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Echo Band 2: Desert Run

Echo Band 2: Desert Run

Comic - Science Fiction | Terry Moore
Bewertung: ★★★★★

Frei sein und Fliegen wie ein Vogel! Wer würde sich das nicht wünschen? Wahrscheinlich könnte Julie Martin genau das tun! Dank einer metallischen Legierung, die immer größere Teile ihres Körpers umschmiegt, verfügt sie über Kräfte, die alle bekannten Naturgesetze ad absurdum führen, die sie aber kaum noch unter Kontrolle hat. Mit einem aus Wut geborenen Gedankenimpuls beispielsweise vermag sie Menschen zu töten und Geländewagen durch die Luft zu wirbeln, leider jedoch unterscheidet die atomare Gewalt dabei nicht immer zwischen Freund und Feind. Und Feinde hat sie jetzt wirklich mehr als genug! Julies Leben, das vor dem Unfall schon kompliziert und verfahren war, ist nun eine einzige Katastrophe. Doch immerhin hat Julie auch ein paar neue Freunde gewonnen, ein kleiner Hoffnungsschimmer also bleibt ihr. Terry Moore´s eigenwillige Comic-Saga über geheime, völlig aus dem Ruder gelaufene Experimente mit einem metallischen Kampfanzug, der die Kraft von Atombomben in sich trägt, geht in die zweite Runde. Bis auf wenige „Knalleffekte“ aber bewegen sich die flüssig präsentierten Geschehnisse in scheinbar langsamen und reflektierenden Bahnen, insbesondere Julie ist viel mit sich selbst und ihren verzweifelten Gedanken beschäftigt. Echo ist eine in sympathischen Bildern präsentierte, phantastische Graphic Novel, die nicht nur hochspannend und wunderschön anzusehen ist, sondern durchaus pointierte, sozialkritische Elemente aufweist und den empfänglichen Leser zu allerlei Gedankenexperimenten einlädt. Ein überzeugendes, angenehm zu lesendes Werk!

Handlung

Nichts ahnend fotografiert die junge Julie in einem abgelegenen Landstrich eine exotische Pflanze, als sich direkt über ihr eine heftige Explosion ereignet. Kurz darauf regnen kleine Metallkügelchen auf Julie herab, die sich nach diversen Treffern nur mit Mühe in ihr Auto retten kann. Doch ihre Freude ist nur von kurzer Dauer, denn plötzlich beginnen sich die Metallsplitter auf ihrem Oberkörper zu vereinen und quasi eine zweite Haut zu bilden! Kurz zuvor formte diese Phi-Legierung noch einen kompletten Körperanzug, eine sogenannte Beta-Skin, um die Testperson Annie, die jedoch während einer Flugübung von einem nuklearen Sprengkopf getroffen wurde. Ein Teil der Phi-Legierung befindet sich nun auf Julies Haut, ein anderer Teil wurde, ohne Julies Kenntnis, von der Haut eines Landstreichers adsorbiert. Zwar scheint ihr selbst das unheimliche Material nicht zu schaden, Julies ruhige Tage jedoch sind vorbei! Innerhalb kürzester Zeit sind der verängstigten jungen Frau eine Spezialagentin und ganze Heerscharen von Soldaten auf den Fersen. Nur mit Hilfe von Dillon, Annies Freund, gelingt ihr die vorläufige Flucht, die jedoch eigentlich von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist. Denn das für das fatale Experiment verantwortliche Forschungs-Institut namens HENRI will und muss die Vorgänge unter Verschluss halten und geht dementsprechend rücksichtslos vor. Selbst Julies schwer traumatisierte, hilflose Schwester Pam wird als Lockvogel missbraucht. Neben HENRI und dem Militär muss sich Julie zudem vor dem Landstreicher Cain in Acht nehmen, dessen Kräfte den ihren ebenbürtig sind und der, warum auch immer, ihren Tod will! Die der Phi-Legierung innewohnenden Fähigkeiten ängstigen Julie mit jeder Minute mehr und mehr, da sie die tödlichen, atomaren Kräfte auf ihrer Haut nicht versteht und dementsprechend zunächst auch nicht zu beherrschen und zu lenken vermag. Und die mit dem Metall bedeckten Körperflächen werden beständig größer! Allmählich aber lernt Julie intuitiv dazu und sie und Dillon erkennen, daß mit der Legierung auch irgendwie ein Teil von Annie auf Julie übergegangen ist. Tatsächlich sind die DNA-Stränge der Beiden durch die Phi-Legierung völlig miteinander verschmolzen und Julies vorher geschädigten Gene sind völlig geheilt! Doch je größer Julies betroffene Körperflächen werden, umso mehr gewinnt das Bewusstsein von Annie die Oberhand! Unerwartet bietet dann die NSB-Agentin Ivy Raven Julie Hilfe an, da sie hofft, dass Julie mit Hilfe der Beta-Skin ihre unheilbar erkrankte kleine Tocher zu retten vermag. Ein echter Hoffnungsschimmer für Julie, denn Ivy hat beste Kontakte zum inneren Zirkel von HENRI! Dort erfährt Dillon mehr über die wissenschaftlichen Hintergründe des Phi-Projektes und die Absichten des Militärs. Schnell wird den Beteiligten klar, dass nicht nur Julies Wohlbefinden sondern offenbar das Schicksal der gesamten Menschheit auf dem Spiel steht!

Bewertung

Terry Moore gestaltet die Geschehnisse um Julie Martin mit feinem, realistischem und eindrucksvollem Strich aus, wobei durch die reine schwarz-weiß Gestaltung jedes liebevoll ausgearbeitete Detail noch mehr zur Geltung kommt. Die Gesichtsmimik der Handelnden spricht Bände. Einfühlsam arbeitet Moore die Protagonisten beständig weiter aus, wobei der sympathischen Julie sein Hauptaugenmerk gilt. Aber auch Ivy, Dillon und Pam gewinnen beständig an Schärfe. Lässt sich der geneigte Leser dann auf die teils aberwitzigen Handlungselemente ein, kann er mühelos in die Welt von Julie, Dillon und HENRI eintauchen. Eine fast greifbare Spannung baut sich mehr und mehr auf, immer mehr Einzelheiten zur mysteriösen Phi-Legierung werden bekannt, die Handlung mit jeder Seite interessanter, man kann den Band kaum noch aus der Hand legen. Wuchtige Action- und Kampfszenen wechseln sich immer wieder mit nachdenklichen, manchmal regelrecht gedankenverlorenen Passagen ab, auch das Element der Situationskomik kommt nicht zu kurz. Der Phantasie sind kaum Grenzen gesetzt, die Möglichkeiten sind scheinbar unerschöpflich, garantieren einen vielschichtigen und oft unvorhersehbaren Handlungsverlauf mit kreativen Einfällen. Moore scheint sich mit der nuklearen Materie eingehend beschäftigt zu haben, da er mit vielerlei Zitaten berühmter Persönlichkeiten rund um die Themen Atombombe, Krieg, Gewalt und die Schattenseiten fehlgeleiteter Wissenschaften aufwarten kann. Eine kleine Kritik allerdings sei mir an dieser Stelle gestattet: Gelegentlich wirken Terry Moores Zeichnungen ein wenig zu skizzenhaft, fast schon kindlich. Interessanterweise betrifft dies allerdings immer Hintergründe Gegenstände oder Landschaften, nie aber Personen. Diese kleine Schwäche tut dem Gesamteindruck aber wirklich keinerlei Abbruch, macht das ambitionierte Science-Fiction Werk eher noch menschlicher und sympathischer. Im englischen Original kam die Serie Echo (30 Hefte) bereits 2008 auf den Markt und wurde von Terry Moores eigenem Independent Verlag Abstract Studios verlegt. Dank Schreiber & Leser kommen nun auch die deutschen Comicfreunde in den Genuss dieses Kleinods unabhängiger Comickultur. Bereits 2009 konnte er die Filmrechte zu Echo an Lloyd Levin (Watchmen) veräußern. Leider wurde aus dem für 2011 angekündigten Filmprojekt nichts, mittlerweile liegen die Rechte wieder bei Moore.

Fazit

Terry Moore präsentiert ein äußerst kurzweiliges, vielschichtiges, rasantes und doch auch nachdenklich stimmendes Gedankenexperiment in Comicform, das irgendwie auch ein bisschen sexy ist und einfach Spaß macht. Lediglich die Bedeutung des Titels „Echo“ hat sich mir persönlich noch nicht vollständig erschlossen, möglicherweise bezieht er sich auf den Widerhall von Annies Bewusstsein in Julie. Abgerundet wird der vorliegende Band durch eine farbenprächtige Cover-Gallerie, wobei die Titelbilder überwiegend Julie oder Ivy Raven gewidmet und wirklich schön anzusehen sind. Eigentlich schade, dass der Band in schwarz-weiß gehalten ist. Dennoch: Wirklich empfehlens- und lesenswert! Höchste Punktzahl!

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