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Alice Matheson – Band 1:  Tag Z

Alice Matheson – Band 1:  Tag Z

Komödie | von Jean-Luc Istin, Philippe Vandaële
Bewertung: ★★★★

Was nützt einer Serienmörderin das perfekte Mordszenario, wenn das Opfer wieder von den Toten aufersteht! Mit dieser Problematik sieht sich seit neuestem Alice Matheson konfrontiert, eine Krankenschwester, die unheilbar erkrankte Patienten tötet, um sich selbst für wenige, wertvolle Momente lebendig zu fühlen. Durch den Ausbruch einer tödlichen Epidemie muss die berechnende junge Frau nun an zwei Fronten gleichzeitig kämpfen: Gegen mörderische Zombies sowie die sich immer stärker zuziehenden Schlingen der Justiz. Jean-Luc Istin (Die Nacht der lebenden Toten, Elfen, Drachenblut) bedient sich einer interessanten Symbiose zwischen Serienkiller-Thematik im Sinne von beispielsweise Dexter und einer verheerenden, blutrünstigen Zombie-Invasion vor der zunächst alltägliche Kulisse eines Londoner Hospitals. Philippe Vandaële setzt das kreative Szenario in phantastisch-realistischen Zeichnungen um, die die morbid-dunkle und unheilschwangere Atmosphäre für den Leser auf beeindruckende Weise einzufangen vermögen.

Handlung

Seit Jahren geht die schöne und ebenso gefühlskalte Alice Matheson auf die gleiche Art und Weise vor, allen ihren sorgfältig ausgewählten, mit einer Giftspritze getöteten Opfern ist eines gemeinsam: Sie sind unheilbar krank und haben nur noch kurze Zeit zu leben. Es ist wie eine Sucht für Alice, ein unwiderstehlicher Drang die letzten Momente eines Lebens, den Übergang zum Tod in sich aufzusaugen, um so selbst weiterexistieren zu können! Ihr jüngstes Opfer, eine ältere Frau namens Susan, tötet sie in der nächtlichen Leichenhalle, die aufgrund einer Gasexplosion in Whitechapel praktisch bis auf den letzten Platz „besetzt“ ist. Alice beginnt gerade damit, ihre Spuren zu beseitigen, als Susan gänzlich unerwartet zu blutrünstigem, unheiligem Leben erwacht! Die kaltblütige Krankenschwester gerät aber keineswegs in Panik, sondern tötet Susan klinisch-effektiv erneut, indem sie ihr einen Bohrer ins Gehirn rammt. Doch nicht nur Susan wird von neuem Leben erfüllt, auch die Opfer der Gasexplosion geraten in ihren verschlossenen Leichensäcken in Bewegung! Auch in anderen Teilen des Hospitals ereignen sich ähnliche, makabre Wiederbelebungen, doch aufgrund eines bestens ausgebildeten Sicherheitsdienstes sowie eines schnell und bedacht reagierenden Ärztestabs kann die groteske Situation zumindest innerhalb des Hospitals schnell unter Kontrolle gebracht werden. Eine Quarantäne-Station wird eingerichtet, fieberhaft wird mit allen zur Verfügung stehenden, medizinisch-wissenschaftlichen Einrichtungen versucht, den Ursprung und den Verbreitungsmechanismus der Seuche zu entschlüsseln. Die Zeit drängt, denn auf den Strassen Londons bricht zwischenzeitlich das völlige Chaos aus. Doch weder Verdachtsmomente, Notstände noch ein Zombie-Inferno können Alice Matheson´s unersättliches Verlangen nach weiteren, für sie so wertvollen Todesmomenten eindämmen. Daher geht sie neue, kreative Wege, damit die Toten auch tot bleiben!

Bewertung

Nach Die Nacht der Lebenden Toten greift Jean-Luc Istin erneut die Zombie-Thematik auf, ergänzt und bereichert um eine hochintelligente, gnadenlos-berechnende Serienmörderin. Ein Konzept, das durchaus interessante Situationen hervorbringt, wenn beispielsweise die Killerin ihre Opfer zweimal töten muss und dies völlig gefühllos erledigt, ohne den geringsten Anflug von Panik. Ebenfalls faszinierend der Kontrast zwischen einer logisch-rational, rein wissenschaftlich denkenden Ärzteschaft und stumpfsinnigen, grotesken Wiedergängern, deren Lebensmechanismus sich jeglicher medizinischen Logik entzieht. Zeichnerisch umgesetzt wurden die Ereignisse durch Philippe Vandaële. Dieser fängt die Invasion der mörderischen Zombie-Horden in ausdrucksstarken, beeindruckenden und phantastisch-realistischen Zeichnungen ein, Bilder, die stellenweise fast photographische Qualitäten aufweisen. Unterstützt und beschleunigt wird der surreal-düstere und doch Action betonte, rasante Plot durch variierende Panelgrößen und –formen sowie durch eine größtenteils unheilschwangere und oftmals monochrome Farbgebung. Besonders faszinierend fand ich die überformatige Darstellung der Leichehalle im Moment der einsetzenden Wiederbelebung. Der unheilige Augenblick, als die schrecklich entstellten Opfer der Gasexplosion sich in ihren verschlossenen, schwarzen Leichensäcken mechanisch zu bewegen und zu erheben beginnen und zu neuem, unwirklichem Leben erwachen! Man scheint das gutturale Knurren und Stöhnen der Wiedergänger fast zu hören. Bilder, die trotz vielfältiger Zombie-Stories den empfänglichen Betrachter auf faszinierende Weise berühren und das Blut in den Adern gefrieren lassen! Seine erste Arbeit als Comiczeichner ist Vandaële also auf grandiose und überzeugende Weise gelungen!

Fazit

Präzise ausgeführt wie ein Skalpellschnitt gelingt dem Team Jean-Luc Istin und Philippe Vandaële eine geradlinige, dramatisch-mitreißende und hochspannende, moderne Horror-Geschichte, welche für Freunde der härteren Gangart durchaus auch mit expliziten Facetten aufwarten kann. Ein hochinteressanter, abwechslungsreicher Plot im Spannungsumfeld von moderner Medizin, eiskalt-berechnender Mordlust und lebenden Toten. Eine Story, die Lust auf mehr macht, mehrere Folgebände sind bereits in Vorbereitung. Präsentiert wie immer in der edlen Splitter Hardcover Aufmachung, die liebevoll ausgearbeiteten Innencover dienen dabei als Kurzvorstellung der wichtigsten Protagonisten. Wirklich sehens- und lesenswert!

Autor: Martin