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Schneewittchen

Schneewittchen

Comic - Fantasy |Autor: Lylian, Zeichnerinnen: Nathalie Vessilier und Rozenn Grosjean
Bewertung: ★★★★★

Beim rührigen Splitterverlag erscheinen neben vielen erfolgreichen Serien auch immer wieder tolle Einzeltitel, so auch im August 2018. Einer der interessanteren Oneshots war für mich die Adaption des Grimm-Klassikers Schneewittchen von Autor Lylian. Im Verlagskatalog sprach mich das Cover an und so wollte ich mir das Werk einmal im Ganzen anschauen um mir einen Eindruck davon zu verschaffen ob der erste sehr positive Eindruck bestätigt werden kann. Konnte er, soviel sei an dieser Stelle schon einmal verraten.

Handlung

Die Halbwaise Schneewittchen wird ob ihrer Schönheit zum meistgehassten Menschen ihrer Stiefmutter. Die von Neid zerfressene Königin trachtet dem Mädchen nach dem Leben und beauftragt den Hofjäger Schneewittchen zu töten. Das junge Ding kann jedoch das Herz ihres Häschers erweichen, der sie entkommen lässt.

So irrt Schneewittchen durch den Wald auf der Suche nach einem neuen Heim. Dabei stößt sie auf ein Häuschen in dem sie erst einmal ihren quälenden Hunger und Durst stillen kann. Als dessen Bewohner, sieben Zwerge, von der Arbeit heimkehren, nehmen sie das Mädchen bei sich auf. Doch auch weit vom Königreich ihres Vaters entfernt ist sie vor den Nachstellungen der Stiefmutter nicht sicher. Die lässt nichts unversucht zu vollenden was sie begonnen hat...

Bewertung

Lylian hat das Märchen von dem Mädchen, mit einer Haut weiß wie Schnee, Lippen so rot wie Blut und Haaren so schwarz wie Ebenholz modernisiert und mit viel Wortwitz nacherzählt. Dabei geht er sehr behutsam mit der Vorlage um und lässt diese inhaltlich größtenteils unverändert. An der ein oder anderen Stelle wird diese lediglich ausgeschmückt. Kongenial unterstützt wird er dabei von der Zeichnerin Nathalie Vessilier, die hiermit ihre erste größere Arbeit veröffentlichen kann. Die wunderschönen Zeichnungen wirken wie aus einem Bilderbuch entnommen und wurden von Rozenn Grosjean nicht weniger schön koloriert.

Wortwitz und Bildkomik gehen Hand in Hand und speziell an den sieben Zwergen wird dies deutlich sichtbar. Die eingeschworene Männerwirtschaft wird von dem jungen Mädchen nämlich ordentlich durcheinander gebracht und anfangs gefällt das nicht jedem. Deutlicher als mit der dargestellten Mimik kann man das gar nicht vermitteln. Auch das junge Mädchen, das seinen Platz in der Männer-WG sucht, wird toll dargestellt als es beispielsweise erste Anstrengungen unternimmt den Haushalt zu stemmen. Auch die Eingangssequenz, als die Königin um ein Kind betet, ist wunderschön und süß zugleich geraten.

Für die ganz Kleinen ist der Band aber dennoch womöglich ungeeignet. Es gibt da die ein oder andere Szene, die schon recht grausam rüberkommt. Insbesondere gegen Ende, wenn die Stiefmutter ihre Eisenschuhe bekommt. Und die Sprache ist ebenfalls nicht ganz einfach, weil doch auch mit veralteten Begriffen gearbeitet wird. Das liest sich schön aber an der ein oder anderen Stelle wird es für Grundschüler schwer lesbar. Da ist dann doch eher der Vorleser gefragt. Als kleinen Bonus gibt es auf der Rückseite ein paar wissenswerte Worte zu den Gebrüdern Grimm.

Ich will hier aber kein Haar in der Suppe finden. Der Band ist eine sehr schön geratene Publikation und macht sich in jedem Regal gut. Für das Rezensionsexemplar geht ein Dankeschön an den Splitter Verlag.

Fazit

Lylians Schneewittchen ist ein wunderbares und wunderschönes Lesevergnügen für Jung und Alt und begeisterte mich mit zuckersüß anzuschauen Bildern, witzigen Dialogen und einer schönen Erzählung. Dabei bleibt der Autor recht dicht am Original und verpasst diesem Klassiker einen modernen und unterhaltsamen Anstrich. Ich bin durchaus geneigt die Frage der Presseinfo danach, ob Schneewittchen womöglich das schönste Märchen im Lande ist, mit einem Ja zu beantworten. Von mir gibt es eine klare Kaufempfehlung.