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Der Stammhalter: Roman einer Familie

Der Stammhalter: Roman einer Familie

Buch - Drama | Alexander Münninghoff (Autor)
Bewertung: ★★★★★

Der 1944 in Posen geborene niederländische Journalist und Schachspieler Alexander Münninghoff war als Auslandskorrespondent in Moskau und als Kriegsberichterstatter in El Salvador, Kambodscha, Iran und Irak tätig. 1983 wurde er mit dem höchsten niederländischen Journalistenpreis ausgezeichnet. In seinem bei C.H.Beck erschienenen Roman „Der Stammhalter“ begibt er sich auf die abenteuerliche Reise in die Vergangenheit seiner Familie.

Handlung

Der vierjährige Alexander (Bully genannt) findet 1948 auf dem Dachboden des Hauses, wo sich seine Familie in den Niederlanden, der Heimat des Großvaters, niederließ, einen schwarzen Helm und marschiert mit diesem ins Herrenzimmer. Der Helm gehörte seinem Vater Frans, als dieser gegen den Bolschewismus an der Ostfront bei der SS kämpfte. Sein Auftritt ruft verschiedenste Reaktionen hervor. Seine Mutter Wera verkriecht sich in eine Ecke des Sofas, Omi und Tante Trees schlagen ihre Hände vor den Mund, Onkel Xeno, Tante Titty und ihr Mann Guus schauen Bully mit großen Augen an. Der Alte Herr (Großvater) beendet das Schweigen und herrscht seinen Sohn Frans an, er solle seinen alten Krempel wegwerfen. Die erste Szene des Romans gibt bereits einen tiefgründigen Einblick in die Familie Münninghoff. Der Alte Herr - Großvater Joannes Münninghoff - ein niederländischer Kaufmann, unterhält Verbindungen zu Finanziers, Politikern, angesehenen Katholiken sowie Geheimdiensten. Er wurde in Riga zu einem sehr reichen Mann, wo er ein sorgloses Leben mit seiner Gattin führte, die aus einem russischen Adelsgeschlecht stammt. 1939 ist die Familie gezwungen, Lettland zu verlassen und begibt sich nach Den Haag. Nun versucht Joannes Münninghoff auch in seiner alten Heimat, den Niederlanden zu alter Stärke zurückzukehren. Zu spät merkt er, dass sein älterer Sohn Frans das Niederländische ablehnt, auch kein Kaufmann werden möchte und zum Erben nicht taugt. Mit dem Beginn des Krieges bahnt sich ein weiteres Drama an: Frans möchte seine sorglose Vergangenheit in Riga, seine Freunde nicht verlieren und geht zur Waffen-SS, um an der Ostfront gegen die Bolschewiken zu kämpfen. Außerdem widersetzt er sich dem Willen seines Vaters, der sich für Frans eine Niederländerin aus einem guten Hause als Ehefrau wünscht, und heiratet Wera Lemcke, die Tochter einer Russin und eines Deutschbalten. 1944 wird Bully – Alexander Münninghoff – geboren und der Alte Herr beschließt, ihn zum Stammhalter zu machen.

Bewertung

„Der Stammhalter“ ist eine Familienchronik der Familie Münninghoff, in der sich das Niederländische, Deutschbaltische und das Russische verwoben haben. Alexander Münninghoff portraitiert drei Generationen: Die Großeltern, Eltern und sich selbst. In dieser wahren Geschichte werden zahlreiche Personen lebendig, einzelne Szenen und wenige Striche genügen dem Autor, um die Spannung zu erhalten und ein tiefgründiges psychologisches Portrait jeder Figur zu schaffen.
Es ist eine Geschichte vom Niedergang einer Familie, in der sich unmerklich Beziehungen auflösen, und die Katastrophe nicht durch den Krieg bedingt eintritt, sondern weil jeder für den anderen nur „das Beste“ will. Es ist ein mitreißender Roman, der es sicher verdient, in eine Reihe mit Dostojevskijs „Brüder Karamasov“, Turgenjews „Väter und Söhne“ und auch Manns „Buddenbrocks“ gestellt zu werden.

Fazit

Einfach brillant! Man liest den Roman in einem Atemzug.