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Fun

Fun

Comic - Geschichte | Paolo Bacilieri
Bewertung: ★★★★★

Gelegentlich gehe ich bei meinen Bestellungen auch mal Risiken ein und versuche so meinen Comichorizont zu erweitern. Mal erlebe ich dabei echte Überraschungen und mal bin ich mir sicher, nicht Teil der Zielgruppe zu sein. „Fun“ von Paolo Bacilieri hat viele gute Ansätze ist aber leider viel so lang – oder aber ich bin zu doof dafür.

Handlung

Im Zentrum der Handlung steht der junge Vater Zeno Porno, der für Disney arbeitet und ein riesen Fan des Autors Pippo Quester ist. Dieser wiederum schreibt gerade ein Buch über die Geschichte des Kreuzworträtsels und bittet Zeno für die Recherche um Hilfe. Beide tauschen sich regelmäßig und ausgiebig aus und der Leser folgt ihnen während es Buches auf ihrem Weg der Erkenntnis. Während dieser Zusammenarbeit, die letztlich einen Ausschnitt der Leben der beiden Protagonisten darstellt, entwickelt sich ein kleiner Krimi mit selbstgebauten Waffen, jungen Frauen und innerfamiliären Zerwürfnissen gespickt mit sehr vielen geschichtlichen Hintergrundinformationen zu Kunst und Kultur.

Das Buch beinhaltet die zusammengehörenden Teile „Fun“ und „More Fun“, welche eher wie ein und dieselbe Geschichte wirken und weniger wie zwei getrennte Werke. Die eigentliche Haupthandlung wird immer wieder durch Kurzgeschichten unterbrochen, die nichts mit der eigentlichen Story zu tun haben und ihren Fokus mal mehr auf Zeno und sein Leben legen, mal auf wichtige Personen der Kreuzworträtselgeschichte und mal auf eigentlich irrelevante Dritte.

Bewertung

Diesen Comic liest man nicht einfach mal eben so weg. Er verlangt vom Leser eine gewisse Aufmerksamkeit und nutzt nicht unbedingt jede Seite um seine Geschichte zu erzählen. Hat man endlich den Einstieg in diese aufgrund des Kernthemas interessante Story gefunden, kommt Bacilieri mit einer eingeschobenen Kurzgeschichte um die Ecke und bricht so ordentlich den Lesefluss auf bzw. behindert ihn gar. Während ich für Zeno gewisse Sympathien entwickeln konnte und in ihm einen weiteren Nerd zu entdecken glaube, ist mir Quester eher egal. Von den Dialogen der beiden hingegen sowie ihrer grafische Darstellung war ich von Beginn an angetan und fand sie faszinierend. Noch nie hatte ich mir Gedanken über die guten alten Kreuzworträtsel im Knobelheft meines Vaters gemacht und empfand daher die anscheinend umfangreich und gut recherchierten Inhalte absolut als Gewinn. Gerade wenn die Panels an Kreuzworträtsel erinnern, ist das einfach mal was anderes und allein schon deshalb eine tolle Sache – ob das einen echten Mehrwert darstellt und dem Comic gut tut, darf bezweifelt werden

Ganz enorm gestört haben mich dann aber die unzähligen Einschübe. Nicht nur, weil sie teilweise in einem anderen Stil daher kamen, nein leider tragen sie zu weilen nichts zur Handlung bei und reißen den Leser völlig aus der gerade aufgebauten Spannung. Wie kann man das als Redakteur durchwinken? Warum die unangenehmen Längen ? Gibt es hier eine intellektuelle Ebene, die ich nicht begreife? Warum ist das Werk ursprünglich überhaupt zweigeteilt? War das so geplant?

Das Artwork rettet den Band dann schließlich vor einer negativen Gesamtwertung und lädt zum Verweilen ein. Gerade die Zeichnungen der Innenstädte verschiedener Epochen und Länder ist ein wahrer Genuss und macht Lust auch weitere Werke Paolo Bacilieris. Die Verarbeitung ist, wie für den avant-verlag üblich, wirklich gut und hochwertig.

Fazit

Eine Kaufempfehlung kann ich für „Fun“ leider nicht aussprechen. So überraschend interessant das Thema Kreuzworträtsel dann doch geworden ist, so wirr ist dieser Comic erzählt. Insgesamt wirkt er viel zu lang, ist aber immerhin wirklich hübsch gezeichnet.

Vielen Dank an den avant-verlag für die Zurverfügungstellung des Rezensionsexemplars.