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Drifter Band 2: Die Wache

Drifter Band 2: Die Wache

Science-Fiction | von Ivan Brandon, Nic Klein
Bewertung: ★★★★★

Fremdartig, unberechenbar, tödlich und doch nicht ohne Mitgefühl. Nach wie vor kann sich der unter Gedächtnisverlust leidende Abram Pollux nicht so recht mit seiner neuen, ihm durch einen Absturz aufgezwungenen Heimat anfreunden. Eines aber wird Pollux recht schnell klar: Alleine kann er in dieser unwirtlichen Ecke der Galaxie keinesfalls überleben! Daher schließt er sich einer bunt gemischten Gruppe aus Menschen und Aliens an, die eine Expedition auf die dunkle Seite des Planeten unternehmen wollen, eine Reise, die so noch niemand vor ihnen unternommen hat! Ivan Brandon und Nic Klein entführen den Betrachter in grandiosen, phantastisch-realistischen Zeichnungen in eine unbekannte Galaxis, auf einen fremdartigen Planeten mit monströsen, unglaublichen Kreaturen und Gesetzmäßigkeiten. Die ausdrucksstarke digitale Farbgebung betont und verstärkt die Handlung und generiert insbesondere bei den überformatigen Gemälden faszinierende optische Eindrücke und Effekte. Ein mitreißendes, kreatives, graphisch betörendes Science-Fiction Spektakel!

Handlung

Nach wie vor klaffen in seiner Erinnerung große Lücken und viele unerklärliche Vorgänge machen Abram Pollux immer noch zu schaffen. Nach seiner eigenen Einschätzung ist er erst vor ein paar Tagen mit seinem Raumfrachter auf diesem Planeten namens Ouro gestrandet. Von der Ärztin Lee Carter aber, die außerdem noch ein Marshall ist und ihm mehrfach das Leben rettet, erfährt er, dass sich auf dieser Welt der letzte Absturz eines Raumschiffes - nachgewiesenermaßen seines eigenen – vor über einem Jahr ereignet hat! Und kurz darauf findet er im Schatten eines riesigen Wrackteils ein frisch ausgehobenes Grab, mit seinem Namen auf dem Gedenkstein! In den düsteren, unterirdischen Stollen von Ouro trifft Pollux dann das erste Mal auf die „Wheeler“, unheimliche, unberechenbare humanoide Wesen mit glühenden Augen und reptilienartigen Köpfen, die an menschliche Totenschädel erinnern. Und nur durch seine Unachtsamkeit wird Chuck, einer der wenigen Menschen, die nett zu Abram sind, von einem Wheeler auf grausame Art verstümmelt, beider Hände beraubt. Seine neue, zumindest vorübergehende Heimat hat aber noch einige weitere wunderliche Charaktere und Absonderlichkeiten zu bieten. Da gibt es, was die menschliche Komponente anbelangt, die kleine, bis an die Zähne bewaffnete Lima, die eine klare Schwäche für den introvertierten Einzelgänger Bell Emmerich hat. Und nicht zu vergessen wären dann noch die schweigend-anklagenden, nach völlig fremdartigen Prinzipien handelnden Aliens, die von Trauer angezogen werden. Trauer beispielsweise um Jonah, den ermordeten Hilfs-Marshall von Lee, der, um seine Leiche vor den Wheelern zu schützen, zeremoniell eingeäschert wird. Die von Gewissensbissen geplagte Lee Carter versucht ihre Trauer um Jonah mit mehr als ausgefallenen Mitteln zu bewältigen, so recht gelingen will es ihr aber nicht. Und in dieser ohnehin schon schwierigen Zeit wartet dann auch noch Neng, ein erfahrener Techniker mit äußerst schlechten Nachrichten auf: Ohne den baldigen Nachschub von technischen Ersatzteilen ist die kleine Kolonie dem sicheren Untergang geweiht! Spontan schließt sich daher Pollux einer wagemutigen Expedition in völlig unerforschtes Gebiet auf der dunklen Seite des Planeten an, jenseits des Canyon! Ziel ist es, die Überreste von Abrams Raumfrachter zu finden und ihn auszuschlachten. Auch Chuck wagt trotz seiner Behinderung die gefährliche Reise, ein weiteres Mitglied dieser bunt zusammen gewürfelten Truppe ist tatsächlich ein Wheeler mit Scheuklappen. Bald erreicht das Schiff der ungleichen Gefährten die in ewiger Finsternis liegenden Gefilde, wo sich ihnen eine unbeschreibliche Szenerie präsentiert, atemberaubend schön und doch absolut tödlich. Vor einer Kulisse riesiger, baumähnlicher Gebilde, unheimlich beleuchtet von unzähligen, rot glühenden Sphären, gleiten furchteinflößende, Respekt gebietende, fliegende Kreaturen mit humanoiden Umrissen durch die schweigende Nacht. Doch dann geraten die zunächst friedlichen Flieger plötzlich in Panik, aufgeschreckt durch eine Wheeler-Abart ihrer eigenen Spezies! Dadurch wird das Expeditionsschiff abgedrängt und zur Notlandung gezwungen, und zwar wie durch eine glückliche Fügung des Schicksals direkt neben dem gesuchten Schiffswrack! Doch aus der anfänglichen Euphorie wird schnell Panik und Todesangst, stellt sich ihnen vor dem Schiff doch eine große Gruppe bewaffneter Söldner entgegen. Von einem mächtigen Wheeler angeführte Kämpfer, die offenbar zu allem bereit sind, um ihr neues Zuhause gegen Abrams Gruppe zu verteidigen! In höchster Bedrängnis tritt dann der Wheeler der kleinen Expeditionsgruppe in telepathischen Kontakt mit seinem Kollektiv und löst durch die erhaltenen Befehle eine Katastrophe aus!

Bewertung

Obwohl das von Ivan Brandon (Viking, Secret Invasion) entworfene Szenario dieser Space Opera mit all ihren vielfältigen, faszinierenden und fremdartigen Charakteren, Geschehnissen sowie Landschaften mehr als beeindruckend ist, wird es von der graphischen Umsetzung selbst fast übertroffen. Der deutsche Comic-Zeichner Nic Klein (Winter Soldier, Captain America) lässt mit seinen ausdrucksstarken, realistischen und höchst wirkungsvoll, plastisch eingefärbten Zeichnungen vor den Augen des Leser eine neue, fast greifbare Welt entstehen. Höchst beeindruckend fand ich persönlich großformatige, akribisch ausgearbeitete Landschaftsskizzen und Eindrücke einer mit menschlichen Maßstäben nicht zu erfassenden dunklen Welt, auf Papier gebannte Momente im unveränderbaren Fluss der Dinge. Durch ständige Szenenwechsel, dynamisch variierende Perspektiven und Paneldimensionen „funktioniert“ das Werk streckenweise wie ein Spielfilm, man meint fast das das Dröhnen der Maschinenaggregate oder das Knistern der riesigen ledernen Flügel zu hören, wird regelrecht in die Handlung eingesogen. Die überwiegend violett-düstere, streckenweise auch monochrome Farbgebung passt sich der Handlung an, verstärkt und betont diese. Obwohl der mich persönlich an Han Solo erinnernde Abram Pollux oberflächlich betrachtet als unbekümmerter und ein klein wenig rücksichtsloser Draufgänger erscheint, gewinnt das Werk durch einige nachdenkliche, reflektierende Momente sowie fast schon philosophisch anmutende Testpassagen zusätzlich an Tiefe. In diesem zweiten Teil von Drifter allerdings tritt die Handlung, zumindest nach meinem persönlichen Dafürhalten, stellenweise etwas zu stark in den Hintergrund, verdrängt von überschwänglicher Optik und ausufernden Diskussionen zwischen Abram Pollux und dem Wheeler. Neue Fragen werden aufgeworfen, beispielsweise warum scheinbar alle Menschen auf Ouro unter Gedächtnisverlust leiden, weder alte noch neue beantwortet.

Fazit

Trotz einiger, kleinerer Schwächen bezüglich der Handlung erschaffen Ivan Brandon und Nic Klein eine solide, insbesondere graphisch überzeugende Fortsetzung der Drifter-Saga. Mit einer fast schon als „brachial“ zu bezeichnenden Optik versetzen sie den Betrachter direkt an die Seite von Pollux, lassen ihn teilhaben an der Suche nach dem „zersprungenen Herz“ von Abrams Raumkreuzer. Skizzen und Entwürfe von Nic Klein, interessante Informationen zum Entstehungsprozess einer ausgewählte Zeichnung sowie kurze Portraits der beiden Künstler runden die edle CrossCult Hardcover Edition zum Gesamtkunstwerk ab. Ebenfalls enthalten natürlich die in speziellem Design zusammengestellte Cover-Galerie mit mehreren Variant-Editionen, der reinste „Farb-Overload“! Wirklich sehenswert!

Autor: Martin

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