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Tokio Killers

Tokio Killers

Comic - Krimi | Jiro Taniguchi und Natsuo Sekikawa
Bewertung: ★★★★★

Mit Tokio Killers veröffentlicht der Verlag Schreiber & Leser einige Frühwerke des in diesem Jahr verstorbenen Jiro Taniguchi, des wohl europäischsten aller Mangaka, erstmals auf Deutsch. Inwieweit die rund dreißig Jahre alten Geschichten auch heute noch wirken, wollte ich in Erfahrung bringen.

Handlung

Neben der Adaption einer Geschichte des Franzosen Alain Saumon, in der ein gaijin, ein Fremder, versucht Verständnis für die japanische Kultur und die Japaner zu entwickeln und dabei Zeuge eines Yakuza-Mordes wird, enthält der Band vier weitere Kurzgeschichten. Im Zentrum stehen überwiegend Auftragskiller, die sich mit ihresgleichen und inneren Dämonen konfrontiert sehen. Aber auch ein Vater, der in „Restaurant Los Ninos Perdidos“ auf Rache sinnt, trägt eine Geschichte. Allen Figuren ist dabei gemein, dass ihnen der eigene Tod vor Augen steht.

Bewertung

Die hier versammelten Geschichten lassen sich ausnahmslos dem Noir-Genre zuordnen. Die Protagonisten sind völlig desillusioniert und blicken dem eigenen Tod beinahe gleichgültig ins Auge. So zieht sich eine düstere Grundstimmung durch alle fünf Geschichten.

Der Opener „Good Luck City“ rauschte an mir vorbei ohne nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen. Die farbige Umsetzung mit einer starken Betonung der sexuellen Komponente wird von poetisch anmutenden Texten eingerahmt, die zwar gut die fatalistische Einstellung des Hauptprotagonisten wiedergeben, auf mich aber so gar nicht wirken wollten.

In „Hotel Harbour View“ sucht ein Mann ein ehrenvolles Ende, das auch ein wenig überraschend um die Ecke kommt. Das gefiel mir durchaus.

„Brief Encounter“ wird für mich eine flüchtige Begegnung bleiben. In Denkweise und Beweggründe der weiblichen Hauptfigur, die eine weit zurückliegende Affäre anders als der männliche Gegenpart nicht vergessen kann, konnte ich mich nicht ansatzweise hineinversetzen.

Und dann wäre da noch die abschließende Adaption, die einen Eindruck davon vermitteln soll, wie schwer verständlich die Japaner und ihre Kultur für Europäer sind. Das gelingt immerhin.

Die Zeichnungen gefielen mir durchweg gut. Sie sind sehr detailliert und zeichnen sich durch einen klaren Strich aus. Auch transportierten sie die düstere Stimmung recht gut. Was mich allerdings ein wenig störte, ist, dass sich die Gesichter der Figuren teilweise zu stark ähnelten.

Die Aufmachung des Bandes mit dem dicken Papier und dem Einband aus dickem Karton macht einen hochwertigen Eindruck zumal dieser gebunden und nicht geklebt ist. Das muss aber auch sein, da das Blättern zu einem kleinen Kraftakt ausartet, dem eine Leimung nicht lange standhalten würde.

An den Verlag Schreiber & Leser geht ein Dankeschön für die Zurverfügungstellung des Rezensionsexemplares.

Fazit

Leider hat mich der Autor mit seinem frühen Ausflug in den Bereich des Krimi Noir nicht abholen können. Für Genrefans dürfte Tokio Killers aber durchaus interessant sein und einen Blick lohnen, und das nicht nur aufgrund seines Alters. Ich bin immerhin neugierig geworden und werde mich beizeiten an bekannteren Werken Taniguchis versuchen.