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Jane

Jane

Comic - Drama | Aline Brose McKenna (Autorin) | Ramon K. Perez (Zeichner)
Bewertung: ★★★★★

Der Roman „Jane Eyre“ gilt als einer der Klassiker der viktorianischen Romanliteratur des 19. Jahrhunderts. Kein Wunder also, dass es bereits unzählige und gefühlt abertausende Adaptionen gab. Die letzte Verfilmung gab es im Jahr 2011 mit Michael Fassbender. Aber bereits im Jahr 2010 gab es den ersten Stummfilm über das Werk von Autorin Charlotte Brontë. Die heutzutage erfolgreiche Autorin Aline Brose McKenna („Der Teufel trägt Prada“) und der Künstler Ramon K. Perez („Spider-Man: Erste Schritte) machen sich nun ans Werk, um das beliebte Buch erneut auf Papier zu bringen. Nur diesmal ist es ein Comic!

Handlung

Die junge Jane hat schon immer davon geträumt nach New York zu gehen, die Stadt, in der das Leben quasi staffiert und die City, die nie schläft. Ein Ort voller Möglichkeiten für eine junge Dame. Um ihren Traum zu finanzieren nimmt sie einen Job als Nanny für das Kind Adele an. Ihr Vater Rochester ist ein reicher Mann, unantastbar für die Aussenwelt. Er ist jedoch sehr reserviert. Kein Wunder, denn seine Frau kam bei einem Unfall ums Leben und seit dem kommen und gehen die Kindermädchen wie Ebbe und Flut an der Nordsee. Keiner hält es mit dem launischen Mann aus. Jane hingegen verliebt sich auf den ersten Blick in Adele und blickt tief in ihr Herz. Sie erkennt Parallelen zu sich selbst und möchte dem kleinen Mädchen helfen. Die Anziehungskraft sorgt dafür, dass Jane in eine Welt voller Liebe, Intrigen und Geheimnisse gezogen wird.

Bewertung

Aline Brose McKenna hat mit „Jane“ keine eins zu eins Comic-Adaption geschaffen, sondern hat die Handlung ins heutige New York verlegt und sie auf eine moderne Art und Weise wiederbelebt. Dennoch verzichtet sie nicht auf klassische Elemente des Originals und aus dieser Mischung ergibt sich ein toxisches Gemisch, dass eine enorme Anziehungskraft ausstrahlt. Heißt übersetzt: Es macht einfach Spaß, diesen Comic zu lesen. Dass ich heute überhaupt eine Review über ein Graphic Novel schreiben darf, stand zuerst gar nicht auf dem Plan, denn McKenna wollte eigentlich ein Drehbuch für einen Film schreiben und erst die Begegnung mit Ramon K. Perez brachte sie schlussendlich darauf, ein Panel-Kunstwerk zu erschaffen. Was natürlich im autoreschen Sinne gemeint ist.

Optisch gesehen haut Perez natürlich ordentlich in den Tuschkasten! Das Artwork kann sie nämlich sehen lassen. Man muss sich nur einmal den Anfang auf der Zunge zergehen lassen und die vielen Spielereien auf sich wirken lassen. Eine große, farblose Stadt steht vor der jungen Jane, am Horizont macht sich so etwas wie Farbe auf und als sie mit ihren roten Stiefeln New Yorker Boden berührt, wird die Welt nicht nur für den Leser bunt, sondern auch für die Hauptakteuren der Handlung. Weitere Kontraste warten auf den Leser und so verzückt uns der Zeichner mit einem markanten Strich.

Dass Optik allein nicht ausreicht, kann man an vielen Popcorn-Comics sehen. Beispiele kennt jeder und müssen nicht von mir aufgeführt werden. Hochglanz sticht halt nicht die Story aus. Und die ist in „Jane“ hervorragend. Insbesondere die Wechselhaftigkeit weiß zu gefallen. Zunächst sieht man der Hauptdarstellerin dabei zu, wie sie in der großen Stadt Fuß fassen will und begleitet sie zu ihrem ersten Job. Daraus entwickelt sich ein Sturm der Liebe sowie ein Familiendrama, nur um dann wiederum in einem Thrillertaifun zu münden. „Jane“ ist nicht das eine oder das andere, es gibt eine tolle Genrevermischung!

Die Charaktere sind ebenfalls gut ausgearbeitet. Jane ist eine charmante, intelligente Frau, die vor Lebensfreunde nur so strotzt. Er, also Rochester, ist ein grimmiger, einsamer Mann, der wiederum sehr verletzt ist. An dieser Stelle fällt mir das Märchen „Die Schöne und das Biest ein“. Die Hauptprotagonisten aus beiden Werken weisen erstaunliche Parallelen auf. Dadurch, dass man unterschwellig das Gefühl hat die Personen zu kennen, kann man auch mit ihnen fühlen und das macht sie so authentisch.

Fazit

Das Comic „Jane“ ist eine wundervolle und total überzeugende Adaption eines Klassikers. Der Panini-Verlag hat sich auch nicht lumpen lassen und spendiert uns ein schönes illustriertes Hardcover.