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Reingelunzt: Zinnober #1 inkl. Kurzinterview

Reingelunzt: Zinnober #1 inkl. Kurzinterview

Comic - Action | Ralf Singh und Thorsten Brochhaus
Bewertung:★★★★★

Falls jemand hinter dem Mond gelebt und es immer noch nicht mitbekommen hat: Am 01.03.2018 startete die Kickstarter-Kampagne zum langersehnten Endzeit-Fantasy-Comic „Zinnober“ von Ralf Singh und Co-Autor Thorsten Brochhaus. Ich durfte mir vorab das erste von insgesamt sechs Heften anschauen und ein paar Worte mit Ralf wechseln.

In „Reingelunzt“ halte ich mich nicht lang mit Details auf und komme direkt zum Punkt. Das ist auch hier so, wird aber durch ein Kurzinterview ergänzt.

Zinnober #1

Die Welt ist im Eimer und die letzten Überlebenden der Menschheit haben sich unter die Oberfläche zurückgezogen um der neuen dominierende Spezies der Erde zu entfliehen: Drachen. Im Zentrum der Handlung steht die junge Claire, die zusammen mit ihrem Adoptivvater James durch die Straßen zieht und auf Rache an den Monstern aus ist. Laut Ralf liegt der Fokus auf „Action, Drama und Charakterentwicklung“ und die Zielgruppe sind „junge Erwachsene und älter“.

Das erste Heft etabliert eine kaputte Welt, die durch das Stadtsetting an „I am Legend“ erinnert und mit dem Gimmick „Drachen“ daherkommt. Noch spielen diese keine größere Rolle und dienen eher als Vehikel für eine allgegenwärtige Bedrohung. Die Story führt über eine größere Actionsequenz direkt zu einem Cliffhanger und wird mit interessanten Figuren erzählt. Die Zeichnungen sind klasse und werden durch eine gute Kolorierung mit definierter Farbpalette ergänzt.

Fazit

Es wurde aber auch Zeit! Nachdem ich dem Kreativteam hinter „Zinnober“ nun schon längere Zeit folge und dieses online gelegentlich Einblicke in dessen Arbeit gewährte, stand die Reihe schon länger auf meiner Liste. Der Start ist wirklich famos geworden und ich hoffe doch sehr auf einen Erfolg der Kickstarter-Kampagne! Also bitte buttert dort mal ordentlich was rein Leute!

Ralf Singh stand uns dankenswerterweise noch für ein paar Fragen zur Verfügung:


Hi Ralf!

Für „Zinnober“ startet am 01.03. die langerwartete Kickstarter-Kampagne für die wir Dir und Thorsten viel Erfolg wünschen. Was hat euch dazu inspiriert ein dystopisches Fantasy-Setting umzusetzen?


Zinnober war im ersten Konzept eine Science-Fiction-Story; ich weiß gar nicht, ob ich das überhaupt schon mal jemanden erzählt habe. Ganz bestimmt, ich plappere ja sehr viel. Aber wie bin ich dann bei einem dystopischen Setting gelandet? Je weiter ich die Figuren und das Setting verarbeitet habe, desto mehr habe ich Kritik an uns Menschen in die Geschichte gebaut. Während meiner Arbeit an Zinnober bin ich zweifacher Onkel geworden und ich habe mir immer mehr Gedanken um die Welt gemacht, in der mein Neffe und meine Nichte aufwachsen werden. Viele aktuelle Probleme haben mich immer mehr ins Grübeln gebracht und die Drachen in Zinnober sind so etwas wie die Stellvertreter der Natur, die jetzt auf den Tisch schlägt und sagt: „Wir haben von euch Menschen die Schnauze voll“. Und da fand ich es besser, es in unsere aktuelle Welt zu versetzen, nur ist die menschliche Zivilisation von heute vollkommen zerstört. Die Natur hat sich den Planeten zurückerobert. Und darum sehen wir die verfallenen Straßen von London, wo nach und nach das Grün sich das Land zurückerobert.

Gerade das Artwork sieht nach sehr viel Arbeit aus und du scheinst schon eine halbe Ewigkeit daran zu werkeln. Von welchem zeitlichen Rahmen sprechen wir insgesamt? Wie lang brauchst du pro Seite und Heft?

Das ist immer schwer zu sagen, wie viel Zeit eine Seite braucht. Ich versuche an Seiten die besonders wichtig sind etwas mehr Aufwand einzubringen, das hole ich mir dann bei anderen Seiten wieder raus. Da kann eine Seite mal ein oder zwei Tage dauern oder halt auch mal eine ganze Woche. Das erste Heft insgesamt hat fast zwei Jahre gebraucht. Das liegt daran, dass wir lange über einen guten Einstieg in die Geschichte nachgedacht haben. Auch hat es etwas gedauert uns im Team richtig einzuspielen und unseren Stil zu finden. Da merkt man besonders am Anfang noch ein paar Schwankungen in der Qualität. Für Heft 2 habe ich drei Monate gebraucht, das gibt es dann um einiges schneller. In Heft 3, wo wir jetzt langsam anfangen, wollen wir uns nochmal steigern. Im Laufe der Zeit haben wir sehr viel gelernt und uns viele neue Tricks angeeignet. Das ist halt die natürliche Lernkurve wenn man ein Team hat, das so vorher noch nicht zusammengearbeitet hat. Hinzu kommt, dass Zinnober für mich und Thorsten das größte Projekt bisher ist. Aber bisher liegen wir gut im Zeitplan. Für die US-Veröffentlichung ist Zinnober auf sechs Hefte ausgelegt. Die deutsche Veröffentlichung besteht aus zwei Büchern, die jeweils drei der US-Hefte zusammenfasst.

Mit Kickstarter steht unabhängigen Künstlern eine Plattform zur Verfügung, um ihre Arbeit zu finanzieren. Glaubst du, dass Crowdfunding langfristig „der Weg“ für Indies sein wird? Warum fiel die Wahl gerade auf diese Plattform?

Ich verfolge Kickstarter schon seit Jahren, auch in Deutschland. Und ich finde es ist eine sehr gute Plattform, denn sie übernimmt viele Funktionen, die ansonsten von Verlagen übernommen werden. Kickstarter hilft uns einen finanziellen Vorschuss zu bekommen, Kickstarter hat als Label schon eine mediale Wirkung und viele Leute gehen auch auf Kickstarter um neue Projekte zu entdecken. Das bedeutet Kickstarter hilft mir auch ein Publikum zu finden. Natürlich auch in Zusammenhang mit einer ausgeklügelten Promotion, die wir selbst als Künstler machen müssen, aber das müssen wir heutzutage auch meist bei den deutschen Verlagen. Dafür habe ich als Künstler volle kreative Kontrolle. Ich muss keine Kompromisse was das Design oder das Format angeht machen. Ich muss mir nicht einreden lassen, als welche Sparte ich das verkaufe oder welche Leserichtung ich nehmen muss. Außerdem habe ich volle Kontrolle und Einsicht über die Einnahmen. Das Einzige das wirklich schwierig ist, ist als Indie-Künstler in die Comicshops und den Buchhandel zu kommen. Daran müssen wir noch in der deutschen Comickultur arbeiten. Andere Aufgaben wie Lizensierungen im Ausland kann ich auch wunderbar selbst übernehmen, das habe ich ja mit meiner Veröffentlichung in den USA schon gezeigt. Auch steht eine Veröffentlichung von Zinnober in Italien im Raum. Es gibt einen kleinen Indieverlag, der sich schon die Rechte gesichert hat. Damit wird Zinnober wahrscheinlich in drei Sprachen erscheinen dieses Jahr. Wie genial ist das denn? Und das habe ich in einem halben Jahr ohne Verlagshilfe geschafft. Die Frage ist meiner Ansicht nach nicht, ob Kickstarter die Alternative zu Verlagen ist, sondern was ein Verlag mir noch bieten kann, wenn ich mir mit den heutigen Möglichkeiten selbst etwas aufbauen kann. Das bedeutet nicht, dass ich Verlage ganz ablehne in Deutschland, aber der Fokus von vielen deutschen Verlagen liegt ja auch weniger im Produzieren von eignen Comics. Vieles hier wird importiert. Kickstarter selbst habe ich als Plattform gewählt, weil es international einfach die größte ist. Und ich plane langfristig auch weitere Projekte wenn alles klappt und da kann ich dann auch sehr gut international meine Flügel ausstrecken.

Vielen Dank für das Gespräch.

Vielen Dank Andreas, dass du mir die Plattform bietest Promotion für mein Projekt zu machen.

Link zur Kampagne: HIER