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Binto

Binti

Buch - Science Fiction | Autorin: Nnedi Okorafor
Bewertung: ★★★★★

Sie ist das gerade prominenteste Gesicht der afro-futuristischen Literatur: Nnedi Okorafor. Ihr Roman „Wer fürchtet den Tod“ soll als Serie umgesetzt werden – mit keinem geringeren als G.R.R. Martin als Produzent. Sie hat für Marvel erst die „Black Panther“-Reihe übernommen, und schreibt jetzt die Comics seiner Schwester, Shuri. Und ihre Novelle „Binti“ wurde mit den bekanntesten Preisen der Sci-Fi- und Fantasy-Literatur prämiert, dem Nebula und dem Hugo Award. Der Cross Cult Verlag hat jetzt „Binti – Allein” samt den beiden Fortsetzungen „Binti – Heimat“ und „Binti – Nachtmaskerade“ auf Deutsch und als Sammelband herausgebracht.

Handlung

Binti Ekeopara Zuzu Dambu Kaipka – kurz Binti – stammt aus dem Volk der Haimba. Ihre Heimat ist Namib, Erde. Ihr Volk ist dafür bekannt, technologische Meisterwerke zu produzieren, aber gleichzeitig so tief in ihren Traditionen verwurzelt zu sein, dass sie ihre Heimat niemals verlassen. Bis auf Binti. Denn als sie ein Stipendium für Oomza Uni, der berühmtesten und besten Lehranstalt der Galaxis bekommt, wird sie die erste Himba, die die Erde verlässt. Doch das ist nicht die einzige Herausforderung, die ihr bevorsteht. Denn ein lang anhaltender Krieg zwischen den Bewohnern der Galaxis zieht Binti in seinen Sog.

Bewertung

Ich mag den Stil von Nnedi Okorafor (von der Schriftstellerin habe ich bereits Das Buch des Phönix rezensiert). Ohne viel Umschweifen und ohne viel zu erklären nimmt sie den Leser direkt von Anfang an mit auf eine Reise in eine fremde Welt. Denn man ist zwar auf unserem Heimatplaneten Erde, aber in welcher Zeit und wie genau sich die Zivilisation dorthin entwickelt hat, wo sie jetzt ist, wird nicht gesagt. Aber dadurch, dass Binti fast genau so neugierig auf diese neue Welt ist wie der Leser – sie ist ja beispielsweise selber noch nie mit einem Raumschiff gefahren oder war noch nie auf einem anderen Planeten außer der Erde – bekommt man alles aus ihrer Sicht erzählt und auch erklärt. Und was erstaunlich ist: Die erste Novelle ist keine 100 Seiten lang. Trotzdem schafft es Okorafor nicht nur Binti zu einer vollwertigen Figur mit Ängsten und Hoffnung, Stärken und Schwächen zu machen. Sie schafft es auch eine Welt zu erschaffen, die man besuchen möchte. in den wenigen Seiten baut Okorafor eine Welt mit verschiedenen Zivilisationen, mit nachvollziehbarer Technologie, eine Welt, die sehr fortschrittlich ist, die aber auch gewisse Traditionen hat und achtet. Die verschiedenen Völker haben ihre eigenen Bräuche, samt Mode, Geschichte und Eigenheiten. Es ist erstaunlich, wie viel in den wenigen Seiten dem Leser vermittelt wird. Aber es ist auch gleichzeitig schade, dass die Lektüre dann so abrupt vorbei ist. Deswegen ist es toll, dass der Sammelband von Cross Cult die beiden Fortsetzungen noch beinhaltet, sodass man einerseits tiefer in diese Welt eintauchen kann, andererseits auch mehr Zeit mit Binti verbringen kann. Denn sie ist eine sympathische Figur, die man verstehen kann, auch wenn man vielleicht nicht so handeln würde wie sie. Obwohl sie mit der Reise nach Oomza Uni ihrer Familie und ihrer Heimat den Rücken gekehrt hat, gibt sie ihre Traditionen nicht auf. Sie kleidet sich auf Oomza immer noch wie eine Himba und auch das traditionelle Otjize – eine Mischung aus Lehm und Ölen, die die Himba als Wüstenvolk für die Hygiene benutzen – gibt sie nicht auf, obwohl Oomza Wasser in Hülle und Fülle hat. Dieser Zwiespalt zwischen Tradition und Moderne, zwischen Heimweh und den Drang, die weite Welt kennenzulernen, macht sie zu einer sympathischen Figur, mit der man mitfiebern kann.

Fazit

Die Binti-Trilogie ist ein kurzer Spaß, den man fast in einem Rutsch liest. Die Geschwindigkeit, mit der Sachen passieren, ist rasant, aber als Leser hatte ich nie das Gefühl, dass ich etwas verpasst hätte. Die Welt, die Nnedi Okorafor in diesen wenigen Seiten schafft, ist reich an Traditionen und verschiedener Lebensformen, die irgendwie zusammenleben müssen. Diese Welt aus den Augen einer „Außenseiterin” wie Binti zu lesen, ist sehr spannend. Für Sci-Fi-Fans auf jeden Fall eine Empfehlung, aber auch für jeden, der eine tolle Lektüre für zwischendurch sucht.