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Gantz 01 - Perfect Edition

Gantz 01 - Perfect Edition

Comic - Science Fiction | Autor und Zeichner: Hiroya Oku
Bewertung: ★★★★★

Unter Cross Cults Mangalabel werden nicht nur neuere Titel veröffentlicht, sondern mitunter auch ältere Werke dem deutschen Publikum zugänglich gemacht. So auch die im Jahr 2000 gestartete Serie Gantz des Mangaka Hiroya Oku, in der eine mysteriöse Kugel ein perfides Spiel treibt. In der ersten Ausgabe der Perfect Edition wurden vier Trades zu einem seitenstarken Klotz zusammengefasst und in die Läden gehievt. Mir lag dieses knapp 900 Seiten zählende Werk zur Rezension vor.

Handlung

Kei Kurono ist ein 15jähriger, der sich für gut gebaute Frauen interessiert und ansonsten verächtlich auf alle Menschen um sich herum herabschaut. Eines Tages begegnet er in einer U-Bahnstation einem Spielkameraden aus gemeinsamen Kindertagen, der ihn auffordert einen Obdachlosen zu retten, der auf die Gleise gefallen ist. Bei dem Rettungsversuch werden beide von der Bahn erfasst und sterben. Denken sie jedenfalls.

Unvermittelt finden sie sich in einem fremden Raum mit anderen ihnen unbekannten Personen wieder. Im Mittelpunkt des Raumes befindet sich eine schwarze Kugel. Die fordert sie auf sich zu bewaffnen, binnen Stundenfrist einen Außerirdischen ausfindig zu machen und zur Strecke zu bringen.

Was zunächst wie eine TV-Show mit versteckter Kamera auf die Gruppe wirkt, entwickelt sich schnell zu einem wahren Horrortrip. Als dieser scheinbar endet, stellt sich heraus, dass alles erst begonnen hat...

Bewertung

Gantz präsentiert sich inhaltlich wie ein zu Papier gebrachter Egoshooter vor einem futuristischen Hintergrund. Unterschiedlichste Menschen werden kurz vor ihrem Tod "entführt" und sind Statisten in einem mörderischen Spiel. Wollen sie die angenommene Chance darauf, diesem einmal zu entkommen, wahren, müssen sie sich blutigen Regeln unterwerfen. Die Motive der Kugel bleiben dabei für den Leser nicht weniger geheimnisvoll als für die Protagonisten. Gleiches gilt für die schräg anmutenden Aliens, denen sich die Gruppe stellen muss. Angefangen bei den Lauchianern, deren Worte ein Rätsel für sich sind bis hin zu den Tanaka-ianern. Aber das schaut man sich besser selbst an.

Ansonsten kann mich vieles leider nicht überzeugen. An erster Stelle wären da die Figuren zu nennen, speziell Kei Kurono. Der kommt bei mir wie die völlig überzogene Karikatur eines triebgesteuerten und ansonsten allem gleichgültig gegenüberstehenden Teenager rüber. Das inflationäre Auftreten von Gangmitgliedern und deren plakativ-aggressive Darstellung fängt schnell an zu nerven und die den Charakteren in den Mund gelegte Sprache ist schlicht ätzend.

Leider kommt Gantz auch nicht ohne Ecchi-Elemente aus und die Quantität an Pin-Ups ist schon beachtlich. Die Relevanz dieses Fanservice für die Handlung dürfte sich außerhalb messbarer Bereiche bewegen.

Damit wären wir auch schon bei den Zeichnungen angelangt. Deren Entstehung wird auf den Bonusseiten beschrieben. So werden die Hintergründe am Rechner erstellt und selbst nach Hinzufügen der von Hand gemalten und dann eingescannten Charaktere wirken die Seiten künstlich und kalt und die Figuren wie Fremdkörper. Sollte diese Form der Darstellung ganz bewusst gewählt worden sein um einen bestimmten inhaltlichen Sachverhalt optisch darzustellen (den zu nennen wäre jetzt allerdings gespoilert), macht es die Bilder nicht schöner. Unschön sind insbesondere auch viele Gesichtsausdrücke geraten.

Es gibt also einen für mich durchaus interessanten Plot, der mit einigen auch nach knapp 900 Seiten noch nicht einmal im Ansatz geklärten Fragen aufwarten kann, als großen Pluspunkt. Charaktere, Sprache und Optik gefallen mir hingegen nicht. Eine Handvoll Schreibfehler haben sich eingeschlichen, das mag ich bei dem Umfang tolerieren. Einen Verriss verhindert das unschlagbare Preis-Leistungs-Verhältnis. € 20,- für knapp 900 Seiten sind Value for Money. Aufgrund des Umfangs ist allerdings Vorsicht bei der Lektüre geboten. Es kann nämlich schnell passieren, dass der Rücken einen Knick bekommt.

Folgebände, der mit zwölf Ausgaben geplanten Gesamtausgabe sollen jeweils drei Trades der Originalserie enthalten und ebenfalls € 20,- kosten. Damit wäre Gantz dann erstmals komplett auf Deutsch erhältlich. Für Fans der Serie, die aktuell eine dritte TV-Realisation, diesmal für Netflix, erfährt, sicher eine tolle Nachricht.

Für das Rezensionsexemplar geht ein Dankeschön an Cross Cult.

Fazit

Gamer und speziell Fans von Egoshootern dürften ihren Spaß mit Gantz haben. Wer mit den von mir kritisierten Punkten weniger Probleme hat, kann bei dem Preis und Umfang nicht viel verkehrt machen und sollte dem ersten Band eine Chance geben. Allen anderen würde ich alternative Titel von Manga Cult ans Herz legen. Aposimz für SF-Fans und Green Worldz für Liebhaber von Survival-Titeln sind da meines Erachtens die bessere Wahl.