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Die Muse von Wien

Die Muse von Wien

Buch - Drama | Caroline Bernard
Bewertung: ★★★★★

Die Literaturwissenschaftlerin Caroline Bernard (Tania Schlie) wurde 1961 in Hamburg geboren und arbeitet seit zwanzig Jahren als freie Autorin. Ihr Roman „Die Muse von Wien“, der Alma Mahler portraitiert, fügt sich wunderbar ein in die Roman-Reihe des Aufbau-Taschenbuchverlags „Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe“.

Handlung

Alma Schindler, eine Wiener Schönheit, ist Tochter des Malers Emil Schindler und der Sängerin Anna Sofie. Als sie dreizehn war verstarb ihr Vater und Anna Sofie heiratete den Wiener Maler Carl Moll, zu dessen Freunden Gustav Klimt, Josef Hoffmann und Kolo Moser gehörten. In Klimt findet Alma ihre erste Liebe, mit dem Musiker und ihrem Klavierlehrer Alexander Zemlinsky entdeckt sie die Sinnlichkeit. Inmitten der Wiener Boheme, in der Kunstmetropole, die gerade vom Aufstieg der Secession gezeichnet ist, umgeben von Malern, Literaten und Musiker, ist Alma eine begehrte Schönheit. Alma genießt es und versucht auch als Künstlerin Anerkennung zu erreichen, denn ihre Leidenschaft gilt der Musik. Sie verbringt Stunden am Klavier und komponiert auch selber. Jung, gebildet, leidenschaftlich und selbstbewusst, eine Musik, Kunst und Oper Kennerin, inspiriert Alma und verführt. Bei Berta Zuckerkandl eingeladen, begegnet sie dem Direktor der Wiener Hofoper, dem Dirigenten und Komponisten Gustav Mahler und verliebt sich in ihn. Gustav Mahler, der zwanzig Jahre älter als Alma ist, erwidert ihre Liebe und macht ihr einen Heiratsantrag. Als Mahler auf eine Konzertreise aufbricht, wartet Alma sehnsüchtig auf ihn. Doch dann bekommt sie einen Brief von ihrem Verlobten, in welchem er sie bittet, ihre Entscheidung nochmal genau abzuwägen, denn sie müsse ihre Kunst, ihre Musik für ihn aufgeben. Immer wieder liest Alma den Brief und ist fassungslos, doch dann entscheidet sie sich für ihre Liebe und heiratet Gustav Mahler. Nun, wird sie mit dieser Entscheidung leben und ihr Naturell sowie sich selbst für ihre große Liebe aufgeben können?

Bewertung

Caroline Bernard lässt den Zeitgeist von Wien zu Beginn des 20 Jahrhunderts lebendig werden. Man taucht ein in die besondere, farbenprächtige Atmosphäre der Wiener Bohème, des Jugendstils, erlebt den Aufstieg der Secession, findet sich inmitten des künstlerischen Lebens, das einerseits für Neues offen aber andererseits zum Teil kleinbürgerlich ist, gezeichnet auch durch aufkeimende Judenfeindlichkeit. Gustav Klimt, Siegmund Freud, Caruso, Fjedor Schaljapin, Walter Gropius, Oskar Kokoschka und weitere Berühmtheiten gehören zu dieser Künstlerwelt, in der sich das Leben von Alma Mahler abspielt. Die Autorin verwebt die Ergebnisse ihrer Recherchen und ihrer Fantasie zu einem wundervollen Portraits Wiens. Auch die Darstellung der Hauptheldin, der klugen, intelligenten, selbstbewussten aber auch in mancher Hinsicht kindlich-naiven Schönheit Alma Mahler ist Caroline Bernard gut gelungen. Innige Liebe, Höhen und Tiefen, Leidenschaft für Musik, Sinnlichkeit, Verluste und Schicksalsschläge, Ängste und Selbstaufopferung, Hoffnungen und Leid zeichnen das Leben von Alma an der Seite des Genies Gustav Mahler, für den sie zur Muse wurde.
Schade, dass die Musik von Gustav Mahler im Roman nicht „hörbar“ wird, dennoch lässt er einen, wenn angefangen, nicht mehr los.

Fazit

Ein lesenswerter Roman über eine faszinierende Frau – schön, talentiert und selbstbewusst.