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Die Grammatik der Rennpferde

Die Grammatik der Rennpferde

Buch - Drama | Angelika Jodl
Bewertung: ★★★★★

Angelika Jodl lebt in München, unterrichtet Deutsch als Fremdsprache, reitet und schreibt Geschichten. Ihre Erfahrungen haben sie zum Roman „Die Grammatik der Rennpferde“ inspiriert, der von Unberechenbarkeiten der Liebe, von Pferden und Geheimnissen der deutschen Sprache handelt.

Handlung

Salli Sturm, leidenschaftliche Deutschlehrerin, 52 Jahre alt und alleinstehend, unterrichtet an einem Institut Studenten aus aller Welt. Ihre Erklärungen und Geschichten sowie die Phantasietiere, die sie zur Veranschaulichung einsetzt, faszinieren ihre 24 Studenten. Sie wohnt in einer Wohnung in Schwabing und genießt die Kulturlandschaft der Großstadt. Zwei kurze Beziehungen in jungen Jahren hat sie hinter sich und nun freut sie sich, als ihr Kollege Anselm Donnerstag sich für ihre Gesellschaft zu interessieren scheint. Dass ihre Kollegin Barbara Müller, eine kluge und gebildete Frau, sich ebenfalls für Donnerstag interessiert, trübt ein wenig ihre Begeisterung. Als im Institut ein neuer Direktor, Dr. Taubert, seine Position bezieht, bekommt Salli es mit der Angst zu tun, als dieser beginnt, von der Wirtschaftlichkeit des Institutes zu sprechen. Sie sieht sich womöglich von einer Kündigung bedroht, da sie nur ein Staatsexamen vorweisen kann. Alle ihre Kollegen haben einen Doktortitel und können wissenschaftliche Veröffentlichungen vorlegen. Barbara und Anselm motivieren sie, ihre Erfahrungen als Praktikerin in den Dienst der Wissenschaft zu stellen, wo sie doch jedem noch so hoffnungslosen Fall Deutsch beibringen kann. Da beschließt Salli, sich einen Privatschüler zu nehmen und meldet sich auf eine Zeitungsannonce, die der aus Kasachstan stammende Ex-Jockey Sergey aufgegeben hat. Das Projekt Pygmalion beginnt. Zwei Personen, die nicht unterschiedlicher sein könnten, treffen aufeinander und entdecken gemeinsam eine neue Welt.

Bewertung

Leser, die selbst Deutsch als Fremdsprache unterrichten, werden sich in Sallis Person wiederfinden können, so bildhaft und praxisnah sind die Passagen, die den Geheimnissen und den Schwierigkeiten der deutschen Sprache gewidmet sind. Leser, die mit Germanistik nicht viel anfangen können, werden sich von Sallis Liebe zu Deutsch und ihrer Begeisterung anstecken lassen. Sallis Welt als Städterin ist mit Kultur, Musik und Literatur erfüllt, mit ihren Studenten und ihrer Arbeit. Sergey braucht sie um ihr Projekt Pygmalion umsetzen zu können. Fein säuberlich schreibt sie seine Fehler auf und überlegt sich die Korrekturmechanismen für Wortstellung im Satz, Konjunktiv, Personalpronomen… .
Die Figur von Sergey verkörpert einen bodenständigen, vom Land stammenden wortkargen Mann, der alles Handwerkliche gelernt hat und gewohnt ist, allein alle Entscheidungen zu treffen. Ein Mann, der seine Heimat verlassen musste und nun in Deutschland Pferdeställe ausmistet. (Die Darstellung eines russischen, vom Lande stammenden Mannes ist der Autorin wirklich sehr gut gelungen).
Seinen Traum, wieder an Rennen teilzunehmen gibt Sergey nicht auf. Nach und nach kommt seine ganze Lebensgeschichte ans Tageslicht und er hat ebenfalls ein Projekt, wozu er Salli braucht.
Diese Gegenüberstellung zweier Lebenswelten, die nichts miteinander gemeinsam haben, ist spannend, überraschend und humorvoll und zeigt, dass das Leben unberechenbare Wendungen nehmen und auch wie ein Zebra gestreift sein kann.

Fazit

Charmant und humorvoll, überraschend und berührend. Eine schöne Lektüre, die Sonnenstrahlen an trüben Tagen herzaubert.