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Unsere Jahre in Miller's Valley

Unsere Jahre in Miller's Valley

Buch - Drama |Anna Quindlen
Bewertung: ★★★★★

Die in New York lebende Anna Quindlen, Jahrgang 1952, gehört zu den bekannten amerikanischen Autorinnen der Gegenwart. Neben Romanen schreibt sie auch Sachbücher, für ihre Kolumnen in der New York Times erhielt sie 1992 den Pulitzer-Preis. Unter ihren vielfachen Ehrungen ist ein Ehrendoktortitel der Pennsylvania State University 2007. Außerdem wurde sie 1996 zum Mitglied der American Academy of Arts and Sciences gewählt. Ihr Bestseller „Die Seele des Ganzen“ (1995) wurde unter dem Titel „Familiensache“ mit Meryl Streep verfilmt. „Unsere Jahre in Miller´s Valley“ ist ihr neuester Roman.

Handlung

Mimi (Mary Margaret) Miller wächst mit ihrer Familie auf einer Farm in einem kleinen Dorf in Miller`s Valley auf. Die Farm gehört seit Generationen der Familie und im Dorf kennt jeder jeden. Ihre Mutter Mariam Miller ist eine Krankenschwester, ihr Vater Buddy Miller repariert defekte Gegenstände, die ihm Dorfbewohner bringen. Mimis älterer Bruder geht als Jahrgangsbester an eine Universität, gründet eine Familie und zieht weg. Der mittlere Bruder Tommy meldet sich freiwillig bei der Army und kommt nach dem Vietnam-Krieg zurück nach Hause. Die Kriegserlebnisse lassen ihn nicht los und er schafft es nicht, zurück ins Leben zu finden, bis er irgendwann spurlos verschwindet. Mimi selbst ist eine begabte Schülerin, die von ihrer Lehrerin gefördert wird und schließlich ein Stipendium für ein Medizin Studium erhält. Nach einer stürmischer Liebesgeschichte mit Steven, einem Freund ihres Bruders Tommy, heiratet sie doch ihren Jugendfreund Donald, dessen Großeltern ebenfalls in Miller`s Valley leben. Mit auf der Farm wohnt auch Tante Ruth (die Schwester von Mimis Mutter), die ihr Haus nie verlässt, selbst dann nicht als ihr Schwager Buddy einen Schlaganfall vor ihrer Haustür erleidet.
Nun aber soll das Tal - von der Regierung als zukünftiges Wasserreservoir geplant - geflutet werden. Wie gehen die Charaktere des Romans damit um, dass der Ort, den sie seit vielen Generationen ihre Heimat nennen, nicht mehr existieren wird? Dies ist die zentrale Frage des Romans.

Bewertung

Gemeinsam mit der anfangs 11jährigen Mimi erleben die Leser ihre unbeschwerten Kindheitstage mit ihren Freunden LaRhonda und Donald in einem Ort, wo jeder jeden kennt, wo Gerüchte und Geheimnisse brodeln. Hinter dem scheinbar eintönigen Alltag auf der Farm verstecken sich die kleinen und größeren Lebensgeschichten einzelner Charaktere, die alle dem Tal - Miller´s Valley - entstammen. Und über allem schweben die Pläne der Regierung wie ein Damokles-Schwert. Das Tal soll geflutet und zu einem Naherholungsgebiet umgebaut werden. Während ein Teil der Bewohner mit Donald`s Großvater an der Spitze versucht, sich dagegen zu wehren, entschließen sich 
Andere, neue und eigene Wege zu gehen.
Ihre gesamte Jugend, als sie ihre erste Liebe trifft, sich mit Callie anfreundet, die einen Sohn von Tommy bekommt, versucht, zwischen ihrer Mutter und deren Schwester Ruth zu vermitteln und ihren Vater nach dem Schlaganfall pflegt, verbringt Mimi auf der Farm, bevor sie dann ein Medizinstudium aufnimmt und wegzieht. Dennoch bleibt sie auch in ihrem weiteren Leben als eine der wenigen Ärztinnen in Amerika mit dem Valley mithilfe unsichtbarer Fäden verbunden. Nach der Flutung hat Mimi das an der Stelle entstandene Naherholungsgebiet nie besucht, auch nicht als ihre Kinder dort schwimmen gelernt haben. Aber alle paar Jahre hat sie einen Traum, in dem sie weit unter die grüne Wasseroberfläche eintaucht und die Dächer der Scheunen, die alten Zäune und die Werkbank ihres Vaters sehen kann. Doch dann muss sie nach oben – zurück zum Licht.
Was ist Heimat? Ist es ein bestimmter Ort oder ein Gefühl der Geborgenheit, der Sicherheit, des Glücks? Ein Ort, wo man alles und jeden kennt wo man sich aber auch schwer den neugierigen Blicken entziehen kann? Wo man hinter einer vertrauten Fassade auch eine Babyleiche im Schminkkoffer finden kann? Anna Quindlen schafft ein gelungenes und psychologisches Portrait des Lebens in einem kleinen Ort mit seinen Vorzügen aber auch Einschränkungen. Sie zeigt, dass es sich lohnt, mutig neue Wege zu suchen, aber selbst dann bleibt man seinen Wurzeln und den geliebten Menschen auch über deren Tod hinaus verbunden.
Die bildhafte Sprache der Autorin lässt schöne Bilder des Farmeralltags vor dem inneren Auge entstehen, man kann förmlich das Heu riechen oder die Kühe hören. Das sind Geräusche und Gerüche, die Mimis Heimat mitprägen.

Fazit

Obwohl Anna Quindlen sehr bildhaft schreibt, musste ich mich von einer Seite zur nächsten mühen. Die Fragen – Was macht Heimat aus? Wie schafft man es, einen neuen Weg zu gehen und trotzdem in seinem Inneren das Heimatgefühl und die Heimatverbundenheit zu bewahren? - brachten zwar zum Nachdenken, manches hatte auch einen symbolischen Charakter, der Roman wirkte dennoch irgendwie schwerfällig und es hat „nicht gefunkt“.