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The Shape of Water

The Shape of Water

Buch - Liebesgeschichte | Guillermo del Toro,‎ Daniel Kraus
Bewertung: ★★★★★

Seit dem 15. Februar läuft in den deutschen Kinos der mehrfach ausgezeichnete (darunter zweimal mit dem Golden Globe Award) Film „The Shape of Water“ (Das Flüstern des Wassers). Nun ist am 1. März bei Knaur auch das gleichnamige Buch, die Vorlage zum Kinofilm erschienen. Mancher mag sich fragen, wozu das Buch, wenn man sich die Story auch im Kino anschauen kann. Wer auf das Lesen verzichtet, dem entgeht die noch weiterreichende psychologische Tiefe des Buches, die faszinierenden Bilder und tiefgründigen Zusammenhänge, die den Roman von Guillermo del Toro und Daniel Kraus auszeichnen.
Der mexikanische Regisseur Guillermo del Toro, dessen Werke „Cronos“, „Pands Labyrinth“, „Hellboy“ in die Filmgeschichte eingegangen sind und Daniel Kraus, ein in Amerika lebender und mehrfach ausgezeichneter Autor, haben eine wunderschöne, märchenhafte Liebesgeschichte und gleichzeitig ein psychologisches Drama geschaffen, in Wort und Bild!

Handlung

Anfang der 1960er Jahre: Richard Strickland, ein verheirateter Vater zweier Kinder, der seit 12 Jahren unter dem Kommando von General Hoyt steht, bekommt von diesem den Auftrag, zum Länderdreieck zwischen Brasilien, Peru und Kolumbien zu reisen. Dort soll er ein Wesen, das die Brasilianer in ihren Legenden Deus Brânguia, den Dschungelgott, nennen, einfangen und in die Vereinigten Staaten bringen, da dieses von entscheidender Bedeutung für das US-Militär sein könnte. Die siebzehn Monate lange Expedition entwickelt sich zu einem Albtraum, dennoch kann Richard Strickland den Auftrag erfüllen und ein amphibienartiges Wesen ins geheime Militärlabor Occam nach Baltimore bringen.
Elisa Esposito, in einem Waisenhaus aufgewachsen und stumm, arbeitet mit ihrer farbigen Freundin Zelda Fuller, die mit einem Taugenichts verheiratet ist, in der Putzkolonne des Militärlabors. Sie werden für F1 eingeteilt, das Labor, in dem das geheimnisvolle Wesen untergebracht wird. Elisa ist von dem Geschöpf fasziniert, als sie es eines Nachts im Wassertank entdeckt. Sie bringt dem männlichen Wasserwesen die Gebärdensprache bei und spielt für ihn Musik auf einem Plattenspieler ab. Langsam merkt sie, dass sie sich in das Wesen verliebt hat.
In Occam arbeitet auch der Wissenschaftler Bob Hoffstetler, der das Wesen untersuchen soll. Bob oder Dmitrij ist seit mehreren Jahren ein NKWD Agent und beliefert die Sowjets mit Informationen. Als die Entscheidung gefällt wird, das Projekt auf dem Seziertisch zu beenden, wollen Elisa und Dmitrij das Wasserwesen um jeden Preis retten.

Bewertung

Das Buch vereint in sich so viele Facetten, dass man unentwegt neue Themen und einen tieferen Sinn entdeckt. Auf den ersten Blick erscheint die Story als eine Liebesgeschichte zwischen einem Fantasy Wesen, das seine Liebe in der Menschenwelt findet und eigentlich in diese streben sollte, und einem besonderen Menschen, eine Geschichte, die die Literatur bereits seit 1927 durch Alexander Beljaews „Amphibienmann“ kennt. Aber Elisas Sehnsucht nach Liebe und ihre Träume, die in einer mysteriösen Verbindung zu Wasser stehen, wie auch ihre geheimnisvollen Narben am Hals, die an Kiemen erinnern könnten und die Tatsache, dass sie als Baby an einem Flussufer gefunden wurde, eröffnen dem Leser der Geschichte zusätzliche Interpretationsmöglichkeiten. Ist Elisa vielleicht ebenso der Wasserwelt entsprungen?
Richard Strickland, der in Korea war und über seine Kriegserlebnisse nicht spricht, findet nach der Amazonas Expedition auf Grund der furchtbaren Erlebnisse nicht mehr in sein Leben zurück. Er würde gerne wieder der alte Ehemann und Familienvater sein, doch der Dschungel verfolgt ihn mit seinen Schreien und Geräuschen, mit seinem Geruch und seinen Farben. Er hofft, dass er durch das Bezwingen und den Tod des Wassergotts wieder zu sich selbst finden kann. Im Buch wird dies, im Gegensatz zum Film, besonders deutlich.
Anfang der 1960er Jahre, der Zeit des Kalten Krieges, liefern sich Amerika und die Sowjetunion ein Wettrüsten. Der sowjetische Spion Dr. Bob Hoffstetler, der gleich nach seinem Studienabschluss von der NKWD (was nicht ganz richtig ist, da die Bezeichnung NKWD nur bis 1946 für den sowjetischen Geheimdienst im Gebrauch war, seit 1954 spricht man vom KGB) angeworben wurde, beliefert nun aus Angst um seine Eltern die Geheimdienstler mit Informationen. Im ihm erweckt das geheimnisvolle Wasserwesen wieder den Wissenschaftler, der voll Mitgefühl, Staunen und Respekt ist, ein Mensch, der gar nicht in diesen rücksichtslosen Rüstungswettkampf zweier Großmächte hineinpasst.
Lainie Strickland, die im Film als eine gefällige Ehefrau und Mutter mit einem perfekt gefüllten Haushalt nur ganz kurz vorkommt, nimmt im Buch einen deutlich größeren Platz ein. Sie verkörpert das wachsende Selbstbewusstsein der Frauen dieser Generation. Auch in den Figuren von Elisa und Zelda wird der wachsende Wunsch nach mehr weiblicher Selbstbestimmung in einer von Männern dominierten Welt sichtbar.
Und was verkörpert ein richtiger Mann? Soll ein richtiger Mann so wie Timmy, der kleine Sohn von Richard, seine Männlichkeit dadurch unter Beweis stellen, dass er seine Mutter und die kleine Schwester zu dominieren versucht und furchtlos eine Echse festnagelt und ihr den Bauch aufschneidet? Hier zeigt sich klar eine Parallele zu Richard, der versucht, durch Aggression und Blut in sein Leben zurückzufinden.
Mit ihrem Roman haben die Autoren ein Portrait der amerikanischen Gesellschaft der 60er Jahre, ein Liebesmärchen, eine Fantasy-Story und ein psychologisches Drama zu einer perfekten Einheit verschmolzen und vermeintlichen Außenseitern eine Stimme gegeben.

Fazit

Fantasy, Gesellschaft, Drama, Liebe – verwoben zu einem einmaligen, ungewöhnlichen Leseerlebnis!