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Heimkehr nach Fukushima

Heimkehr nach Fukushima

Buch - Drama | Adolf Muschg
Bewertung: ★★★★★

Adolf Muschg, 1934 in Zuerich geboren, war Professor fuer deutsche Sprache und Literatur an der Eidgenoessischen Technischen Hochschule in Zuerich und Praesident der Akademie der Kuenste in Berlin. Adolf Muschg ist einer der bedeutendsten Schriftsteller der Gegenwart. Viele seiner literarischen Werke wurden mit Preisen ausgezeichnet, darunter der Hermann Hesse Preis, der Georg-Buechner-Preis, der Grimmelshausen-Preis, der Grand Prix de Litterature der Schweiz u.a. Aktuell erscheint beim С.H.Beck Verlag sein neuester Roman “Heimkehr nach Fukushima”.

Handlung

An einem kuehlen Maerztag findet der 62jaehrige Architekt Paul Neuhaus einen Brief von seinen japanischen Freunden Ken-Ichi und Mitsuko. Mitsukos Onkel, der Buergermeister von Yoneuchi, einem Dorf in der Naehe des Ungluecksmeilers Fukushima, bittet Paul Neuhaus, ihn zu besuchen und bei der Gruendung einer Kuenstlerkolonie nach dem Vorbild Worpswedes in dem verstrahlten Dorf mitzuwirken. Diese soll dazubeitragen, dass die Leute ihre Angst ablegen und in ihre Heimatgegend zurueckkehren, nachdem die Regierung die kontaminierte Erde abtragen lies.

Am 21. April 2017 besteigt Paul Neuhaus dann das Flugzeug, das ihn nach Tokio bringen soll. Mitsuko begleitet Paul Neuhaus auf seiner Fahrt nach Yoneuchi und die beiden kommen sich unerwartet sehr nahe. Hat ihre unerwartete Liebe wie auch die wunderschoene aber verstrahle Landschaft rund um den Meiler eine Zukunft?

Bewertung

Der Roman ist weder ausschliesslich eine Liebesgeschichte oder nur eine Reflexion ueber das Leben nach der Kathastrophe von 2011. Die beiden Straenge exestieren teilweise nebeneinander, um sich dann ineinander zu verweben. Ist das, was zwischen Paul und Mitsuko passiert wirklich Liebe oder nur eine animalische Reaktion auf die unsichtbare Gefahr, die sie bei ihrem Aufenthalt in der Strahlenzone verfolgt? Der Geigerzaehler ist der staendige Begleiter der beiden. Muschg als hervoragender Beobachter schafft in seinem Roman lebendige Bilder der Angst der Menschen vor unsichtbaren Strahlen, der verzweifelten Versuche des Buergermeisters sein entvoelkertes Dorf wieder zum Leben zu erwecken, der Vorgehensweisen der japanischen Regierung, die mit hohen Loehnen Arbeitskraefte in die Strahlenzohne lockt. Ein Schauerbild. Und auch die Erkenntniss, dass die Natur sich nicht kontrollieren laesst, bringt den Leser zum Nachdenken: ”Einmal von menschlicher Technik entfesselt, entlarvt sie menschliche Kontrolle als Illusion”.

Die beiden Hauptfiguren verbindet ausserdem noch ihre Vorliebe fuer die Lektuere von Adalbert Stifters Werken. Die Naturprosa des Dichters bildet die zweite Erzaehlebene des Romans. Zitate der Naturdarstellungen von Stifter stehen parallel zu der Schilderung der wunderschoenen aber verstrahlten Landschaft Fukushimas.

Der Autor findet Parallelen zu den Tragoedien in Hiroshima und Nagasaki, gibt Einblicke in den Umgang Japans mit den drei Atomkatastrophen und stellt uns allen die Frage, was diese Tragoedien fuer uns Menschen bedeuten.

Fazit

Ein exquisites Leseerlebnis: Dramatisch, politisch, tiefgruendig, emotional. Fuenf Sterne!