstadt von Zar Dvonyen kämpft auch Della ums nackte Überleben: Als Adoptivtochter des grausamen Zaren ist sie im Laufe der Jahre zur „Gedankenministerin“ in einem totalitären und brutalen Machtregime aufgestiegen. Ihre Aufgabe ist es, jegliche Gedanken in der Bevölkerung an Kunst, Schönheit, Freiheit oder gar Hoffnung im Keim zu ersticken, die Strafe ist immer der Tod! Die homosexuelle junge Frau ist innerlich zerrissen, begehrt heimlich gegen das brutale Regime auf und ausgerechnet sie soll nun von Aufständischen getötet werden. Die Odyssee der Familie Caine ist also noch lange nicht zu Ende!

Bewertung

Wie schon im ersten Teil von LOW wird der Leser und Betrachter regelrecht überwältigt durch einen Ansturm von Farben, Licht, glitzernden Formen, Illusionen und unbekannten Lebewesen. Großformatige Unterwassergemälde sowie ständig variierende Panelgrößen und –formen lassen den Leser hautnah an den Geschehnissen teilhaben, ziehen ihn mit sich in ein fremdartiges, wunderschönes, von kaleidoskopischen Farbeffekten erfülltes Universum unter Wasser, das gleichzeitig von unmenschlicher, brutaler und auch sinnloser Gewalt bis hin zur Gedankenkontrolle geprägt ist.

Greg Tocchini arbeitet mit realistischen, nur leicht cartoonartig angehauchten Bildern, welche neben den Protagonisten eine unglaubliche Fülle an Einzelheiten, Feinheiten, Ereignissen und Nebenhandlungen enthalten, vertraut, bekannt, fremd, abstrakt, man findet immer noch eine Kleinigkeit. Teilweise dominieren technische Aspekte, beispielsweise in den Ruinen verlassener Unterwasserstädte, manchmal taucht der Leser ein in eine phantastische, teils völlig fremdartige Unterwasserwelt mit überwältigender, filigraner Flora und Fauna, Bilder, die nur schwer in Worte zu fassen sind. Darüber hinaus konfrontieren die Künstler die Betrachter mit kryptischen, von insektenähnlichen, riesigen Kreaturen bevölkerten Sequenzen, deren Bedeutung nicht auf den ersten Blick ersichtlich wird. Manche Passagen sind heiter und unbeschwert, manche erscheinen bedrohlich und tödlich, jeweils mit unterschiedlichsten, passenden Farbkombinationen verwoben und betont. Verzweifelte Kämpfe laufen in längeren Sequenzen fast wie Filme vor den Augen des Lesers ab. Die Handlung nimmt oftmals völlig unerwartete Wendungen, der Phantasie scheinen keine Grenzen gesetzt, was ebenfalls sehr zum Charme der Arbeit des Teams Rick Remender und Greg Tocchini beiträgt. Und da Stel nicht nur klug, mutig und herzensgut, sondern außerdem eine wunderschöne junge Frau ist, kommt auch die erotische Komponente nicht zu kurz.

In Vorwort des ersten Bandes von LOW legte Autor Rick Remender dar, warum er mit Stel eine derart positiv eingestellte Hauptprotagonistin erschaffen hat: Es liegt wohl daran, dass er selbst bis vor kurzem ein ständig negativ orientierter Pessimist war und sich deswegen sogar in Behandlung begab. Allerdings, die Bemerkung sei mir an dieser Stelle gestattet, schießt er mit dem streckenweise fast übertrieben anmutenden Optimismus von Stel erneut manchmal ein klein wenig übers Ziel hinaus. Einige Passagen lesen sich fast wie ein Ratgeber für eine positivere Lebenseinstellung

Fazit

Mit LOW legen Rick Remender und Greg Tocchini ein wirklich herausragendes, mitreißendes, farbenprächtiges, mit feinster Ironie sowie subtiler Gesellschaftskritik durchsetztes und in filigraner Kleinarbeit ausgearbeitetes Science Fiction Epos vor. Sowohl knallharte Action wie auch nachdenkliche und reflektierende Momente fügen sich wunderbar in diese „Symphonie der Sinne“ ein und erschaffen ein nahezu perfektes Ganzes. Im Mittelpunkt der Ereignisse eine Frau, die sich der allgegenwärtigen Verzweiflung entgegenstellt und selbst im Angesicht des Todes für die Erhaltung menschlicher Werte wie Liebe und Hoffnung kämpft. Ich persönlich war sowohl von der komplexen, in mehrere Zeitebenen aufgefächerten Handlung als auch ihrer engagierten Darstellung regelrecht gefesselt und habe das Buch ohne Unterbrechung gelesen, immer bemüht, jedes graphische sowie sprachliche Detail aufzunehmen. Wirklich zu empfehlen! Ein Skizzenbuch zur Entstehung der einzelnen Cover sowie die Abbildung eines Variant-Covers von Rafael Albuquerque runden diese edle Hardcover Edition aus dem Hause Splitter zu einem faszinierenden Gesamtkunstwerk ab.

Autor: Andy

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