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Kick-Ass 1

Kick-Ass 1

Comic - Action | Autor: Mark Millar, Zeichnungen: John Romita Jr.
Bewertung: ★★★★

Warum will jeder sein wie Paris Hilton, aber niemand wie Spider-Man? Diese Frage stellt sich Dave Lizweski und findet recht schnell die einfache wie offensichtliche Antwort: Es ist der eigenen Lebenserwartung nicht sonderlich zuträglich. Trotzdem will der Teenager aus seinem langweiligen Alltag ausbrechen und beweisen, dass Superhelden nicht nur notwendig, sondern auch möglich sind. Als plötzlich das mysteriöse Duo "Hit-Girl" und "Big Daddy" und der mafiöse Genovese-Clan auf den Plan tretten, entwickelt sein kleines Projekt schnell eine sehr actiongeladene und blutrünstige Eigendynamik ...

Handlung

Dave Lizweski ist der klassische, nerdige Niemand an seiner Schule. Kein gehänselter Looser, aber dermaßen unauffällig, dass er weder viele Freunde um sich scharen kann, geschweige denn vom weiblichen Geschlecht auch nur eine Nuance positiver Aufmerksamkeit geschenkt bekommt. Während er sich in die Welt von Comic-Superhelden oder erotischen Fantasien mit seiner Biologielehrerin Mrs. Zane flüchtet, wächst der Wunsch, aus dem langweiligen Leben auszubrechen, etwas zu verändern, Abenteuer zu erleben. Warum wollen tausende sein wie Paris Hilton, aber niemand wie Spider-Man?

Einsam, gelangweilt, verzweifelt und inspiriert von all den Captain Americas, Iron Mans & Co. legt er sich also Kostüm und Schlagstöcke zu, um das Verbrechen in die Schranken zu weisen - oder eigentlich nur, um irgendwie das Gefühl zu haben, etwas Sinnvolles zu tun. Das geht zunächst schrecklich schief und endet für ihn mit zwei gebrochenen Beinen, einem gebrochenen Rücken, einer tiefen Stichwunde und einem schweren Schädeltrauma. Keinesfalls gibt er auf und das Leben als "Superheld", als Kick-Ass, nimmt einen sehr spannenden, dynamischen und blutrünstigen Lauf.

Bewertung

Mark Millar hat mit Kick-Ass eine sehr brutale, überzeichnete Geschichte entworfen, bei der sich wahrscheinlich gar nicht so wenige mit dem Protagonisten identifizieren können. Wollten wir nicht alle mal die Maske anlegen, auf den Dächern patroullieren und die Jungfrau in Not retten? Blöd nur, dass in der Realität keine FSK ab 12 Jahren gilt, dass die Kugel nicht stets wenige Zentimeter am Kopf vorbeifliegt und der Held das Mädchen am Ende für sich gewinnt. Millar nimmt sich dem Szenario, dass Menschen ihre Helden zu ernst nehmen, auf die höchstmöglich überzeichnete und brutale Weise an. Es gibt immer wieder zahlreiche Referenzen zu populären Comics und Filmen, die als kleine Gags gut funktionieren, darüber hinaus viel derben Humor (ja, dazu gehören auch Penis-Witze), der sich m.E. gut eingefügt hat und auch nicht zu aufdringlich verwendet wird. Der Entwurf von Dave Lizweski aka Kick-Ass ist Millars großer Pluspunkt in dieser Geschichte, denn er ist glaubwürdig und durch die Serie hindurch ein guter Orientierungspunkt, ich konnte mir stets einen Reim auf seine Motivation machen.

Ein wenig enttäuscht war ich von der Charakterzeichnung Hit-Girls, die im Film, gespielt von Chloe Grace-Moretz, für mich deutlich nahbarer war. Sie hat auch im Comic einige Momente, unterm Strich bleibt sie aber eher blass und kommt über die Rolle des militaristisch indoktrinierten, quasi-faschistischen Freaks nicht hinaus. Dieselbe Kritik lässt sich abseits vom Protagonisten Dave leider bei allen anderen Figuren wiederholen, hier wird sehr sparsam mit Charaktertiefe gearbeitet. Emotionale Momente, sowohl für die Figuren als auch für den Rezipienten, gab es im Gegensatz zum Film leider kaum. Generell hat sich Millar meiner Auffassung nach beim Spannungsbogen am Ende etwas verzettelt, der Abschluss fühlt sich sehr übereilt und nicht ganz rund an; auch hier wurden in der filmischen Adaption sinnvolle Änderungen vorgenommen. Die Hefte #1 - #6 kann ich durchaus mit bis zu 4 Sternen bewerten, aber ausgerechnet das Finale in #7 - 8, dass defintiv starke Szenen hat, legt für mich einige Schwächen offen.

Fazit

Es ist nicht der Geniestreich, als der das Comic in vielen Rezensionen beworben wird, aber ich hatte meinen Spaß. Für mich war es der zweite Mark Millar-Titel, bei dem ich allerdings erneut der Meinung bin, dass die Filmadaption die stärkere Version der Geschichte ist. Am Ende gebe ich 3,5 Sterne.