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Dem Horizont so nah

Dem Horizont so nah

Drama | von Jessica Koch
Bewertung: ★★★★★

Die Autorin Jessica Koch hatte bereits im Jahr 2003 die Geschichte zwischen ihr und Danny als Manuskript zu zwei Verlagen geschickt. Diese wollten die emotionale Story auch veröffentlichen, doch Koch lehnte ab und warf ihr Erslingswerk ins Feuer im Garten ihrer Eltern. Sieben Jahre später heiratete sie und erst ihr Mann brachte sie dazu, die bewegende Vergangenheit zu Papier zu bringen. Ohne diesen verständnisvollen Mann hätten wir nichts von den dramatischen Ereignissen einer großen Liebe und einer noch größeren Gemeinheit erfahren.

Handlung

Jessica und Danny sind das, was ein glückliches Paar ausmacht. Doch Danny trägt eine schreckliche Krankheit in sich, die Rede ist von HIV. Mit dem Virus hat er sich bei seinem Vater angesteckt, der ihn als Kind misshandelt und vergewaltigt hat. Die schrecklichen Kindheitserfahrungen sind ein fester Bestanteil der Handlung. Genauso wie die Liebesgeschichte zwischen den beiden. Die ist neben der tiefen Verbundenheit zueinander, gleichermaßen von der Hoffnung von Jessica geprägt, dass Danny seine schreckliche Krankheit doch noch überwindet. Danny hingegen weiß, dass er bald sterben wird, was ihn anfangs auch dazu verleitet, sich nicht auf Jessica einzlassen, denn er möchte sie nicht verletzten.

Bewertung

Das (veröffentlichte) Erstlingswerk von Jessica Koch, die in einem beschaulichen Ort mit 2000 Einwohnern zwischen Feldern und Pferdeställen aufgewachsen ist, setzt nicht nur ein dickes Ausrufezeichen, sondern ist von seiner Emotionalität her ein regelrechtes Gefühlschaos.

In erster Linie muss der Leser stark sein, denn es geht zunächst um das Thema Kindesvergewaltigung! Es ist ziemlich abartig, wie beschrieben wird, was für schreckliche Taten der Vater begangen hat. Der Höhepunkt von allem war, dass es einen Zeitpunkt gab, als das junge Kind ihm zu alt geworden war und er sich neue Opfer gesucht hat. Und wem das schon zu viel war, der schluckt spätestens bei der Ansteckung mit dem HIV-Virus.

Die Geschichte zwischen Jessica und Danny ist natürlich von diesem Ereignis geprägt und Danny versucht auch immer wieder, Jessica nicht an sich heran zu lassen. Nicht, weil er sie nicht begehrenswert findet oder sie nicht liebt, aber er möchte sie nicht verletzten, weil er weiß, dass er nicht mehr lange zu Leben hat. Doch die Liebe von Jessica ist so groß, stark und tief verwurzelt, dass sie bei ihm bleibt und um ihn kämpft. Diese Passage steht - natürlich - im Kontrast zu den schmerzhaften und traumatischen Ereignissen in Dannys Kindheit.

Der Leser kann sich also auf ein Gefühlschaos einrichten, denn die Fallhöhen sind enorm, zwischen inniger Liebe und der Mißhandlung von einem Kind. Jessica Koch erzählt aus ihrem Leben und deckt auf schöne und tragische Weise alle fünf Grundemotionen, wie Ekel, Wut, Freude, Überraschung und Angst ab. Durch diese gekonnte Mischung ist der Roman ein regelrechter Pageturner!

Zu aller Letzt möchte ich noch einmal kurz auf die Namensgebung vom Vater eingehen, denn diese wird mit keiner Silbe erwähnt. Auf der einen Seite bekommt der Leser die ganze Verachtung zu spüren, die man für solch einen kranken Menschen nur aufbringen kann, und auf der anderen bekommt er genau die Beachtung die er verdient: ein namenloses Monster!

Fazit

„Dem Horizont so nah“ ist ein Buch, dass von seiner emotionalen, realen Handlung den Leser von der ersten Seite an packt und nicht kalt zurück lässt. Selbst eine Zusammenfassung löst eine Gänesehautstimmung aus. Beim Lesen musste ich wegen den schrecklichen und abscheulichen Passagen oftmals durchatmen, um alles zu verarbeiten. Jessica Koch setzt ein großes Ausrufezeichen mit ihrer persönlichen Verarbeitung der Vergangenheit. Absolute Kaufempfehlung!

Autor: Eskimo

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