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Die Goldene Legende

Die Goldene Legende

Buch - Drama | Nadeem Aslam (Autor)
Bewertung: ★★★★★

Nadeem Aslam, 1966 in Pakistan geboren, musste seine Heimat in jungen Jahren verlassen, weil sein Vater dem Widerstand gegen das herrschende Zia-Regime angehörte. In England studierte er Biochemie und Literatur. Sein fünfter Roman „Die Goldene Legende“ nimmt den Leser nach Pakistan mit, in ein von Konflikten zerrissenes Land.

Handlung

Als Nargis und Massud sich aufmachen, die Überführung der Bücher der ältesten Bibliothek Zamanas in ein neues, von ihnen entworfenes und gebautes Gebäude zu beaufsichtigen, wird Massud von einem Amerikaner, der sich vor einem Mordanschlag schützen wollte und seine Angreifer erschoss, tödlich verletzt. Ein Major des Geheimdienstes kommt zu Nargis und fordert sie auf, dem Mörder öffentlich zu vergeben, damit dieser laut Scharia-Gesetz frei gesprochen werden kann. Kurze Zeit später wird Nargis von einem Geistlichen aufgesucht, den eine radikale Gruppe schickt, um sie durch Drohungen davon abzuhalten, bei Gericht zu erscheinen. Nargis muss sich zudem noch der Tatsache stellen, dass sie es nicht geschafft hat, ihrem Mann ihr größtes Geheimnis zu verraten.

Helen, ein christliches Nachbarmädchen ist für Nargis und Massud zu einer Tochter geworden, sie haben ihr eine gute Bildung ermöglicht und ihren Vater finanziell unterstützt. Es scheint, dass ihr die Welt offen steht. Nun wird sie aber von radikalen Islamisten wegen Gotteslästerung verfolgt, da sie in einem ihrer Artikel nicht ausreichend respektvoll gegenüber Dschinns war.

Helens Vater Lily, ein Rikschafahrer, dessen Frau Grace umgebracht wurde, findet eine neue Liebe in Aysha, einer verwitweten Tochter eines muslimischen Geistlichen und begibt sich dadurch in Todesgefahr.

Imran, ein junger Moslem, begibt sich aus Kaschmir nach Pakistan, um sich als Krieger ausbilden zu lassen und für die Freiheit seiner Heimat zu kämpfen. Als er erkennt, welche Gräueltaten diese Guerillakämpfer vollbringen, taucht er unter.

Als Angriffe auf Christen zunehmen und es in der Stadt zu blutigen Konflikten kommt, verstecken sich Nargis, Helen und Imran auf einer Insel, die Massud gehört hat und auf der er eine Moschee für alle vier Richtungen des Islams gebaut hat, die aber wegen eines religiös motivierten Mordes leer stand.

Bewertung

Obwohl Nadeem Aslam seinen Roman als „Werk der Fiktion“ bezeichnet, gelingt ihm am Beispiel seiner fein gezeichneten Romanfiguren ein hintergründiges Portrait seines Heimatlandes Pakistan, zerrissen durch religiöse Konflikte und geprägt von Angst, bewaffneten Auseinandersetzungen und dem allgegenwärtigem Geheimdienst. Die Ereignisse aus der Vergangenheit - die dritte Militärdiktatur unter General Mohammed Zia-ul-Haq, der eine Islamisierung des Landes einleitete und die Scharia als Rechtsgrundlage einführte, das 1986 eingeführte „Blasphemie Gesetz“, das auch geringschätzige Bemerkungen über den Propheten unter Strafe stellt und den radikalen Islamisten eine Grundlage bot, auch bei einem Verdacht Selbstjustiz auszuüben, der Kaschmir - Konflikt - spiegeln sich in der Gegenwart Pakistans, einem von ethisch-religiösen Konflikten, Terror und Korruption geprägten Land. Radikale Islamisten erschießen einen Richter, weil ihnen sein Urteil nicht gefällt, vom Minarett werden Geheimnisse der Stadtbewohner verkündet, die vielen Betroffenen das Leben kosten, Christen werden verfolgt, Anschläge verübt. Es ist ein düsteres und ein schwer zu ertragendes Bild des religiösen Hasses und Fanatismus, des unvorstellbaren Zynismus der selbsternannten Gotteskrieger, die sich durch den Mord eines Ungläubigen von allen Sünden zu befreien glauben – von Betrügen, Stehlen, Foltern, Lügen, Vergewaltigen.

Vor dieser düsterer Kulisse einer fiktiven pakistanischen Stadt Zamana erzählt der Autor sehr anschaulich die Geschichte seiner Romanfiguren, erzählt so, dass man sie zu kennen glaubt. Und sie setzen der sie umgebenden Gewalt, Hass und Angst eine besondere Menschlichkeit und Liebe entgegen. Eine Menschlichkeit, die die Hoffnung erhält, dass „zum ersten Mal in der Geschichte alle Völker der Erde eine gemeinsame Gegenwart besitzen“.

Fazit

Ein unglaublicher Roman – fesselnd von der ersten bis zur letzten Zeile!

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