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Affendämmerung

Affendämmerung

Comic - Drama |Autor und Zeichner: Jean-Paul Krassinsky
Bewertung:★★★★★

Jean-Paul Krassinsky hat mit Affendämmerung eine bitterböse Satire auf religiösen Fanatismus geschrieben und gezeichnet, die durchaus zu unterhalten weiß. Warum man das Werk jedoch nicht als Religionskritik verstehen kann, will ich gerne im Folgenden darlegen.

Handlung

Die Schneemakaken der Berge von Jigokudani leben in ihrer von alters her gewohnten Ordnung. An der Spitze des Clans steht Taro, der allein bestimmt wer in den warmen Quellen Schutz vor der Kälte suchen darf und sich die Frauen nimmt, nach denen ihm der Sinn steht. Bei aller Unzufriedenheit stellt jedoch niemand die Rangordnung ernsthaft in Frage.

Das wird anders als der Rhesusaffe Rhesus (Jesus) mit einer Raumkapsel im Gebiet des Clans abstürzt und sich als Gesandter des Gottes Diou (mon dieu) ausgibt um sich allerlei Privilegien zu sichern. Die alte Ordnung gerät ins Wanken und im Tal ist nichts mehr wie zuvor...

Bewertung

Schon als ich mich dazu entschloss diesen Band zu rezensieren, fragte ich mich mehr als einmal ob es sonderlich schlau ist als bekennender Christ ein Werk zu bewerten, das sich vielleicht gar nicht als Religionskritik verstanden wissen will, in der allgemeinen Rezeption aber ganz sicher als solche aufgenommen wird. Inhaltlich erwartete ich alles andere als eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema und hatte starke Zweifel, dass es nur der religiöse Fanatismus ist, der hier durch den Kakao gezogen werden soll. Die Liste der Danksagungen bestätigte mich dann leider in dieser Erwartungshaltung. Eine Bewertung nebst Fazit gehört aber ans Ende der Lektüre und so ließ ich mich auf die Affendämmerung ein.

Am Beispiel der Schneemakaken beschreibt Krassinsky die Entwicklung einer isolierten Gesellschaft, deren Ordnung sich mit dem Einzug der Religion grundlegend ändert. Zu Beginn sind die Auswirkungen noch durchaus positiv, wird doch das Recht des Stärkeren durch die Zusammenarbeit vieler Schwächerer scheinbar gebrochen. Strenggenommen macht sich aber die Gruppe dieses Recht zu eigen.

In der Folge entwickelt sich ein regelrechter Machtkampf zwischen einer Handvoll Individuen, die versuchen die Masse der Gläubigen auf ihre Seite zu ziehen und so ihre Kontrahenten zu beseitigen. Das geschieht zum eigenen Vorteil und dann gerne auch in endgültiger Art und Weise. Die Situation eskaliert zunehmend und mündet schließlich in großflächigem Mord und Totschlag.

Der Satire steht eine Vielzahl an Stilmitteln zur Verfügung um ihre Botschaft zu transportieren. Neben dem zweifelsohne vorhandenen Unterhaltungswert findet sich hier insbesondere das Mittel der Polemik. Was mir bei der Affendämmerung fehlt um sie wirklich als Kritik verstehen zu können, ist die Gegenüberstellung einer Alternative. Mit der Aussage, dass die Welt ohne Religion besser dran wäre, macht es sich der Autor meines Erachtens zu einfach und tritt mit der Beschreibung der Ausgangssituation eigentlich auch den Gegenbeweis an. Zumindest habe ich leichte Zweifel, dass der anfangs herrschende Despotismus, mit dem Krassinsky die institutionalisierte Religion im Weiteren durchaus gleichsetzt, die Antwort darauf sein soll.

Auch beschränkt er sich mit seiner Polemik nicht auf die Bloßstellung des religiösen Fanatismus allein. Er teilt die Gruppe der Gläubigen ein in Scheinheilige, die allein auf ihren persönlichen Vorteil bedacht sind, und dumme Schafe, die diesen Führern blind folgen. Indem er die Grundlagen des Glaubens als Erfindung Einzelner zu ihrem persönlichen Vorteil darstellt, spricht er diesem jede Berechtigung ab. Passend dazu wäre der Titel der französischen Originalfassung mit "Idiotendämmerung" treffender übersetzt. So weit ging Schreiber & Leser aber nicht.

Dass es an der institutionalisierten Religion als Nährboden für Fanatismus mehr als genug zu kritisieren gibt, und dass man darüber ins Gespräch kommen muss, ist wohl unstrittig. Aber dass einem dies mit gemäßigten Gläubigen gelingen kann, wenn man deren Glaubens-und Lebensgrundlage als pure Fiktion und Märchen für Leichtgläubige darstellt, wage ich dann doch zu bezweifeln.

Ich will jetzt nicht so weit gehen Affendämmerung als Hetzschrift zu bezeichnen, aber inhaltlich taugt es aus genannten Gründen leider weder als Kritik noch als Denkansatz für die solcherart Kritisierten. Und so komme ich zu der Auffassung, dass der Autor dies auch gar nicht beabsichtigt.

An der übermittelten Botschaft werden Dawkins-Jünger und andere überzeugte Atheisten ihre helle Freude haben, bestätigt Krassinsky sie doch in ihren Überzeugungen und Vorurteilen in einer Art und Weise, die keine Fragen oder Zweifel offen bzw. zulässt. Abgesehen vielleicht von der Art und Weise in der Nitschii (Nietzsche?) dem Treiben ein Ende setzt. Ein anderer Rezensent empfiehlt allen anderen mal einen Blick in das Buch zu werfen, in der Hoffnung, dass sie ihre Welt dann mit kritischeren Augen sehen. Worauf sich diese begründet, kann ich allerdings nicht sagen, da Wunder ja nun nichts sind woran Atheisten glauben.

Wenn ich Affendämmerung als reines Unterhaltungsprodukt bewerten sollte, dann wäre mein Urteil ein durchweg positives. Die Zeichnungen transportieren die Geschichte auf eindrückliche Art und Weise und das Spiel zwischen dem alles beherrschenden Schneeweiß und einzelnen Farbakzenten funktioniert wunderbar. Die Geschichte selbst ist die eines Machtkampfes wie er im Buche (nicht nur diesem) steht.

Die Aufmachung ist vom Allerfeinsten. Der überformatige Hardcoverband und das Papier machen einen hochwertigen Eindruck.

Fazit

Wie man vielleicht erahnen kann, tue ich mich mit der Bewertung schwer. Aber kann man dem Werk am Ende anlasten, dass es nicht ist was es selbst gar nicht sein will? Ausstattung, Machart und Unterhaltungswert der um ihre Botschaft befreiten Geschichte lassen mich jedoch die dann auch wohlverdienten fünf Sterne zücken.

Die Botschaft grenzt nach meinem Dafürhalten aber, bei allem was der Satire erlaubt sein soll, an antireligiösen Fanatismus und steht für mich auf einer Stufe mit dem angeprangerten religiösen Gegenpart. Das finde ich sehr schade, da man mit dem Thema auch anders umgehen kann.

Für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares geht ein Dankeschön an den Verlag Schreiber & Leser.

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